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Männermagazin statt Dossier

Merkels bereitete sich mit dem "Playboy" auf Trump vor

Die deutsche Kanzlerin ist offenbar nicht wählerisch, wenn es um Informationsquellen über ausländischen Staatschefs geht. Sich in einem Schmuddelheftchen über den amtierenden US-Präsidenten zu informieren – darauf wären wohl nicht viele gekommen.

19.03.2017 14:06 Uhr / dpa
Angela Merkel hatte gut lachen
© Evan Vucci/AP/dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel bereitet sich auf Treffen mit Staatenlenkern dieser Welt in aller Regel intensiv vor. Bisweilen nutzt sie dafür Mittel, die überraschen. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, las die Kanzlerin vor dem mit großer Spannung erwarteten ersten Treffen mit US-Präsident Donald Trump im Männermagazin "Playboy".

Schon vor Wochen habe sie sich aus dem Magazin ein älteres Interview mit Trump von 1990 kommen lassen, weil es bis heute offenbar besondere Aussagekraft über den Menschen und den Geschäftsmann Trump besitze. Und da konnte die Kanzlerin von Trump unter anderem lesen:

"Ich studiere Menschen und in jeder Verhandlung wäge ich ab, wie tough ich daherkommen sollte. Ich kann ein Killer sein und ein netter Mensch. Du musst alles sein. Du musst stark sein. Du musst lieb sein. Du musst skrupellos sein. Und ich denke nicht, dass davon irgendetwas erlernt werden kann. Entweder hast du es drauf oder eben nicht."

Ein einzigartiger Einblick in Donald Trumps Psyche

Trump, der mit Immobilien sein Vermögen machte, schilderte demnach darin, dass er sich mit acht Jahren die Bauklötze seines Bruders genommen habe, um erstmals seine Vorstellungen für eine architektonische Umgestaltung Manhattans ins Werk zu setzen. Das sei 1954 gewesen, das Jahr, in dem Angela Merkel geboren wurde.

Trump wollte 1990 noch nicht Präsident werden, aber wenn, dann lieber Demokrat als Republikaner. Nicht weil er besonders liberal wäre, nein, er sei konservativ, "aber der Arbeiter würde mich wählen. Er mag mich." Und schon damals wollte er Steuern auf jeden Mercedes-Benz und auf alle japanischen Produkte erheben, die ins Land kommen. Er vertrat auch schon damals die Ansicht, die USA würden von ihren "sogenannten Verbündeten" ausgenutzt. Die Amerikaner verschwendeten viele Milliarden, um reiche Länder militärisch zu beschützen.

Wie viel Louis de Funès steckt in Nicolas Sarkozy?

Heute stehen die Vorwürfe so ähnlich wieder im Raum - insbesondere auch die Forderung an Deutschland und andere Nato-Mitglieder, entschieden mehr für Verteidigung zu tun. In bestimmten Dingen bleibt sich Trump eben doch treu, konnte Merkel in dem Interview lernen.

Laut "Süddeutscher Zeitung" soll die Kanzlerin übrigens vor einigen Jahren vor dem ersten Treffen mit dem früheren französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy Louis de Funès-Filme geguckt haben - um sich auf dessen zappeliges Temperament einzustellen.

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