Quatsch Comedy Show

Thomas Hermanns über Stand-Up-Comedy in Deutschland

Das Interview

© Thomas Kierok ProSieben

Mit der Erfindung des „Quatsch Comedy Clubs“ hat er die Stand-Up-Comedy in Deutschland etabliert, wenn nicht überhaupt erst ermöglicht. Thomas Hermanns, Moderator, TV-Autor und Show-Produzent, spricht mit ProSieben.de über Comedy und Humor in Deutschland.

Herr Hermanns, wird man Ihrer Lebensleistung gerecht, wenn man Sie als „Pate der Stand-Up-Comedy“ in Deutschland bezeichnet?

Thomas Hermanns: Ja, ich glaube schon, dass man das nach all den Jahren so behaupten kann, ohne sich gleich dem Vorwurf der Arroganz ausgesetzt sehen zu müssen. Der „Quatsch Comedy Club“ hat in all den Jahren durchaus eine ganze Menge in Sachen Stand-Up-Comedy geleistet.

Wir sprechen hierzulande immer von Stand-Up-Comedy, einen tatsächlich rein deutschen Begriff scheint es dafür gar nicht zu geben?

Hermanns: Nein, nicht wirklich. Stehgreif-Humor ist wahrscheinlich noch das nächste, das man nennen könnte. Einen Begriff aber, der das Bild von „ein Mann, ein Mikro“ exakt trifft, den gibt es nicht.

Wenn es keinen deutschen Ausdruck dafür gibt, gibt es dann auch keinen typisch deutschen Humor?

Hermanns: Ich glaube, dass Stand-Up-Comedy und die Themen, die hier behandelt werden, global funktionieren. Wir waren mit dem „Quatsch Comedy Club“ bereits in London oder werden z. B. im Januar in Hongkong gastieren. Es mag die ein oder andere nationale Ausprägung oder auch nationale Tabuzone geben, im Großen und Ganzen aber versteht man überall auf der Welt, welche Probleme der junge, urbane Mensch oder speziell der Single mit sich herumschleppt.

Der „Quatsch Comedy Club“ ist ohne Frage eine der ganz großen Erfolgsgeschichten der letzten 15 Jahre im deutschen TV; haben Sie eine Erklärung dafür, warum dieses Format in unserer schnelllebigen Zeit als ein solcher Dinosaurier überleben konnte?

Hermanns: Ich glaube, es gibt dafür zwei Gründe. Zum einen hat der „Quatsch Comedy-Club“ wohl einen eingebauten Verjüngungseffekt. Weil wir nicht an ein festes Ensemble gebunden sind – außer mir wechselt ja ständig alles und jeder - treten bei uns immer wieder die Besten mit den neuesten Ideen auf, die gerade auf dem Markt sind. Und so verjüngt sich das Format inhaltlich immer wieder aufs Neue. Zum anderen gab es diese Hysterie, dass ein Format schon nach zwei, drei Folgen abgesetzt wird, weil die Quote nicht von Beginn an stimmt, damals in diesem Maße einfach noch nicht. Wären wir demselben Quotendruck ausgesetzt gewesen, wie das heute der Fall ist, dann gäbe es uns wohl längst nicht mehr. Umso mehr sollte unser Beispiel die Sender ermutigen, guten Formaten auch eine Chance zum Wachsen zu geben.

Ist der Sendetermin am Dienstag um 22.45 Uhr eine Zeit, mit der Sie gut leben können?

Hermanns: Wir haben für das Format ein „Elf Uhr“-Gefühl entwickelt. Ich denke das ist perfekt, weil dieses Format durchaus einen „Late Night-Humor“-Charakter hat und genau genommen klassische „Late Night“ ist.

Sie haben es schon angesprochen, die einzige Konstante im „Quatsch Comedy Club“ sind Sie; sehen Sie sich selbst eigentlich bisweilen auch als Comedian oder doch vielmehr als Moderator und als Mittler für andere Talente?

Hermanns: Auf gar keinen Fall als Comedian, viele Leute verwechseln das. Ich bin Moderator mit der ein oder anderen Pointe, vor allem aber auch Show-Macher. Wenn man eine Sendung selbst erfunden, kreiert und mitproduziert hat, dann entwickelt man ganz starke väterliche Gefühle. Und genau genommen ist genau das auch mein Beruf, dass ich auch jenseits von „Quatsch Comedy Club“ Shows erfinde.

Gibt es eigentlich so etwas wie Trends in der Comedy?

Hermanns: Ja, und diese Trends kommen und die gehen, wie man über die Jahre hinweg beobachten kann. Man kann die Richtung bei uns im Live-Club in Hamburg oder Berlin oft schon erkennen, bevor der Trend dann überhaupt erst richtig losgetreten wird. Und das zu beobachten, das ist eines der Dinge, die mir in diesem Job den größten Spaß bereiten.

Was kommt jetzt gerade auf uns zu?

Herrmanns: Das Ende der Männer-Frauen-Diskussion scheint mir erreicht, das Thema hat länger getragen, als wir alle gedacht haben.

Und nun?

Hermanns: Jetzt ist zum einen wieder die Zeit für mehr Surrealismus, damit also für Comedians, die eher aus der Helge Schneider-Tradition kommen. Zum anderen gibt es aber auch den etwas herberen Realismus, wie ihn Cindy aus Marzahn verkörpert, die die sozialen Wahrheiten etwas direkter anspricht. Und insgesamt habe ich das Gefühl, dass die Impulse zurzeit eher aus dem Osten, aus Berlin oder auch aus Dresden kommen.

Comedy geht ganz bewusst respektlos mit den so genannten „heiligen Kühen“ um, gibt es dennoch auch Tabus?

Hermanns: Tabus darf es in der Comedy nicht geben, Humor darf nie politically correct sein. Man kann über alles Gags machen, das Gesetz lautet nur: „Je größer das Tabu ist, desto besser muss der Gag sein“. Ein großes Tabu und ein flauer Gag – das gibt ein fades Gefühl im Bauch!

Wo hört für Sie der Spaß auf und wo fängt der Ernst an?
Hermanns: In dem Beruf hört der Spaß nie auf, und der Ernst spielt dementsprechend keine Rolle.
Interview: Andreas Kötter

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