SAM-Moderatorin Silvia Laubenbacher im Interview
© Holger Rauner - ProSieben
Interview mit Silvia Laubenbacher
„Wenn unser Garten größer wäre, hätten wir auch noch ein Lama und ein Mini-Pferd“
Sie ist das Gesicht von „SAM“. Seit zehn Jahren moderiert Silvia Laubenbacher das ProSieben-Erfolgsformat. Im Exklusiv-Interview für ProSieben.de spricht die 43-Jährige mit Andreas Kötter über die neue Struktur von „SAM“, über Sammelwut und Speed-Dating und darüber, warum sie gerne einen etwas größeren Garten hätte.
Frau Laubenbacher, die zehnjährige „SAM“-Erfolgsgeschichte geht weiter, wenn sich der Rhythmus der Sendung auch etwas geändert hat...
Die Beiträge sind jetzt wesentlich länger, vielleicht muss sich der eine oder andere Zuschauer erst daran gewöhnen, weil er von früher eine andere Taktung kennt. Aktuelles hier, tragisches Unglück dort, und das meist nur zwischen drei und höchstens sechs Minuten. Das aber scheint durch zu sein. Vielleicht, weil unser Leben zu hart und die Krise zu heftig ist und die Leute wenigstens mittags noch nicht sehen wollen, warum der 18-Jährige so schrecklich verunglückt ist. Die Zuschauer sehnen sich nach längeren Beiträgen, in denen sie die Protagonisten besser kennenlernen, und nach mehr Unterhaltung. Und ich habe schon nach wenigen Sendungen das Gefühl, dass dieses neue Konzept sehr gut einschlägt. Die Quoten scheinen das zu belegen.
„SAM“ gibt jetzt auf den verschiedensten Gebieten so eine Art Hilfe zur Selbsthilfe...
Ja, so könnte man das sagen. Wir nennen es „Hilfe vom Profi“. Wir haben in den letzten Monaten ein wenig herumexperimentiert und festgestellt, dass sich der Zuschauer damit gut identifizieren kann.
Wobei „Profi“ nicht immer ganz zutrifft...
Das stimmt. Eine der neuen Reihen innerhalb von „SAM“ heißt „Die Aufräumer/Ausräumer“. Hier geht es darum, Leuten zu helfen, die in ihrer Sammelwut gefangen sind. Angehörige wenden sich an uns, weil zu Hause wegen dieses Sammelticks kaum noch Platz bleibt. Was die Betroffenen nicht wissen: Wir kommen und räumen nicht nur auf, sondern tatsächlich die Bude auch komplett aus. Wir machen sauber, wir streichen, aber die Sachen sind zunächst weg.
Das dürfte im einen oder anderen Fall zu Herz zerreißenden Szenen führen...
Stimmt, Tränen gibt es schon mal. Aber die Betroffenen können die Dinge zurückgewinnen, wenn sie sich in einigen verrückten Spielchen daran erinnern, was sie in der Vergangenheit alles angesammelt haben. Da wird manch einem schnell klar, welchen Ballast er teilweise durch sein Leben geschleppt hat. Wer aber partout alle seine Sachen zurückhaben möchte, der bekommt sie selbstverständlich auch zurück. Wie die Frau, die sich nicht von ihrer Designer-Handtaschen-Sammlung trennen wollte.
Gibt es eine allgemeingültige Formel, was weg kann und was nicht?
Grundsätzlich mache ich selbst immer mal wieder die Probe aufs Exempel und trenne mich von Dingen, die ich etwa ein Jahr lang nicht mehr in die Hand genommen habe. Diese Dinge vermisst man in aller Regel auch nicht, wenn sie nicht mehr da sind.
Gibt es etwas, das Sie sammeln und von dem Sie sich niemals trennen würden?
Mein Mann und ich sammeln furchtbar gerne, vor allem Tiere.
Ausgestopfte oder lebendige?
Beides. Wir haben eine große afrikanische Antilope an der Wand hängen, Pranni, die wie alle Tiere in unserem Haushalt auch einen Namen bekommen hat. Dann gibt es Koi-Karpfen, Albino-Störe und ein kleines Aquarium mit den üblichen Fischen für die Kinder. Einen Hund gibt es auch und wenn der Garten noch ein wenig größer wäre, dann würden dort sicher auch noch ein Lama und ein Mini-Pferd zu Hause sein.
„Hilfe vom Profi“ bieten aber nicht nur „Die Aufräumer/Ausräumer“, sondern z. B. auch Starfriseur Andreas Wendt, der Kollegen rettet, deren Salons vor dem Aus stehen...
Andreas Wendt ist einfach unglaublich frech, er hat eine tolle Schnauze und seine Sprüche machen richtig Freude. Ich bin immer wieder baff, wie spontan er dabei ist und trotzdem immer liebevoll bleibt. Er hat Ahnung, er ist vom Fach und hilft Kollegen, die in einer echten Krise stecken. Und es ist faszinierend zuzuschauen, wie er es mit relativ geringem finanziellen Einsatz schafft, das Ruder noch herumzureißen.
Und dann gibt es noch „Style Attack“...
„Style Attack“ ist klasse! Witzig, wild und frech geschnitten und erneuert das bekannte Thema „Umstylen“, in dem das diesmal an den unmöglichsten Orten geschieht. Eine Frau etwa sitzt im Zahnarztsessel und wird in gerade einmal fünf Minuten von einem Stylisten und einem Make-Up Artist aufgepimpt. Eine andere Frau wird morgens um halb sechs auf dem Flughafen beim Einchecken umgestylt. Das ist unglaublich witzig und es macht viel Freude zuzuschauen.
Um eine andere Form des Umstylens geht es bei „Die Selberbauer“...
Es gibt ein Zimmer, das von vier Leuten umgestaltet wird. Der fünfte im Bunde ist der Bewohner, der ein eingeschränktes Mitsprache-Recht hat und etwa sagen kann „Mein Bett möchte ich auf jeden Fall behalten“. Mit einem vorgegebenen Budget muss die Gruppe die Renovierung dann stemmen. Ein Profi darf nur zu Rate gezogen werden, wenn es gar nicht mehr anders weitergeht.
Worum es bei „Mann gesucht“ geht, ist nicht so schwierig zu erraten; allerdings klingt die Vorstellung von fünf Frauen in einer WG, die mit Speed-Dating etc. den Mann fürs Leben suchen, ein wenig nach Mord und Totschlag…
Kennen Sie „Shoppen“? Dieser Low Budget-Film erzählt die Geschichte von 18 Menschen, die an einem Speed-Dating teilnehmen. Da schafft es der Regisseur in dreißig Minuten alle Charaktere vorzustellen. Normalerweise denkt man „Unmöglich, spätestens nach dem fünften Date geht sowieso alles Drunter und Drüber“. Aber offensichtlich funktioniert es eben doch und kann obendrein noch ein großer Spaß sein. Und genau das verspreche ich mir auch von unserer Idee.
Man spürt, dass Sie auch nach zehn Jahren noch immer großen Spaß haben an „SAM“. Hoffentlich klingt es nicht uncharmant, wenn man Sie als ProSieben-Urgestein bezeichnet...
Nein, das dürfen Sie gerne, es stimmt ja auch, ich bin seit 1991 beim Sender und moderiere seit 1999 „SAM“.
Wenn man so will, sind Sie „SAM“ und „SAM“ ist Laubenbacher; wie geht es Ihnen damit?
Super! Ich möchte auch gar nichts anderes machen! Ich bin über die Jahre und – man kann mittlerweile ja schon sagen – Jahrzehnte immer mal wieder gefragt worden, wohin es noch gehen soll. Da kann ich nur antworten: „SAM ist einfach mein Ding!“ Ich schaue selbst immer noch begeistert zu und habe mich gerade erst wieder scheckig gelacht bei einer Folge von „Die Aufräumer/Ausräumer“. Und wenn man als „alte“ Moderatorin und „altes“ Format im Sender immer noch als die kreative Ideenschmiede gilt für die Nachmittags- und sogar Primetime-Formate, dann ist das doch ein wunderbares Kompliment.
„Alte“ Moderatorin – da kokettieren Sie aber ein wenig...
Stimmt schon, ich fühle mich ja auch gar nicht alt. Ich bin in einem jungen Team und werde auch noch nicht gesiezt. Wenn es vielleicht irgendwann mal heißt „Guten Morgen, Frau Laubenbacher“, erst dann fange ich möglicherweise an, mir Gedanken zu machen. Im Übrigen gewinnt man mit jedem Lebensjahr, das man älter wird, auch an Erfahrung hinzu. Und das ist durchaus ein Vorteil gegenüber jüngeren Kollegen, weil man schon so vieles erlebt und auch durchgestanden hat. So schnell bringt einen da nichts mehr aus der Ruhe.