Interview mit Sarah Chalke
Pannen und Kinder
ProSieben.de: Gab es während der Dreharbeiten lustige Situationen?
Oh ja, es gibt Situationen, da müssen wir den Dreh unterbrechen, die Kameras anhalten und eine Minute Pause machen, weil wir solche Lachkrämpfe haben. Das kann man dann am Ende des Jahres sehen. Da werden alle lustigen Situationen aneinander geschnitten - alle Fehler, die wir gemacht haben, bzw. Momente, in denen wir nicht mehr aufhören konnten zu lachen. Das macht die Show so hervorragend. Denn eine Serie, in der alle Leute steif und verkrampft sind, ist keine gute Grundlage für eine erfolgreiche Comedy. Bei uns ist jeder relaxed. Das hilft uns, in der Show lustig zu sein. Wir haben wirklich eine super Zeit am Set! Danny (Anm. d. Red.: Donald Faison) und ich haben uns am Set immer zum Spaß die Hände geschüttelt. Irgendwann sah das der Produzent und beschloss, das in die Handlung der nächsten Episode einzubauen. So etwas passiert immer wieder.
ProSieben.de: Was gefällt dir an der technischen Umsetzung von "Scrubs" besonders gut?
Bei "Scrubs" arbeiten wir nur mit einer Kamera. Das ist ein großer Unterschied zu Sitcoms wie "Roseanne", wo wir mit vier Kameras gearbeitet haben und wo man das Skript am Montag bekam, die ganze Woche probte und nur am Donnerstagabend aufzeichnete. Es war richtig gut, vor einem Publikum zu spielen, denn so bekam man sofort die Reaktion der Zuschauer.
© Touchstone Television
Bei der Arbeit mit einer Kamera wie bei "Scrubs" kommt das Feedback erst dann, wenn die Serie im Fernsehen läuft. Dafür hat man jedoch mehr kreativen Freiraum, gerade weil die Single-Kamera-Technik angewendet wird. So kann man verschiedene Einstellungen mehrmals ausprobieren und sich am Ende die beste aussuchen. Wir spielen aber jede Szene so, wie sie im Buch steht - denn die Autoren sind fantastisch. Wenn dann doch unvorhergesehenerweise etwas Lustiges am Set passiert, wird es einfach reingeschnitten. Ich mag am liebsten die Fantasiesequenzen. Die Geschichte wird aus J.D.s Sicht erzählt, seine Gedanken werden optisch umgesetzt. Jeden Tag kommen wir zur Arbeit und wissen gar nicht, was auf uns zukommt. Manchmal verkleiden wir uns und sehen dann aus wie die Besetzung von "Star Wars", "Batman und Robin" oder "The Grinch". Das ist richtig lustig.
ProSieben.de: Sarah, wie kommt es, dass du so gut deutsch sprichst?
Meine Mutter ist Deutsche, wurde in Retz geboren, in der Nähe von Rostock. Meine Großmutter stammt aus Hamburg. Die ganze Familie mütterlicherseits ist 1952 nach Kanada ausgewandert. Ich wurde in Ottawa geboren, und meine zwei Schwestern und ich sind dort zwei Mal pro Woche in die deutsche Schule gegangen. Außerdem habe ich noch Verwandte und Bekannte in Deutschland. 1992 habe ich meine ganze Familie aus München, Garmisch-Partenkirchen, Berlin und Rostock besucht.
ProSieben.de: Welche deutschen Speisen und Gerichte magst du gerne?
Meine Großmutter hat immer Pflaumenkuchen, Streuselkuchen und Schokoladensuppe mit Schlagsahne gemacht. Meine Mutter kocht oft Thüringer Bratwürste mit Sauerkraut.
ProSieben.de: Du bist nicht nur Schauspielerin, sondern arbeitest auch freiwillig in einem Kinderhospiz. Was war die Motivation dafür?
Als ich ein kleines Kind war, haben wir viele Waisenhäuser in der ganzen Welt besucht, weil meine Eltern eine Adoptions-Agentur haben. Als Kind war das eine eindrucksvolle Erfahrung für mich - zu sehen, dass andere Kinder viel weniger Glück und nicht mal ein Spielzeug oder etwas zu essen haben. Ich wusste immer schon, dass ich viel Freizeit mit Kindern verbringen will. Jetzt habe ich mit Kindern in Kanada gearbeitet. Es gibt da ein Hospiz, das heißt "Connect Place". Ich gehe zu den Kindern und verbringe Zeit mit ihnen, lese Bücher mit ihnen, male ihre Fingernägel an. Sie können auch mit meinen kleinen Welpen spielen, die ich oft mitbringe. Die Einrichtung ist wirklich eine sinnvolle Organisation. Seit ich nach Los Angeles gezogen bin, habe ich z.B. für den Audrey-Hepburn-Children-Fund gearbeitet und andere Organisationen für Kinder gesucht.
ProSieben.de: Kannst du in deiner Rolle bei "Scrubs" Erfahrungen sammeln, die dir bei der Arbeit in den Kinderhospizen nützlich sind oder umgekehrt? Wie passen diese beiden Felder zusammen?
Auf verschiedene Weise. Erst einmal konnte ich bei der Arbeit im Hospiz sehen, wie ein Krankenhaus überhaupt funktioniert und womit Familien konfrontiert werden, wenn sie jemanden verlieren. Und wir haben Episoden bei "Scrubs" über genau dieses Thema. "Scrubs" ist zwar eine Comedy-Serie, enthält aber auch viel Herz. Für den Erfinder der Show war es sehr wichtig, dass Geschichten erzählt werden, die im richtigen Krankenhaus-Alltag auch vorkommen. Zum Beispiel wie schwierig es ist, wenn man einem Familienangehörigen mitteilen muss, dass sein Verwandter verstorben ist. Außerdem bekommt man bei "Scrubs" die Möglichkeit, Leute zum Lachen zu bringen.
ProSieben.de: Hat sich für dich seit "Scrubs" etwas verändert? Die Kinder erkennen dich ja im Fernsehen wieder.
Ja, schon. Die Kinder finden es sehr lustig. In Vancouver konnten sie auch zum Set mitkommen und sich anschauen, wo ich arbeite. Ich habe ihnen auch Merchandising-Artikel vom Set oder Autogramme von Kollegen mitgebracht.