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Gefährlicher Körperkult auf Instagram?

"Fitspo"-Trend: Warum fit nicht gleich gesund ist

Unter dem Hashtag "Strong is the new skinny" posten immer mehr Instagram-Userinnen Fotos von ihrem durchtrainierten Körper. "Fitspo" heißt der neue Körpertrend, bei dem nicht mehr der spindeldürre, sondern der sportliche Body als schön empfunden wird. Gute Nachrichten für uns Normalo-Frauen, oder? Leider nicht, meinen Psychologen.

Fitspo-Trend
© instagram.com/shredded_life_ / instagram.com/mischellou

Stark statt dünn

Der "Fitspo"-Trend ist vor allem ein Social-Media-Phänomen. Wurde Otto Normalverbraucher(in) bislang immer auf Werbeplakaten und in Modemagazinen mit superdünnen Size-Zero-Models konfrontiert, erfüllen jetzt zunehmend Instagram und Co. die Aufgabe des Style-Vorbilds.

Da posten junge Mädchen und Frauen, darunter auch professionelle Fitness-Models, Bikinibilder mit Sixpack-Bauch und stahlharten Pomuskeln. Oft sind es auch Vorher-Nachher-Fotos, die den Trainingserfolg zur Schau stellen sollen.

Keine Frage, eine durchtrainierte Frau sieht schöner aus und gibt ein besseres Vorbild ab als eine magersüchtige. Aber – ist fit immer gleich gesund? "Fitspo" ist die Abkürzung für "Fitness-Inspiration" und beschreibt den Trend, viel zu trainieren und sich gesund zu ernähren – quasi als positives Gegenbild zum ungesunden Heroin-Chic der Magermodels. Dementsprechend sehen die "Fitspo"-Anhängerinnen auch weiblicher aus als Kate Moss und Kolleginnen. Die Frau von der Straße meint deshalb, dieses Körperbild könne sie entsprechend mit ausreichend Sport ganz schnell erreichen. "Fitspo" heißt aber auch: Du musst gesünder leben, noch mehr Muskeln aufbauen, noch mehr Fett abbauen. Der Fetisch lässt auch hier nicht lange auf sich warten - und damit ist keineswegs eine sexuelle Neigung gemeint. Die "Fitspo"-Fans definieren sich nur noch über den Trainingsstand ihres Körpers und erheben Fitness zur Maxime ihres Lebens.

Alles nur Äußerlichkeit

Psychologen kritisieren, dass es wieder nur um Äußerlichkeiten gehe, genau wie beim Mager-Trend. Likes auf Instagram geben unsicheren Teenagern ein besseres Selbstwertgefühl. Statt Spaß am Sport zu haben, trainieren 16-jährige Mädchen wie besessen, um einen Sixpack zu bekommen. Fotos in Spagat-Pose oder mit Hanteln gelten als Statussymbol: Nur wenn du noch sportlicher bist, giltst du als wer. Das Credo, sich möglichst gesund zu ernähren, kann sogar zu einer Essstörung ähnlich der Magersucht führen. Bei Orthorexie sparen die Kranken nicht Kalorien, sondern achten zwanghaft darauf, wie viel Vitamine und Mineralien ihr Essen enthält. Oft werden auch nur ein paar Trauben oder Ähnliches gepostet mit der Beschreibung: "Das gibt’s heute zum Frühstück!" Gesund sieht wirklich anders aus.

Training bis zum Umfallen

Am deutlichsten wird die Ähnlichkeit des "Fitspo"-Trends zum Magerwahn bei den vielen Motivations-Sprüchen und -Bildern, die die Anhängerinnen posten. "I don’t stop when I’m tired. I stop when I’m done", heißt es da in Verbindung mit dreckigen, bandagierten Boxer-Händen. Wer den Körper besiegt, ist schön – genau das ist auch die Botschaft in Pro-Essstörungs-Communities.

Grundsätzlich verteufeln muss man die vielen Fitness-Trainerinnen, die ihr Konzept zur Bikini-Figur verkaufen, natürlich nicht. Gefährlich wird es, wenn sich der Lebensinhalt nur noch um den Muskelaufbau dreht. Uns sind muskulöse Frauenarme auch lieber als streichholzdünne – die Dosis macht aber den Unterschied aus.

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