taff

Playlist

taff

Trend-Check: Teure Marken oder günstige Produkte

Folge 8 Staffel 2015

Angesagte Sneaker oder hippe Kopfhörer - aber muss es immer das teure Markenmodell sein? Mehr dazu erfahrt ihr in unserem großen Preis-Check!

13.05.2015 17:00 | 9:17 Min | © ProSieben

Teure Marken genießen bei den Konsumenten hohes Ansehen. Doch ist das zu Recht der Fall? Oder sind vergleichbare Billig-Produkte vielleicht sogar besser?

Für viele Menschen gehören teure Marken-Produkte zum Lifestyle dazu. Andere schwören hingegen auf no-name und tun die großen Labels als Luxus und Geldverschwendung ab. Mit beiden Ansichten kann man leben. Doch wann lohnt sich der Griff zum günstigen Produkt und wann zum teuren? Bei vielen Anschaffungen muss man nicht nur die unmittelbaren Anschaffungskosten im Blick haben, sondern auch, ob es sich auf lange Sicht lohnt, in teure Marken zu investieren, oder es vielleicht auch eine günstigere Alternative gibt.

Ist teuer wirklich besser?

Nicht immer schlägt sich der Preis auch in besserer Qualität nieder. Egal, ob Bekleidung oder Technik – meist schneidet nicht unbedingt die teure Marke im direkten Vergleich besser ab, wie auch das Video zeigt. Geht man nach Faktoren wie Aussehen, Material und Haltbarkeit, kommt es häufig zu Überraschungen. Viele No-Name-Produkte sehen den teuren Marken oft nicht nur zum Verwechseln ähnlich, sondern können auch in Sachen Qualität mithalten.

Lässt man Passanten über den Preis und die Qualität verschiedener Produkte entscheiden, ohne vorher zu offenbaren, welches die teure Marke und welches das No-Name-Produkt ist, werden vielfach sogar die günstigeren Artikel als hochwertiger oder zumindest gleichwertig eingeschätzt. Doch was macht teure Marken-Produkte dann so teuer?

Der Name macht's

In den meisten Fällen ist es tatsächlich der Name, den die Kunden teuer mitbezahlen. So sind sich Experten einig, dass eine der wichtigsten Investitionen für Modehersteller in einem guten Markenmanagement besteht. Die großen Firmen setzen darauf, sich beispielsweise als besonders sportlich, elegant, jugendlich oder edel zu präsentieren, so eine ganz bestimmte Zielgruppe anzusprechen und dieser das gewünschte Lebensgefühl zu vermitteln. Und das lassen sich die Firmen von ihren Kunden ordentlich bezahlen. Viele Käufer greifen aus Statusgründen dann auch gern zur teuren Alternative. Vor die Wahl zwischen zwei identisch gefertigten Kleidungsstücken gestellt, fällt die Entscheidung bei ihnen meist zu Gunsten der Marke.

So wenig macht der Lohn aus

Erstaunlich geringen Anteil an den Verkaufspreisen von Modeartikeln haben die Löhne der ArbeiterInnen – egal, ob teure Marken oder no-name. Eine Jeans, die 100 Euro kostet, kommt gerade einmal ein Euro am Ende bei den Näherinnen an. So lässt sich dann auch von einem höheren Kaufpreis für teure Marken leider nicht automatisch auf einen besseren Verdienst für die in der Produktion Beschäftigten schließen. Häufig werden günstige und teure Produkte sogar in den gleichen Fabriken hergestellt – und nach Fernost ausgelagert haben sowieso so gut wie alle Firmen ihre Produktion.

Dementsprechend oft machen Nachrichten über die schlechten Arbeitsbedingungen in den Sweatshops und Nähfabriken die Runde – ein Risiko für die Labels. Immerhin zeigt sich so mittlerweile, dass sich inzwischen immer mehr Firmen zu einer fairen Produktion ihrer Textilien bekennen. Sie achten dabei nicht nur auf bessere Arbeitsbedingungen, sondern verwenden in der Herstellung auch weniger Chemikalien – ein großes Plus für Umwelt und Kunde.

Preise würden sich kaum ändern

Die "Kampagne für Saubere Kleidung" rechnet vor, dass vor allem der Vertrieb mit knapp 50 Prozent und die Werbung mit immer noch gut 25 Prozent, den größten Teil des eigentlichen Verkaufspreises von Kleidung ausmachen. Selbst eine Verdoppelung der Löhne würden Käufer daher kaum am Verkaufspreis merken.

Teure Marken auf dem Teller

Nicht nur bei Kleidung und Technik gibt es teure Marken-Produkte, auch bei Lebensmitteln macht der Name häufig den Preis. Oft liegen zwischen namhaftem Hersteller und no-name 40 Prozent Preisunterschied und mehr – und das, obwohl beide Artikel häufig vom gleichen Unternehmen stammen. So sind beispielsweise die "Choco Bistro"-Doppelkekse von Aldi deutlich günstiger als die Original "Prinzen Rolle", obwohl beide aus dem Hause "DeBeukelaer" stammen.

Teure Marken auf dem Teller

Doch damit steht der Kekshersteller nicht alleine da, die meisten großen Firmen produzieren inzwischen auch für die bekannten Discounter und füllen ihre teuren Marken-Produkte dafür einfach in andere Verpackungen um. Damit tragen die Hersteller der deutschen Schnäppchenliebe Rechnung. Schätzungen des "GfK" zufolge sind inzwischen rund 70 Prozent aller verkauften Waren beim Discounter sogenannte No-Name-Produkte, die teuren Marken tun sich zunehmend schwer.

Die "Aldisierung" der Marken

Der Trend geht also klar zur Doppelproduktion. Die meisten großen Hersteller vertreiben inzwischen teure Marken und No-Name-Ware parallel, auch wenn sie sich öffentlich meist nicht gern dazu äußern. Für sie verhält es sich mit den Discountern wie bei den Modefirmen mit Einzelheiten zur Herstellung und Preiskalkulation: Beide wollen sich aus Imagegründen nur ungern in die Karten schauen lassen.

Dass "DeBeukelaer" und Co. trotzdem verstärkt mit den Billigmärkten zusammenarbeiten, liegt vor allem an der zunehmenden Marktmacht der Discounter. In den letzten Jahren ist die Zahl der Aldis, Lidls, und Co. in Deutschland so stark gestiegen, dass heute jeder deutsche Haushalt innerhalb weniger Minuten die eine oder andere Einkaufsmöglichkeit erreichen kann. Das führt dazu, dass die jeweilige Gewinnspanne bei Billigprodukten zwar zunächst geringer ist als bei ihren teuren Marken-Geschwistern, sich das dann aber in der Praxis durch die große Menge der verkauften Artikel wieder ausgleicht.

Kommentare

taff Livestream