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Es war ja irgendwie klar, dass eine düstere Geschichte wie die von Harry Potter nicht mit einem schnöden „Und so lebten sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ zum Schluss kommen kann. Das dachte sich auch J.K. Rowling – und erzählt in „Harry Potter And The Cursed Child“, wie Harry Potter 20 Jahre nach dem Kampf gegen Voldemort als gestresster Mitarbeiter des Zauberministeriums mit seinem Leben, seinen drei Kindern und seiner Vergangenheit hadert. Vor allem das Verhältnis zum jüngsten Sohn Albus Severus ist problematisch, was auch nicht besser wird, als dieser sich mit Draco Malfoys Sohn Scorpius anfreundet und die beiden beim Versuch, aus den Schatten ihrer Väter zu treten, mit Mächten spielen, die sie noch nicht kontrollieren können. Rowling entschied sich jedoch, nicht schon wieder in die Hollywood-Mühle zu steigen und diese Story auch ins Kino zu bringen. Das, was ab diesen Winter in Hamburg zu sehen wird, ist dann allerdings auch eher eine Mischform: Ein toll getextetes und gespieltes Theaterstück mit der Größe, der Ambition und den Effekten einer Hollywood-Produktion.

Rowling konzipierte die Geschichte mit Hilfe von John Tiffany – das Drehbuch für das zweiteilige, mehrstündige Theaterstück stammte schließlich von Jack Thorne. Ein Autor, der so etwas wie der Experte für dunkle Jugendbücher ist: Er schrieb auch die Drehbücher für die Serien-Adaption von „His Dark Materials“ von Philip Pullman für HBO und für die Neuverfilmung des Buches „Der geheime Garten“ von Frances Hodgson Burnett. Das englische Theaterstück wurde aus dem Stand zum Riesenerfolg, nicht mal acht Stunden nach Eröffnung der Online-Ticket-Kassen für die ersten Aufführungen im Palace Theatre in London waren 175.000 Tickets verkauft.

Eigentlich hätte im letzten Jahr in Hamburg dann die deutsche Aufführung beginnen sollen. Dafür wurde in Hamburg extra das Mehr! Theater am Großmarkt ausgebaut – mit einem riesigen finanziellen und logistischen Aufwand. Kurz bevor die Pandemie schließlich Großveranstaltungen unmöglich machte, fanden in den frisch renovierten Räumen noch die ersten Pressetermine und Fan-Führungen statt. Bei einem dieser Termine erzählte der Produktionsleiter und ausführende Produzent Michael Driemler dem Applause Magazin von Ticketmaster, was dieses Stück für ihn so besonders macht: „Von der Herausforderung her ist es zweifelsohne einer der Höhepunkte in meiner beruflichen Laufbahn. Normalerweise hat man bei Musical- und Theaterproduktionen, egal wie groß eine Veranstaltung letztendlich auch ist, gewisse Parameter, um die man sich immer kümmern muss: Schauspieler*innen, Technik, Budgets, so was. Bei ‚Harry Potter und das verwunschene Kind‘ kommen viele Dinge hinzu, die man sonst so nicht hat: Es wird zwar nicht gesungen, es gibt keine Live-Musik, aber dafür zum Beispiel ein wahnsinnig ausgetüfteltes Sounddesign. Da wir dieses Theater völlig neu ausgebaut haben, mussten wir also schauen, dass wir das architektonisch erfüllen können. Im Grunde war es aber auch hier die Zauberei, die das Stück so besonders macht. Unsere teilweise sehr jungen Darsteller*innen sind allesamt tolle Schauspieler*innen, aber sie haben eben noch nie einen Illusionstrick vorführen müssen. Wer professionell auf der Bühne zaubert, braucht Monate oder auch mal Jahre, um einen Trick zu lernen. Bei uns musste das schneller gehen.“

Nun hat das lange Warten aber ein Ende: Die ersten offenen Aufführungen sind ab Anfang Dezember geplant. Glaubt man den ersten Vorabkritiken und jenen, die das Stück in England erleben durften – dann sieht man dort tatsächlich Dinge auf einer Theaterbühne, die man in dieser Größenordnung dort selten findet.