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Am Sonntag dem 7. Februar wird The Weeknd live in der Halbzeitpause des Super Bowl auftreten. Damit steht er in einer Ahnenreihe mit Künstlerinnen und Künstlern wie Michael Jackson, Beyoncé, Prince, Diana Ross, den Blues Brothers, U2, Paul McCartney, Bruce Springsteen, Bruno Mars, Shakira, Bad Bunny und Jennifer Lopez. Ob Abel Tesfaye das damals schon geahnt hatte, als er mit 17 die Schule schmiss, um fortan Musik zu machen?

Man weiß es nicht. Was man aber weiß, ist, dass Abel Tesfaye in Toronto als Sohn äthiopischer Einwanderer aufwuchs und nach dem freiwilligen Ende seiner Schulbildung ein paar Jahre mehr schlecht als recht durch seine Heimatstadt driftete – oft kiffend, manchmal auf der Straße schlafend, hin und wieder im Supermarkt klauend. Aber schon damals schrieb er Musik und sang, nannte sich fortan The Weeknd und veröffentlichte 2011 sein heute legendäres Mixtape „House Of Balloons“ – als freien Download auf seiner eigenen Website. Der stärkste Track darauf heißt „Wicked Games“ und ist auch auf der neuen Compilation „The Highlights“ zu finden. Schon damals hörte man in diesem Lied die Klasse und das Können von The Weeknd: zu schleppenden Beats und einer verzerrt brummenden Bassgitare singt er sich das Leid und die Seele aus dem Leib, badet mit dieser großen R’n’B-Stimme in dramatischen Zeilen wie diesen: „Bring your love, baby, I could bring my shame / Bring the drugs, baby, I could bring my pain / I got my heart right here / I got my scars right here.“ Als The Weeknd damals sein erstes Konzert in Toronto spielte – schon inmitten eines großen Hypes, der zahlreiche Talentsucher und Musikjournos in den Mod Club trieb – schrieb ein Kritiker danach begeistert, die Show sei „besser als der Hype“ gewesen und „besser als die Drogen“, die The Weeknd besingt.

Seitdem ist viel passiert. The Weeknd ist zwar ein enigmatischer Charakter, der selten in der Öffentlichkeit spricht, weil er ungern Interviews gibt, aber sein Standing als Musiker ist Weltklasse. Er mag nicht den Schulabschluss haben, den er haben wollte, aber wenn es darum geht, das Lebens-, Liebens- und Leidensgefühl der Millennials in große Songs zu gießen, macht ihm keiner was vor. All seine Alben strotzen vor Talent, sei es „Kiss Land“ (2013), „Beauty Behind The Madness“ (2015), oder „Starboy“ (2016), mit dem er nicht nur Platz 1 der US-Charts belegte, sondern auch Platz 1 der iTunes-Charts in sage und schreibe 90 Ländern. Mit seinen erfolgreichsten Songs wie dem von Daft Punk produzierten „Starboy“, „Can’t Feel My Face“ oder „Earned It“ zählt The Weeknd zu den am meisten gestreamten Künstlern unserer Zeit. Auch „After Hours“ aus dem letzten Jahr war ein einziger kommerzieller Siegeszug – der hier erfreulicherweise auch mal die Qualität der Musik widerspiegelt. Man höre als Beispiel nur die Single „Blinding Lights“, die catchy, sexy und düster zugleicht ist und klingt, als hätte The Weeknd in letzter Zeit viel The Cure und Depeche Mode gehört und wolle sie den Kids näherbringen.

Das offizielle Video