- Bildquelle: Robert Eikelpoth © Robert Eikelpoth

Mit einem Paukenschlag meldeten sich Saltatio Mortis im Jahr 2015 bei ihrem Publikum und der Öffentlichkeit zurück. „Wo sind die Clowns“, fragten sie im ersten Video zum damaligen Album „Zirkus Zeitgeist“ - mittlerweile auf YouTube millionenfach geklickt – und schlugen mit den darin enthaltenen Texten zum Teil ungewohnt kritische Töne an. Vielleicht war das, was es dort zu hören gab, dem einen oder anderen zu düster und in seiner Themenwahl bisweilen einfach zu modern oder zu politisch. Aber Kunst ist bisweilen auch ein Spiegel der Realität und die Welt nicht nur voll Sonnenschein. Die Band bewegte sich ungeachtet aller Kritik in viel beachtete Gefilde. Für Saltatio Mortis gestaltete sich ihr „Zirkus“-Album damals als wichtiges Experiment, die Grenzen des für sie Machbaren auszuloten. Ein Wagnis, aus gewohnten Bahnen auszubrechen. Vielleicht sogar eine Notwendigkeit in einer Welt mit sich ständig ändernden Fragen, die immer neue Antworten erfordern.

„Brot und Spiele“, so lautet der Titel ihres neuen Albums, dem mittlerweile elften, wenn man konservativ nur die Studioalben zählt - das bereits neunzehnte, bezieht man sämtliche Live-Alben und eine Best Of-Sammlung mit ein. Drei Jahre haben sich die acht Spielleute Zeit gelassen, was sicherlich auch der imposanten Anzahl ausverkaufter Konzerte in den letzten Jahren geschuldet sein mag. Ganz bewusst haben sich die acht Musiker diese Zeit genommen, um dem so erfolgreichen Vorgänger einen mehr als würdigen Nachfolger zu spendieren. Dutzende Stücke wurden geschrieben, wieder verworfen, neu komponiert, wieder verbessert, mit jedem Schritt geradezu auf ihre Essenz destilliert und schließlich geflissentlich, ganz so wie früher geprobt: Alle Mann in einem Raum, laut und mitreißend und zwar so lange, bis auch der letzte überzeugt war: Ja, das ist es. So wollen wir klingen!

Entstanden ist ein in sich geschlossenes Album, in dessen zwölf Stücken sich all das verdichtet, was Saltatio Mortis immer schon ausgezeichnet hat: Themen, die berühren, aufregen und mitreißen. Rhythmen, die einen nicht nur mitwippen lassen, sondern dermaßen packen und an die erste Reihe eines Festivals erinnern. Leidenschaftlich vorgetragen von Frontmann Alea und eben jenen Dudelsäcken, die seit so vielen Jahren den einzigartigen Sound von Saltatio Mortis prägen.

Die einstigen Spielleute sind vielseitiger geworden; vielleicht auch ein bisschen erwachsener und haben ihr Spektrum erstaunlich erweitert. Die Texte von Schlagzeuger Lasterbalk spiegeln das überzeugend wider, loten neue Tiefen des bisher schon detailreichen Schaffens aus und scheuen auch emotionale Themen nicht. Doch auch 2018 nehmen Saltatio Mortis kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, mutig eine Meinung zu vertreten und mit offenen Augen durch die oftmals verrückt erscheinende Welt zu gehen.

Den Slogan „Wer tanzt, stirbt nicht!“ hatten Saltatio Mortis bereits vor vielen Jahren als ihr ureigenes Motto ausgerufen. Und ja, auch zu ihrem neuen Album lässt sich mit Sicherheit vortrefflich tanzen. Die im Vergleich zum Vorgänger deutlich spürbare Lebensfreude verkommt jedoch nicht zum Selbstzweck. Es wird auch innegehalten und reflektiert, sich Zeit genommen für die leisen Töne, aber nach wie vor auch für laute Empörung im Angesicht himmelschreiender Dummheit und Ungerechtigkeit. Dabei klingt die Band so authentisch und kraftvoll, so erwachsen und geerdet, wie noch nie zuvor.

Saltatio Mortis - Große Träume