Thilo, ab 20. Juli 2014 lebst du sieben Tage lang unter Maximal-Überwachung. Was motiviert dich überhaupt mitzumachen?

Die Extreme liegen im Kleinen, dachte ich mir, als ich davon gehört habe. Öffentlichkeit ist ein abstrakter Begriff. Ich will wissen, wo der Unterschied zwischen individueller Öffentlichkeit auf der Facebook-Seite, bei Instagram oder Twitter und der inszenierten Öffentlichkeit eines Fernsehprogramms liegt. Diese beiden Phänomene gleichzeitig zu erleben ist eine äußerst Interessante Erfahrung. Glaube ich. Hoffe ich.

Was denkst du, was in dieser Zeitspanne passieren wird?

Ich habe keine genaue Vorstellung von dem, wie sich eine allgegenwärtige Öffentlichkeit anfühlt. Es wäre so, als würde mich jemand fragen, wie ich mir einen Außerirdischen vorstelle – den habe ich noch nicht gesehen und kann ihn mir deswegen nicht vorstellen. Lediglich aus Versatzstücken zusammenstellen. Und so wird das dann wohl auch in dem Container sein. Die Bewusstmachung einer Edward Snowdenschen Totalüberwachung, Orwells 1984 Big Brother auf der Schulter, und, das wird das Interessanteste, die Beraubung meiner Freiheit. Alles drei zusammen ist mit Sicherheit unangenehm, aber interessant zu erleben.

Was könnte aus deiner Sicht schlimmstenfalls passieren?

Ich gehe nicht davon aus, dass dieses Experiment bleibende Schäden hinterlässt. Am meisten fürchte ich, dass ich meine jetzige Leichtsinnigkeit bereuen werde. Nicht unähnlich dem, was eine Milliarde Facebook Nutzer denken, wenn sie tagtäglich diese Maschine mit privaten Informationen füttern. Jetzt ist es lustig, aber was passiert danach? Für den Zuschauer ist das Projekt irgendwann beendet, aber meine Daten schlummern als Live-Video irgendwo im Internet und verraten mehr über mich, als mir lieb ist. Wie ich lebe, wie ich mit Stress umgehe …

Was wäre bei diesem Experiment ein absolutes Tabu für dich?

Ich mache keinen Polygraphentest. Ich will das Klo als überwachungsfreie Zone. Nacktheit ist ein Tabu. Das Schöne allerdings ist: Da ich ja ein Mensch bin, keine Reportermaschine, bin ich ebenso unberechenbar wie der Zuschauer.