Die Corona-Krise in Deutschland

Das neue Coronavirus Sars-CoV-2 breitet sich in ganz Deutschland aus. Alle Bundesländer sind betroffen. Nach einem mehrmonatigen Lockdown gibt es jetzt wieder einzelne Lockerungen, die aber je nach Bundesland unterschiedlich ausfallen. Zwar beschlossen die Bundeskanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten Ende August 2020 weitgehend einheitliche Regeln für ganz Deutschland, doch konnten sie nicht in allen Punkten Einigkeit erzielen. Zudem hängen die Beschränkungen auch davon ab, wieviel Neuinfizierte es in den einzelnen Bundesländern und Städten gibt. Den aktuellen Stand zu den Regeln, Lockerungen und Beschränkungen in Deutschland aufgrund der Corona-Pandemie hält die Bundesregierung auf ihrer Corona-Maßnahmenseite fest.  


Wie stark breitete sich der Coronavirus Sars-CoV-2 bislang in Deutschland aus?

Obwohl die erste Welle der Coronavirus-Pandemie weniger stark war, als von Experten befürchtet, sieht man nun nach den Sommerferien gebannt der zweiten Welle entgegen.

Mit Stand zum 22. September 2020 infizierten sich in Deutschland über 274.000 Menschen, davon starben bislang rund über 9.300 Patienten, fast 244.000 Infizierte sind mittlerweile wieder genesen. Derzeit gibt es etwa 21.100 aktive Corona-Fälle in Deutschland.


Was bedeutet die Epidemie durch Corona für das Gesundheitssystem und die Gesellschaft?

Das hängt maßgeblich von einem Faktor ab: der Geschwindigkeit der Ausbreitung. Je besser es gelingt, die Rate der Ansteckungen kleinzuhalten, desto geringer dürfte der Druck auf das Gesundheitssystem und die Gesellschaft sein.

 

Problematisch wird das Infektionsgeschehen vor allem dann, wenn es komprimiert in kurzer Zeit auftritt. Dann drohen volle Wartebereiche und Arztpraxenknapp werdende Intensivbetten und vollkommen überlastete Ärzte, Pflegekräfte und Gesundheitsämter.


Wie ansteckend ist das neue Coronavirus?

Mit Stand zum 22. September 2020 beziffert das Robert-Koch-Institut (RKI) die Reproduktionszahl des Coronavirus in Deutschland auf 1,04. Das heißt, dass ein Erkrankter im Durchschnitt etwas mehr als eine weitere Person ansteckt. Nur wenn die Reproduktionszahl unter 1 liegt, gehen die Infektionen auf Dauer gesehen zurück.

Das Virus vermehrt sich im Rachen und verbreitet sich vor allem durch Tröpfchen, etwa beim Husten und Sprechen

 

"Die fliegen vielleicht so eineinhalb Meter weit und fallen relativ schnell zu Boden", erklärt Drosten. "Es ist das Einatmen einer solchen Wolke, die einen infiziert in den meisten Fällen." Nur in Kontaktsituationen gibt es demnach ein reales Risiko - etwa, wenn man mit einem Infizierten ungefähr eine Viertelstunde oder länger gesprochen habe.

 

Die Inkubationszeit - der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen - beträgt in der Regel nach derzeitigem Stand bis zu 14 Tage.


Ist Corona mit einer Grippe vergleichbar? Wie gefährlich ist Corona wirklich?

Die meisten Menschen haben nur leichte Erkältungssymptome mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome. Hinzukommen können Fieber und Husten, wie sie auch bei einer Grippe auftreten. Auch Kopfschmerzen oder Durchfall sind möglich.

 

Laut RKI-Präsident Wieler kommt es in etwa einem von fünf Fällen zu einem schwereren Verlauf. Patienten bekommen unter anderem Atemprobleme oder eine Lungenentzündung. Betroffen sind zumeist Menschen aus Risikogruppen wie Krebskranke in Chemotherapie, alte Menschen und solche mit Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder auf Diabetes zurückgehende Organschäden.

 

Todesfälle - etwa durch Atemstillstand, septischen Schock oder Multiorganversagen - sind selten.

 

Grippe und Corona sind von einem Virus verursachte Atemwegserkrankungen, deren Verlauf sehr unterschiedlich sein kann - von symptomlos oder mild bis hin zu sehr schwer, mitunter gar tödlich.

  

Beide Erreger werden vorwiegend über Tröpfchen, etwa beim Sprechen oder Husten, oder auch direkten Kontakt übertragen. Allerdings kann sich laut WHO Influenza (Grippe) rascher ausbreiten als das Corona-Krankheitsbild Covid-19.

 

Schwere bis lebensbedrohliche Verläufe gibt es jedoch nach bisherigen Auswertungen bei Covid-19 häufiger als bei der Grippe. Anders als bei der Grippe gibt es gegen Sars-CoV-19 noch keine Impfung und auch keine zielgerichteten Medikamente.


Wie lässt sich die neue Lungenkrankheit Covid-19 behandeln?

Eine spezielle Therapie für die Erkrankung Covid-19 gibt es nicht. Schwer erkrankte Patienten werden symptomatisch behandelt: mit fiebersenkenden Mitteln, der Therapie etwaiger bakterieller Zusatzinfektionen und mitunter mechanischer Beatmung. In Einzelfällen werden auch antivirale Medikamente getestet.


Gibt es eine schützende Impfung gegen Sars-CoV-2?

Stand September 2020 noch nicht. Zwar gab Russland Mitte August 2020 als erstes Land einen in Moskau entwickelten Impfstoff frei und wollte damit Mitte September 2020 in die Massenproduktion gehen. International bestehen jedoch Befürchtungen, dass der russische Impfstoff nicht ausreichend genug getestet ist. Abgesehen davon forschen aktuell weltweit etwa 195 Labors an Impfstoffen gegen Covid-19. Die Entwicklung einer Schutzimpfung nimmt leider viel Zeit in Anspruch. Dennoch stehen abgesehen von der russischen Entwicklung weitere internationale Pharma-Konzerne kurz vor einem Durchbruch, darunter Labore aus Deutschland, England, China und den USA. Das heißt aktuell, dass manche Impfstoffe bereits im großen Maße an über 1.000 freiwilligen Menschen getestet werden - die so genannte finale Testphase III vor einem Zulassungsverfahren. Bis ein Impfstoff jedoch die benötigte Massentauglichkeit erreicht, dürfte es dennoch 2021 werden. 


Wie kann ich mich derzeit vor einer Ansteckung durch Corona schützen?

Zum Schutz vor diesem wie auch anderen Viren empfehlen Experten gewöhnliche Hygienemaßnahmen: regelmäßiges Händewaschen und Abstand zu Erkrankten. Entgegen anfänglicher Einschätzungen der Experten sind außerdem Atemmasken für Mund und Nase unerlässlich. Zudem hilft es, Kontakte wie Umarmungen und Händeschütteln zu unterlassen und von vielen Menschen berührte Oberflächen wie Türklinken, Haltegriffe und Aufzugknöpfe nicht anzufassen.

 

Beim Aufenthalt in öffentlichen Räumen sollte man das Berühren der Nasenschleimhäute und das Reiben der Augen vermeiden, sagte der Greifswalder Hygienefacharzt Günter Kampf. "Das Virus will in die Atemwege." Zu Hause angekommen sollte man als erstes unbedingt die Hände gründlich waschen.

 

Zudem raten Experten dazu, Veranstaltungen mit vielen Menschen möglichst zu meiden. "Die großen Versammlungen, die Vergnügen darstellen, auf die müsste man verzichten wie Fußball und Schützenfest", sagt Drosten.


Was tue ich, wenn ich fürchte, mich mit Corona angesteckt zu haben?

Auf keinen Fall direkt in eine Praxis oder Notaufnahme gehen. Wer Symptome hat und - etwa wegen des Kontakts zu einem nachweislich Infizierten - befürchtet, an Covid-19 erkrankt zu sein, soll sich zunächst telefonisch bei seinem Hausarzt oder dem Gesundheitsamt melden.

 

Wenn man nun wirklich daran erkrankt sein sollte, dann müsse man das Virus ja nicht unbedingt in ein voll besetztes Wartezimmer mit möglicherweise ohnehin schon immungeschwächten Menschen hineintragen, erklärt der Sprecher des Deutschen Hausärzteverbands, Christian Schmuck. Möglich ist es auch, die bundesweite Service-Telefonnummer 116 117 zu wählen.


Wie wird sich die Situation im Laufe des Jahres entwickeln?

Die Grippe und andere Erkältungskrankheiten haben eigentlich im Winter Hauptsaison. Das Frühjahr und der Sommer mit ihren wärmeren Temperaturen verlangsamten die Ausbreitung des neuen Virus Sars-CoV-2 allerdings kaum. Deutlich wirksamer war hier die geltende AHA-Regel, also Abstand halten, Hygiene und Tragen einer Alltagsmaske.