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Die Deutschen haben im vergangenen Advent mehr Weihnachtsbäume gekauft als im Jahr zuvor. Der Hauptverband der Deutschen Holzindustrie zählte 29,8 Millionen verkaufte Bäume - das sind rund 300 000 mehr als im Jahr zuvor. Ein Grund für die Zunahme sei, dass es vielerorts Initiativen zur Verschönerung der Innenstädte gegeben habe, so dass verstärkt Bäume vor Geschäften und in Fußgängerzonen aufgestellt worden seien, sagte die Sprecherin Ursula Geismann der Deutschen Presse-Agentur.

Ein Baum kostete dem Verband zufolge im Schnitt 24 Euro, der Gesamtumsatz lag bei etwa 715 Millionen Euro. Der beliebteste Weihnachtsbaum hierzulande ist und bleibt die Nordmanntanne. Aber was passiert eigentlich mit dem Weihnachtsbaum, wenn niemand ihn mehr in der Wohnung haben will?

Wer entsorgt die Bäume?

In vielen Städten bietet die MÜLLABFUHR an bestimmten Daten die kostenfreie Abholung der Bäume an, zum Beispiel in den Metropolen Berlin, Hamburg und Hannover. Man kann seinen Baum dort aber auch bei RECYCLINGHÖFEN oder anderen Sammelstellen selbst abgeben - genauso wie etwa in München, Darmstadt oder Leipzig. Weniger komfortabel ist die Entsorgung in Cottbus geregelt: Dort müssen die Bürger ihre Bäume als Sperrmüll anmelden.

Oft werden die gesammelten Tannen dann verbrannt und in Biomassekraftwerken zu STROM UND FERNWÄRME verarbeitet. 350 000 Bäume werden im Schnitt jedes Jahr allein in Berlin gesammelt. Das reicht dem Entsorgungsbetrieb zufolge, um 500 Haushalte ein Jahr lang mit Wärme und Strom zu versorgen.

Eine andere gängige Methode, die zum Beispiel in Leipzig und mehreren Städten in Hessen und Rheinland-Pfalz angewendet wird, ist die KOMPOSTIERUNG der Bäume. In München presst man die Überreste teilweise zu Spanplatten.

Gerade in kleineren Städten nutzen auch PFADFINDER die Chance, die Tannen abzuholen und sich durch Spenden etwas Geld in ihre Kasse zu spülen. Manchmal beteiligen sich auch die Jugendfeuerwehr oder andere Hilfsorganisationen.

Bäume, die gar nicht erst verkauft worden sind, dienen als Spielzeug und Leckerbissen in verschiedenen ZOOS: Für die Elefanten in Wuppertal oder Stuttgart ist die alljährliche Ration Tannengrün eine willkommene Abwechslung auf dem Speiseplan, in Berlin und Frankfurt können sich auch Tiger-Vierlinge, Ziegen und Trampeltiere um die weihnachtlichen Überreste streiten. Auch der Frankfurter Nashornbulle Kalusho ist erklärter Fan des Grünzeugs. "Der nimmt es, um es im wahrsten Sinne zu sagen "auf's Horn". Und zum Schubbern", sagte die Sprecherin des dortigen Zoos. Die Tierparks verwenden ausschließlich Bäume, die bei Händlern übrig geblieben sind. Der Grund: Überreste von Kerzenwachs, Lametta oder Glitzerspray tun keinem Tiermagen gut.

Lustige Tradition in Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz wird der Weihnachtsbaum zum SPORTGERÄT: Am Sonntag Januar sollten bei der Weltmeisterschaft im Weihnachtsbaumwerfen in Weidenthal schon zum 13. Mal die Tannen durch die Luft fliegen. Die Teilnehmer messen sich dort traditionell in drei Disziplinen: Weit-, Schleuder- und Hochwurf. Der aktuelle Rekord liegt laut Veranstalter bei den Männern bei 25,01 Metern, bei den Frauen bei 15,95 Metern. Auch in Niedersachsen gibt es ähnliche Traditionen.

Forscher der Universität in Sheffield haben eine nützliche Verwendung der Bäume entdeckt, die bislang jedoch kaum praktisch umgesetzt wird: Der Stoff Lignocellulose, aus dem Tannennadeln zu 85 Prozent bestehen, kann durch ein spezielles Verfahren als Inhaltsstoff für SÜSSUNGSMITTEL oder FARBEN nutzbar gemacht werden.