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Alle 23 in Lettland anerkannten Flüchtlinge haben sich auf eigene Faust nach Deutschland abgesetzt. Nach einem Dokumentarfilm des lettischen Fernsehens verließen nun auch die letzten beiden Migranten, die einen Flüchtlings- oder Schutzstatus erhalten hatten, das baltische EU-Land. Das Ehepaar aus Eritrea sei zu Verwandten weitergezogen, die in Deutschland lebten. 

Nach Medienberichten von Anfang September hatten sich zuvor bereits die anderen 21 Flüchtlinge mit offiziellem Status in Richtung Deutschland aufgemacht. Grund dafür sei, dass es für Flüchtlinge in Lettland nahezu unmöglich sei, eine Arbeit oder Wohnung zu finden.

Damals wie heute liegen den Behörden jedoch keine Informationen über die Weiterreise der Flüchtlinge vor. Die lettische Migrationsbehörde bestätigte zwar, dass der Eritreer seine Arbeit als Übersetzer im Flüchtlingszentrum Mucenieki auf eigenen Wunsch Mitte Oktober beendet habe. Über seinen Verbleib sei jedoch nichts bekannt, sagte eine Sprecherin der Agentur Leta. 

Kürzung der Leistungen

"Ich war der erste Flüchtling, der nach dem EU-Verteilungsschlüssel nach Lettland kam", sagte der Eritreer kürzlich noch in einem Interview. Wie auch in lettischen Medien kritisierte er die den Flüchtlingen gewährten Leistungen in dem Baltenstaat als unzureichend. Deshalb seien alle anderen bereits weitergezogen. Er selbst sei nur geblieben, weil er von lettischen Freunden unterstützt werde.

Nach ihrer Anerkennung in Lettland erhalten Flüchtlinge monatlich 139 Euro. Jedes weitere Familienmitglied bekommmt 97 Euro, ebenso wie unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Die Leistungen waren Ende 2015 gekürzt worden, nachdem zuvor Vorwürfe aufkamen, die Regierung sorge besser für Migranten als für die eigene Bevölkerung. Auch sonst gibt es teils starke Vorbehalte gegen die Aufnahme von Flüchtlingen.

Die Zahlungen sind auf neun bis zwölf Monate befristet. Nach Angaben des eritreischen Flüchtlings kommen weitere Schwierigkeiten hinzu, beispielsweise eine Arbeit und eine Wohnung zu finden. Das Geld für die ersten Mieten habe ihm ein Mitarbeiter des Flüchtlingsheims geliehen, sagte er dem lettischen Fernsehen.  

"Wir bieten vor allem Frieden und Stabilität", sagte Staatspräsident Raimonds Vejonis noch im September nach dem ersten Bekanntwerden der Weiterreise von Flüchtlingen. Doch die Regierung in Riga will nun gegensteuern. Sie räumt Probleme etwa bei der Wohnungssuche ein und will die Aufnahme und Integration von Migranten im Land verbessern.