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Die derzeit viel diskutierten Horror-Clowns missbrauchen nach Ansicht eines Clown-Ausbilders das eigentliche Wesen der als Spaßmacher gedachten Figur. "Das positive Image des fröhlichen, liebevollen Clowns wird durch Angst und Schrecken ersetzt", sagte der Akademiedirektor der Clownschule in Hofheim (Hessen), Michael Stuhlmiller, der Deutschen Presse-Agentur. Auch äußerlich habe das Bild nichts mit dem des tatsächlichen Clowns zu tun. "Wir echten Clowns laufen kaum noch mit bunten Anzügen und voll geschminkt herum. Das Kostüm kennen wir meist nur noch von Fasching."

Das Phänomen, dass als Horror-Clowns verkleidete Täter andere Menschen erschrecken oder sogar angreifen, ist aus den USA nach Europa herübergeschwappt. Auch in Hessen wurden schon solche Figuren gesichtet, in Kassel etwa wurde kürzlich ein Jugendlicher beinahe von einem Auto angefahren, nachdem er von einem Horror-Clown verfolgt worden war. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) kündigte eine strafrechtliche Verfolgung an, wenn so andere Menschen erschreckt und bedroht würden.

Angeblich unterdrückte Gefühle

Stuhlmiller sagte, Horror-Clowns versuchten das Symbol der Freude ins Gegenteil zu verkehren: "Freude oder Liebe sind Dinge, die die Menschen hinter den Masken nicht kennen. Deshalb wollen sie sie außer Kraft setzen und ihrer Frustration Platz machen. Grusel-Clowns sind am Anschlag mit ihren unterdrückten Gefühlen."

Es bringe aber nichts, sie wegzusperren oder ihre Beweggründe zu ignorieren. "Diese Menschen sind Psychopathen, denen es nur darum geht, Macht über eine andere Person zu erlangen. Oft wurden sie selbst verletzt und ihr Ziel ist es, andere Menschen noch mehr zu verletzen", sagte Stuhlmiller, der selbst jahrzehntelange Bühnenerfahrung als Clown hat.

Dass die Grusel-Variante dem traditionellen Clown etwas anhaben kann, glaubt Stuhlmiller nicht: "Der Clown hält das aus." Eine Befürchtung habe er trotzdem: In Zeiten, in denen Menschen zusehends überfordert seien, würden derartige Phänomene zunehmen: "Wir werden das Horrorthema durch die momentane Debatte leider nicht auflösen."