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Drei Tage nach dem schweren Erdbeben hat Italien mit einem Staatsbegräbnis Abschied von den Opfern genommen. An der zentralen Trauerfeier am Samstag in der Stadt Ascoli Piceno nahmen auch Staatspräsident Sergio Mattarella und Regierungschef Matteo Renzi teil. Vor ihnen standen aufgereiht 35 mit Blumen geschmückte Särge, daneben weinende Angehörige.

In ganz Italien wurden zum Tag der nationalen Trauer die Flaggen auf halbmast gesetzt. Der Sender RAI verzichtete auf allen seinen Kanälen aus Respekt vor den Opfern auf Werbung. Über eine Solidaritäts-SMS wurden bereits mehr als 6,1 Millionen Euro gesammelt.

"Habt keine Angst, euer Leid hinauszurufen, aber verliert auch nicht euren Mut", sagte Bischof Giovanni D'Ercole beim Staatsakt in einer großen Sporthalle. "Zusammen werden wir unsere Häuser und Kirchen wieder aufbauen."

Die Zahl der Todesopfer stieg auf 290

"Unsere Türme mit den Glocken, die uns den Rhythmus der Tage und der Jahreszeiten vorgegeben haben, sind eingestürzt. Sie läuten nicht mehr", betonte der Bischof in seiner Predigt. "Aber da gibt es etwas, das uns sagt, dass unsere Glocken wieder erschallen werden."

Nach den verheerenden Erdstößen in der Nacht zum Mittwoch und mehr als 1.300 Nachbeben in Zentralitalien stieg die Zahl der Todesopfer auf 290. 388 Menschen wurden in Krankenhäusern behandelt. Etwa 2.500 verloren ihr Hab und Gut. Viele wurden in Zeltstädten untergebracht.

Am stärksten betroffen war der Ort Amatrice in der Region Latium, wo mindestens 230 Menschen in den Tod gerissen wurden. Dort soll am kommenden Dienstag eine weitere Trauerfeier mit Regierungschef Renzi stattfinden.

Bei dem verheerenden Erdbeben in L'Aquila 2009 waren 309 Menschen getötet worden. Behördensprecher befürchten, dass auch das jüngste Beben diese Ausmaße erreichen könnte. Unter den jetzigen Opfern ist auch ein 18 Monate altes Kind, dessen Mutter das Erdbeben in L'Aquila überlebt hatte.

Renzi zeigte sich tief bewegt und sprach mit den Angehörigen

Staatschef Mattarella umarmte die Trauernden, auch Renzi zeigte sich tief bewegt und sprach mit den Angehörigen. Die Präsidentin der italienischen Abgeordnetenkammer, Laura Boldrini, spendete weinenden Menschen Trost. Die Zeremonie, zu der auch internationale Medienbeobachter anreisten, wurde von einem Großaufgebot an Sicherheitskräften bewacht.

Vor dem dem Staatsakt hatte Präsident Mattarella sowohl Amatrice als auch das nahe Accumoli besucht. "Danke für das, was ihr macht", sagte er zu Bergungskräften dort. "Das ist unsere Pflicht", antworteten die Helfer. Die Katastrophe hatte die historischen Ortskerne der Bergdörfer völlig verwüstet. Einst gehörten sie zu den schönsten Dörfern Italiens.

Die Staatsanwaltschaft in der italienischen Provinz Rieti untersucht, ob in der Erdbebenregion gegen Bauvorschriften verstoßen wurde. "Was da passiert ist, kann nicht nur als Unglück gesehen werden", zitierte die Tageszeitung "La Repubblica" den Staatsanwalt Giuseppe Saieva. Bei einigen der zerstörten Häuser sei "mit mehr Sand als Zement" gebaut worden. Vor allem der Einsturz einer erst kürzlich renovierten Grundschule in Amatrice hatte für Aufsehen gesorgt. Bisher seien aber keine Verdächtigen identifiziert worden.