- Bildquelle: Evan Vucci/AP/dpa © Evan Vucci/AP/dpa

Zuspruch nach dem Massenmord: US-Präsident Donald Trump ist am Mittwoch nach Las Vegas gereist, um Hinterbliebene und Angehörige der 58 Opfer aus der Nacht zum Montag zu treffen. In der Glücksspielmetropole in Nevada wollten Trump und seine Frau Melania unter Ausschluss der Öffentlichkeit Patienten in einem Krankenhaus besuchen. Danach wollten die Trumps mit Ersthelfern zusammenkommen, die nach dem Verbrechen auf einem Konzertgelände Beistand geleistet hatten.

In der Nacht zum Montag hatte der Amerikaner Stephen Paddock vom 32. Stock des Mandalay Bay Hotels aus elf Minuten lang in eine Menschenmenge geschossen, die auf der anderen Straßenseite ein Country-Konzert besuchte. Mehr als 500 Menschen wurden verletzt. Es ist der schlimmste Massenmord in der jüngeren Geschichte der USA.

Trump sagte am Mittwoch vor dem Abflug: «Wir werden unseren Respekt zollen und auch Polizisten treffen, die in sehr kurzer Zeit einen wirklich fantastischen Job gemacht haben. Das ist ein sehr, sehr trauriger Tag für mich, auch persönlich.»

Trump hatte in Las Vegas keine öffentlichen Termine oder Reden geplant. Der Präsident hatte auf das Attentat vergleichsweise verhalten reagiert. Nach jüngsten Anschlägen von Islamisten in Europa hatte er sich deutlich vernehmlicher und heftiger geäußert als nach der Tat des weißen Amerikaners Paddock.

«Person von Interesse»

Der US-Sender CNN berichtete, dass die 62 Jahre alte Lebensgefährtin des Todesschützen am Dienstag von Manila nach Los Angeles gereist sei. Beamte der Bundespolizei FBI hätten die Frau in Empfang genommen. Sie gilt unter Ermittlern als «Person von Interesse». So bezeichnen Ermittler Menschen, von denen sie sich wichtige Informationen versprechen, die aber gegenwärtig nicht zwangsläufig als Tatverdächtige eingestuft werden.

Paddocks Freundin habe einen australischen Pass und sei zuletzt am 25. September aus Tokio kommend in Manila gelandet, zitierte CNN eine Sprecherin der philippinischen Einwanderungsbehörde.

Zuvor war bekanntgeworden, dass Paddock etwa 100.000 Dollar auf die Philippinen überwiesen hatte. Zunächst lagen aber keine Angaben darüber vor, wann er das Bankgeschäft erledigte und an wen das Geld konkret ging.

Paddock plante Tat akribisch

Derweil häufen sich die Hinweise darauf, dass Paddock seine Tat «umfassend» vorbereitet hatte, wie es Lombardo am Dienstag formulierte. Nach weiteren offiziellen Angaben fand die Polizei neben mehr als 20 Schusswaffen in der Hotelsuite im Mandalay Bay Hotel auch eine Kamera, die im Guckloch der Eingangstür installiert war. Zwei weitere waren im Flur angebracht. Nach Polizeiangaben sollten sie Paddock offenkundig beim Eintreffen von Polizisten vorwarnen. An zwölf Waffen seien zudem Vorrichtungen entdeckt worden, die das Abfeuern von Schüssen beschleunigen können.

US-Fernsehsender zeigten am Dienstag offensichtliche Polizeiaufnahmen aus dem Hotelzimmer, die nach der Tat gemacht wurden. Darauf sind unter anderem Waffen und zahlreiche Hülsen zu sehen. Ein Foto soll den leblosen Körper des Schützen auf dem Boden zeigen. Wie die Aufnahmen zu den Medien gelangten, wurde nicht bekannt. Lombardo nannte den Vorgang «besorgniserregend». Die Polizei leitete eine interne Untersuchung ein.

Insgesamt stellte sie nach jüngsten Angaben vom Dienstagabend (Ortszeit) im Hotelzimmer und in zwei Häusern des Täters in Mesquite und in Reno 47 Schusswaffen sicher. Sie seien in Utah, Kalifornien, Texas und Nevada gekauft worden. Außerdem wurden Tausende Schuss Munition und Sprengstoff entdeckt - ein gewaltiges Arsenal.

Debatte um Waffengesetze

Vor diesem Hintergrund ist die Debatte um die nach Ansicht von Kritikern viel zu laschen amerikanischen Waffengesetze wieder voll entbrannt. Der Chef der demokratischen Minderheit im Senat, Chuck Schumer, forderte in einer Rede in der Kongresskammer «vernünftige Reformen». Man könne das Böse oder den Wahnsinn nicht von der Erde verbannen, sagte Schumer. «Aber wir müssen tun, was in unserer Macht steht, um unser Land zu einem sichereren Ort zu machen.»

Trump verzichtete bisher darauf, sich dezidiert zur Waffenproblematik in den USA zu äußern. Das führte zu sarkastischen Bemerkungen in Medien und sozialen Netzwerken. «Beten alleine reicht nicht», sagte der TV-Entertainer Jimmy Kimmel.

Hoffnungen auf eine strengere Waffengesetzgebung sind aber gering. Umfragen zufolge gibt es schon in der US-Bevölkerung keine klare Mehrheit für härtere Gesetze. Vor allem aber sprechen die politischen Mehrheiten der Republikaner und eine starke Waffenlobby gegen jede echte Änderung.