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Geld macht nicht glücklich - die alte Binsenweisheit scheint für eine Lotto-Gewinnerin aus dem US-Bundesstaat New Hampshire in besonderer Weise zu gelten. Nach einem Gewinn von sagenhaften 560 Millionen Dollar streitet sie nun vor Gericht mit der Lottogesellschaft über die Frage, ob sie ihre Identität preisgeben muss. Der Gewinn liegt bis zur Klärung auf Eis.

Der Hintergrund: Anders als etwa in Deutschland müssen sich den Regeln der Lottogesellschaften folgend die Gewinner in manchen Ländern outen. In Großbritannien und den USA ist es üblich, dass sich Millionengewinner auf Pressekonferenzen in Wort und Bild den Journalisten stellen.

Ansage der Justiz

«Die New Hampshire Lottery versteht, dass ein Gewinn in Höhe von 560 Millionen Euro ein Leben verändern kann», heißt es in einer Stellungnahme von Lotto-Chef Charlie McIntyre. Der Justizminister des Staates habe ihn jedoch darauf hingewiesen, dass in diesem wie in jedem anderen Fall auch nach den Regeln und Gesetzen des Staats vorzugehen sei.

Die Anwälte der Gewinnerin machen dagegen geltend, das öffentliche Interesse an der Identität der Gewinnerin werde mehr als wettgemacht durch das Interesse der Frau, sich vor unangenehmen Folgen ihres großen Glücks zu schützen.

Ein normales Leben, bitte!

In Deutschland werden Gewinner großer Geldsummen dagegen von den Mitgliedsgesellschaften des Deutschen Lottoblocks geradezu abgeschirmt. Gewinner-Berater impfen den Glückspilzen vor allem eines ein: Mit niemandem reden, ein normales Leben weiterführen!

Das möchte auch die Frau aus New Hampshire. Sie hatte am 6. Januar 560 Millionen Euro in der US-Powerball-Lotterie gewonnen. Sie engagiere sich in der Gemeindearbeit und wolle diese Arbeit auch fortsetzen. Als Multimillionärin enttarnt zu werden, sei dabei nicht hilfreich. «Ich habe einen riesigen Fehler gemacht, als ich meinen richtigen Namen auf den Lottoschein geschrieben habe», sagte sie den Gerichtsunterlagen zufolge.

Besser anonym

Nur sechs Bundesstaaten in den USA ermöglichen Lottogewinnern die Anonymität. New Hampshire gehört nicht dazu. Allerdings wächst auch in den USA die Überzeugung, dass Lottogewinner besser anonym bleiben sollten. Der Verbraucherschützer-Anwalt Josh King sagt: «Das wichtigste, um anonym zu bleiben ist, mit niemandem zu reden. Und damit meine ich: Mit niemandem.» Wer sich per Gesetz des jeweiligen Bundesstaates outen müsse, solle sich auf der Pressekonferenz verkleiden und alle seine Telefonnummern und Social-Media-Kontakte löschen.

Die Erkenntnis reifte auch durch spektakuläre Fälle, in denen Lottogewinner zu Opfern wurden. In Georgia hatte ein Mann im Jahr 2015 mehr als 430 000 Dollar gewonnen und wurde danach bei einem Raubüberfall vor den Augen seiner Kinder getötet. In Chicago war 2013 der Gewinner einer ähnlich hohen Summe plötzlich an einer Vergiftung gestorben - die Ursache ist noch unaufgeklärt.