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Hunderte Verdachtsfälle und einige Nachweise: In Deutschland sind wieder viele Vögel an dem "Usutu"-Virus verendet. Die Situation ist besorgniserregend: Die Zahl der gemeldeten Verdachtsfälle sei auf rund 1380 gestiegen, sagte der Vogelschutzexperte des Naturschutzbundes, Marius Adrion. Der Großteil, mehr als 500 Meldungen, stammt demnach aus Nordrhein-Westfalen. Weitere je rund 100 Meldungen kamen aus Baden-Württemberg und Sachsen. In den betroffenen Gebieten hätten Amselbestände offenbar stark unter der Krankheit gelitten, sagte Nabu-Experte Adrion. Er sieht die Infektionen als Fortsetzung des Ausbruchs vom Vorjahr. 

Virus kommt aus dem Süden Afrikas

2001 wurde der Virus das erste mal in Europa vorgefunden, in Österreich. Viele Vögel, hauptsächlich Amseln, erlagen damals der Krankheit. In den darauffolgenden Jahren verbreitete sich der Virus, in Ungarn, der Schweiz und Italien fielen viele Wildvögel dem Virus zum Opfer. In Deutschland wurde er erst in 2011 nachgewiesen, 2 Jahre zuvor im Jahre 2009 war der erste menschliche Patient mit dem Usutu-Fieber in Italien diagnostiziert worden. Seitdem sind die Zahl der Todesfälle und Infektionen stetig gestiegen. 

Stechmücke als Übertrager

Neuesten Erkenntnissen zufolge gelangte der Virus durch Warentransporte nach Deutschland, auf denen infizierte exotische Stechmücken unbemerkt mitreisten. Mittlerweile beschränkt sich die Übertragung des Virus nicht mehr ausschließlich auf ausländische Mücken, auch heimische können die Krankheit übertragen. Der Naturschutzbund vermutete angesichts der Mückenplagen in einigen Regionen in diesem Sommer vermehrt Infektionen. Bürger waren aufgerufen worden, kranke und tote Tiere zu melden und Kadaver einzuschicken. Im Nachhinein ist in diesem Jahr "eine weitergehende Arealausweitung Richtung Norden" bis Bremen und Hamburg beobachtet worden, erklärte der Marius Adrion.

Untersuchungen von weiteren rund 20 toten Vögeln sollen Ende November abgeschlossen sein, dann wird es wohl weitere Erkenntnisse ob die Schwere des Virus geben.