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Nach einer Explosion in einer Hochzeitshalle in der afghanischen Hauptstadt Kabul werden viele Tote befürchtet. Zudem wurden mindestens 20 Menschen verletzt und in ein Krankenhaus in Kabul eingeliefert, wie die Nichtregierungsorganisation (NGO) Emergency am Samstagabend auf Twitter mitteilte. Lokale Journalisten berichteten von Dutzenden Toten. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Angriff. In der Vergangenheit hatte aber vor allem die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sogenannte weiche Ziele - also wenig geschützte - angegriffen.

Laut dem Sprecher des Innenministeriums, Nasrat Rahimi, ereignete sich die Explosion kurz vor 23.00 Uhr in der Hochzeitshalle «Dubai» im Südwesten der Stadt. Es sei noch nicht klar, was die Explosion auslöste. Zig Zivilisten seien verletzt und getötet worden. Die Zahl der Opfer werde später mitgeteilt, schrieb Rahimi weiter.

Dutzende Tote

Der gut vernetzte Journalist Bilal Sarwari schrieb auf Twitter, mindestens 38 Menschen seien umgekommen und mehr als 95 verletzt worden. Er berief sich auf Angaben eines hochrangigen Behördenvertreters.

Bei Hochzeiten in Kabul feiern Männer und Frauen in getrennten Räumen. Zumeist sind Hunderte Gäste geladen. Üblicherweise wird nach 22 Uhr das Abendessen serviert.

In sozialen Medien geteilte Videos zeigten verzweifelte Menschen vor der Hochzeitshalle, die Familienmitglieder vermissten. Bilder aus der Hochzeitshalle zeigten blutbefleckte weiße Stühle und viele zwischen oder noch auf ihnen liegende leblose Körper. Im Zentrum Kabuls waren auch eine Stunde nach dem Angriff noch Sirenen von Krankenwagen zu hören.

Viele Afghanen drückten ihr Entsetzen über den Anschlag aus. "Ich bin in Stücke gerissen", schrieb der Künstler Omaid Scharifi auf Twitter. "Wie ist das zu rechtfertigen?! Was ist unsere Schuld?!" Die Hochzeitshalle liegt an der Dar-ul-Aman-Straße, die für den am Montag stattfindenden Unabhängigkeitstag Afghanistans feierlich beleuchtet ist.

Mehrere Bekenntnisse

Der Anschlag auf die Hochzeitshalle war der 17. größere Angriff in der Hauptstadt Kabul seit Januar. Bei den vorherigen 16 wurden laut Behördenangaben mindestens 113 Menschen getötet und mehr als 700 verletzt. Allerdings sind Regierungsbeamte dafür bekannt, Opferzahlen für die Öffentlichkeit gering zu halten. Zu den Angriffen hatten sich zum einen die Taliban, zum anderen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt.

Seit Juli des Vorjahres sprechen die USA mit hochrangigen Vertretern der radikalislamischen Taliban über eine politische Lösung des langjährigen Konflikts. Dabei geht es vor allem um Truppenabzüge und Garantien der Taliban, dass Afghanistan kein sicherer Hafen für Terroristen wird. Beide Seiten hatten sich jüngst optimistisch gezeigt, bald zu einer Einigung zu kommen. Viele Afghanen befürchten allerdings, dass die Gewalt durch Anschläge des IS im Land weiter andauern könnte.