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Die Corona-Massenimpfung geht in Deutschland an diesem Freitag mit der Lieferung neuer Impfdosen in sechsstelliger Größenordnung weiter. Zudem haben der Pharmakonzern Bayer und das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac eine Kooperation geschlossen, so dass der Curevac-Impfstoff möglichst ab dem dritten Quartal eingesetzt werden kann. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten 26 391 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages. 1070 neue Todesfälle wurden verzeichnet. Am Wochenende wollen die Behören einen neuen Ansturm auf die Wintersportgebiete unbedingt vermeiden. Kommende Woche will der in der Kritik stehende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine Regierungserklärung zum Impfen abgeben.

 

Vom bisher einzigen in Europa verfügbaren Corona-Impfstoff des Herstellers Biontech sollen die Länder am Freitag insgesamt 667 875 Dosen erhalten, wie das Bundesgesundheitsministerium am Donnerstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Die Lieferung erfolge über Biontech direkt an die 27 Anlieferzentren der Länder. Den größten Anteil erhält das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen mit 141 375 Dosen, den kleinsten Bremen mit 4875 Dosen. Das am Vortag zugelassene Serum des US-Herstellers Moderna soll kommende Woche erstmals in begrenztem Umfang geliefert werden.

Lieferung durch Biontech direkt

Die Moderna-Zulassung ist nach Ansicht von Börsenexperten auch ein Grund für einen neuen Rekord beim deutschen Aktienindex Dax. Er überwand erstmals die Marke von 14 000 Punkten.

Curevac nun ist seit längerem mit der Entwicklung eines Impfstoffes befasst. Bayer soll die für die Zulassung nötige Studie unterstützen und die Lieferketten im Blick haben. Möglicherweise übernimmt Bayer mit einem weiteren Vertrag auch Teile der Produktion. Curevac-Chef Franz-Werner Haas zeigte sich erfreut über "einen weiteren starken Partner an unserer Seite". "Wir hoffen, dass unser Impfstoff Mitte des laufenden Jahres oder im dritten Quartal zugelassen wird und eingesetzt werden kann", sagte ein Curevac-Sprecher der "Augsburger Allgemeinen" (Freitag).

Ein Bayer-Sprecher betonte, dass so eine Produktion "ein hochkomplexer Prozess" wäre. Bisher stellt der Konzern keine Impfstoffe her. Nun werde gründlich geprüft, ob man in die Herstellung des mRNA-Impfstoffes von Curevac einsteige - Ende des ersten Quartals soll hierzu eine Entscheidung gefällt werden. Zuvor hatte die "Wirtschaftswoche" über diese Erwägungen berichtet.

Bayer hilft Curevac

Im Dezember hatte Curevac grünes Licht für den Start seiner zulassungsrelevanten klinischen Phase-III-Studie für "CVnCoV" erhalten. In dieser Phase geht es darum, die Sicherheit und Wirksamkeit bei Erwachsenen an Standorten in Europa und Lateinamerika zu prüfen. Der Impfstoff CVnCoV basiert auf mRNA - wie die Produkte von Biontech/Pfizer und Moderna.

Mit ersten Ergebnissen rechnet Curevac Ende des ersten Quartals 2021. Für den Fall einer Zulassung hat sich die EU-Kommission für die EU-Staaten 405 Millionen Dosen gesichert. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) begrüßte die Nachrichten als "weiteren Lichtblick".

Der Impfstart ist aus Sicht der SPD zu schleppend verlaufen. SPD-Bundesvize Kevin Kühnert übte in der "Rheinischen Post" und dem "General-Anzeiger" entsprechende Kritik. Spahn bekräftigte am Mittwochabend im ZDF: "Es ist am Anfang jetzt knapp. Das war klar, und das ist auch so." Ab dem zweiten Quartal werde es besser.

Pflegekräfte wollen sich wahrscheinlich teils in geringerem Maß impfen lassen als von der Politik erhofft. Das geht aus Darstellungen Spahns vom Vortag hervor, auch wenn es laut dem Minister nur einzelne Hinweise gibt. Der Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, sagte der dpa: "Sie dürfen nicht davon ausgehen, dass die Vorkenntnisse hinsichtlich eines mRNA-Impfstoffes beim medizinischen Personal im Durchschnitt so sehr viel besser sind als in der übrigen Bevölkerung."

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der dpa ergab, dass 56 Prozent gegen eine Pflicht zur Impfung im Kampf gegen die Pandemie sind. 33 Prozent befürworteten einen solchen Schritt. 11 Prozent machten keine Angaben.

Trotz vieler gesperrter Pisten bereiten sich Polizei und Ordnungsämter in Teilen Deutschlands auf einen erneuten Touristenansturm am Wochenende vor. Um Menschenansammlungen zu vermeiden, sind bereits einige Wintersportgebiete gesperrt worden. Im Harz wurde der Verleih von Wintersportgeräten teils verboten. Für viele Skigebiete im Sauerland gilt ein Betretungsverbot.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sieht sich in der Forderung nach einer zentralen Schaltstelle für die Sicherheit Deutschlands als Lehre aus der Corona-Krise bestärkt. "Wir brauchen einen Ort, an dem man die Organisationen und Behörden zusammennehmen kann, an dem gemeinsame Lagebilder erstellt werden, an dem man die Dinge koordinieren kann", sagte die CDU-Chefin der dpa.