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Die Verwaltungsgerichte sind offensichtlich noch stärker mit Asylverfahren belastet als angenommen. Nach einem Bericht der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Donnerstag) verzeichneten die Gerichte zum Stichtag 30. Juni diesen Jahres insgesamt mehr als 320.000 Verfahren. Ein Jahr zuvor waren es demnach noch knapp 69.000. Das ist eine Zunahme um das Viereinhalbfache. Die Zeitung beruft sich dabei auf eine Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linkspartei.

Zahl deutlich überschritten

Im Sommer hatte der Bund Deutscher Verwaltungsrichter (BDVR) bereits Alarm geschlagen. Allerdings ging der Vorsitzende Robert Seegmüller damals noch von schätzungsweise 200 000 Asylverfahren für das gesamte Jahr 2017 aus. Diese Zahl ist dem Bericht zufolge aber längst schon deutlich überschritten. Bereits im vergangenen Jahr hatte es bei den Klagen von Flüchtlingen eine Verdopplung gegeben: von 50.000 (2015) auf 100.000 (2016).

Das Vorstandsmitglied beim Verwaltungsrichter-Bund, Erich Müller-Fritzsche, sagte der «NOZ»: «Die Verwaltungsgerichte sind so stark belastet, dass sich die Arbeit mit dem gegenwärtigen Personal nicht zeitnah bewältigen lässt. Auch die von der Politik angekündigte Aufstockung beim Personal wird dafür nicht reichen.»