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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die große Zustimmung zur Jerusalem-Resolution in der UN-Vollversammlung begrüßt und die Drohungen der USA als «Erpressung» verurteilt. «Solche Erpressungen versetzen dem Charakter von Institutionen wie den UN einen Schlag, die das Rückgrat des internationalen Systems sind», sagte Erdogan am Freitag in Ankara. Kein Land habe das Recht, mit seiner finanziellen und politischen Macht «unverhohlen die ganze Welt zu bedrohen». Die von der Türkei und dem Jemen eingebrachte Resolution wandte sich gegen die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen.

Erdogan hatte die USA bereit unmittelbar nach der Abstimmung aufgefordert, «ihre unglückliche Entscheidung, deren Unrechtmäßigkeit von der UN-Generalversammlung klar festgestellt wurde, ohne weitere Verzögerung rückgängig zu machen». Der Iran wertete das Abstimmungsergebnis als Niederlage für die Nahostpolitik der USA und Israels. Scharfe Kritik an der Resolution kam aus Israel. Auf dem Tempelberg in Jerusalem versammelten sich am Freitag Hunderte Palästinenser, sie schwenkten türkische und palästinensische Flaggen.

Trump droht mit Streichungen von Zahlungen

Trump hatte gedroht, Ländern im Falle ihrer Zustimmung zur Resolution Hilfszahlungen zu streichen. Dennoch votierten die UN-Mitgliedstaaten am Donnerstag in New York mit großer Mehrheit dafür. 128 der 193 Länder, darunter auch Deutschland, stimmten für das zweiseitige Papier. Neun Länder, darunter die USA, Israel und vier Inselstaaten, stimmten dagegen. 35 Länder enthielten sich, unter ihnen Kanada, Australien und Mexiko sowie die EU-Mitglieder Kroatien, Lettland, Polen, Rumänien, Tschechien und Ungarn.

«Ich danke allen Staaten, die zugestimmt haben», sagte Erdogan am Freitag. «Seit wann werden die demokratischen Willen der Menschheit und besonders der Staaten mit Geld erkauft?»

Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman nannte die UN am Freitag «eine Organisation, die ohne Kompass und ohne Gewissen agiert». Ziel der Vereinten Nationen sei es, den Weltfrieden zu verteidigen, sie hätten aber bislang «nicht einen einzigen Fall von Völkermord verhindert». Länder wie Syrien und der Iran würden für Menschenrechtsverletzungen nicht kritisiert. Die neue UN-Resolution füge «erneut all jenen schweren Schaden zu, denen die Menschenrechte, die freiheitlichen Werte und die Demokratie wichtig sind». Irans Außenamtssprecher Bahram Ghassemi begrüßte dagegen, dass sich die amerikanisch-zionistische Achse» nicht durchgesetzt habe.