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Der Militärhistoriker Sönke Neitzel hat die Warnungen von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vor einer Eskalation des russischen Kriegs in der Ukraine als "außenpolitisch unklug, ja riskant" kritisiert. "Scholz zeigt Putin seine Angst", sagte der Potsdamer Professor für Militärgeschichte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ). "Das fördert das Bild eines schwachen Westens. Genau das hat dazu beigetragen, dass Putin den Krieg überhaupt gewagt hat."

 

Das Überleben der Ukraine hänge von den USA ab. "Wenn sich die Ukraine auf Deutschland und die EU verlassen hätte, wäre sie jetzt russisch. Das muss man schonungslos so aussprechen", sagte Neitzel.

Nach seiner Einschätzung wird der Krieg "noch viele Jahre" dauern. Scholz' Ruf nach einer Waffenruhe sei "verständlich, aber Wunschdenken". Keine Seite sei militärisch so geschwächt, dass sie verhandeln müsse, um eine totale Niederlage abzuwenden. Moskaus Truppen grüben sich gerade in der Südukraine entlang der Landbrücke zur Krim ein und setzten in der Ostukraine alles daran, die Donbass-Gebiete Donezk und Luhansk einzunehmen und dann zu halten.

Ukraine braucht große militärische Überlegenheit

Um die Front zu verschieben, müsse die Ukraine eine Überlegenheit von mindestens 3:1 herstellen und die Luftüberlegenheit erringen, um russische Nachschublinien zu kappen. "Das traue ich dem ukrainischen Militär nicht zu", urteilte Neitzel. "In einigen Wochen erwarte ich ein Abflauen, dann stehen die Frontverläufe erst mal fest." Das Errungene könnte Putin aus Neitzels Sicht vorerst reichen. "Es könnte Putins Strategie sein, den Gegner dann auf die russischen Stellungen anrennen und langsam ausbluten zu lassen."