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Die G20-Staaten sollten sich unter deutschem Vorsitz aus Sicht von Regierungsberatern auf das Ziel der CO2-Neutralität bis 2050 festlegen. Dazu gehörten der rapide Ausbau erneuerbarer Energien, die Begrenzung des Energieverbrauchs und der Ausstieg aus Kohle, Öl und Erdgas. Das schreibt der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) in einem Sondergutachten, das er am Dienstag in Berlin an Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU) überreichte.

Mit einer nationalen Erbschaftssteuer sollten "Zukunftsfonds" finanziert werden, die das Geld dann gezielt in Nachhaltigkeit und Klimaschutz stecken, schlägt das Beratergremium um den Physiker und Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber vor. Dies sei eine "Generationenkomponente", weil viele vererbte hohe Vermögen auch auf der Basis von Klimaschädigung und Umweltverschmutzung entstanden seien, sagte der Wissenschaftler. Hendricks äußerte sich skeptisch: "Ich gehe davon aus, dass es dafür keine politische Mehrheit in der Bundesrepublik Deutschland zur Zeit und möglicherweise auf absehbare Zeit gibt." Schellnhuber mahnte: "Es gelingt eben nicht mit Beiträgen aus der Portokasse."

Höhere Preise für den Ausstoß von CO2

Die 20 Industrie- und Schwellenländer produzieren 82 Prozent der Treibhausgase aus fossilen Energieträgern. 2015 hatten die G7-Staaten unter deutschem Vorsitz beschlossen, in diesem Jahrhundert den weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen auf Null zu senken. Der WBGU schlägt höhere Preise für den Ausstoß von CO2 vor, die Klimaschutz für Unternehmen finanziell attraktiv machen. 2020 sollte der Preis demnach bei 30 US-Dollar (gut 28 Euro) pro Tonne liegen. In der EU liegt er derzeit bei gerade mal 5 Euro.

Die Experten sehen eine Chance für internationale Zusammenarbeit und Frieden: Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung seien weltweit das einzige Vorhaben, an dem sich alle Nationen beteiligten. "Durch Erfolge in diesem Mega-Politikfeld können Staaten gegenseitiges Vertrauen aufbauen." Dafür könne die deutsche G20-Präsidentschaft entscheidende Weichen stellen.

Drittes Jahr in Folge ein globaler Temperaturrekord

Angesichts der Klimawandel-Leugner in der künftigen US-Regierung von Donald Trump ließ Schellnhuber auch Skepsis über die Durchsetzbarkeit des dringend notwendigen Umweltschutzes auf internationaler Ebene erkennen. "Es ist die schwierigste Situation, die jemals bei einer G20-Präsidentschaft geherrscht hat." Es gebe aber nun einmal im dritten Jahr in Folge einen globalen Temperaturrekord, die Klima-Stabilisierung sei daher "eine der großen Menschheitsaufgaben".

Der Wissenschaftler betonte: "Es gibt eigentlich nur noch zwei Möglichkeiten: Wir ziehen die Decke über den Kopf und werden transformiert - oder wir gestalten den Wandel proaktiv." Hendricks bezeichnete die Rettung des Weltklimas als entscheidende Gerechtigkeitsfrage im 21. Jahrhundert, zumal der Klimawandel außerdem den Migrationsdruck in vielen Ländern der Erde erhöhe.