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Im Kampf gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie setzt Großbritannien nun zwei Impfmittel ein. Am Montag wurde der 82 Jahre alte Dialyse-Patient Brian Pinker aus Oxford in der dortigen Uniklinik als erster mit dem heimischen Vakzin der Uni Oxford und des Pharmakonzerns Astrazeneca geimpft, wie der britische Gesundheitsdienst NHS mitteilte.

Steigende Neuinfektionszahlen

Wegen stark steigender Neuinfektionszahlen stand das Land vor einem strikten Lockdown. Premierminister Boris Johnson wollte sich am Montagabend mit einer Fernsehansprache an die Menschen wenden. Wie britische Medien berichteten, soll die höchste Alarmstufe in der Coronavirus-Pandemie ausgerufen werden. Der Landesteil Wales kündigte bereits an, die Schulen mindestens bis zum 18. Januar zu schließen.

Am Montag wurden knapp 59 000 Neuinfektionen gemeldet - Tagesrekord. Außerdem gab es 407 neue Todesfälle. Die Regierung führt die starke Ausbreitung auf eine neue Coronavirus-Variante zurück, die möglicherweise ansteckender ist als die bislang verbreitete Form.

Johnson warnte vor "harten, harten" Wochen. Es sei keine Frage, dass "zu gegebener Zeit" noch schärfere Corona-Einschränkungen eingeführt werden müssten, sagte Johnson beim Besuch einer Klinik in London. Ein Regierungssprecher betonte: "Dem Premierminister ist klar, dass weitere Schritte unternommen werden müssen, um den Anstieg der Fallzahlen zu stoppen, den NHS zu schützen und Leben zu retten." Außerdem werde das Parlament aus der Sitzungspause zurückbeordert, um über die Maßnahmen zu debattieren, sagte der Sprecher.

Großbritannien hofft vor allem auf die Wirkung der Massenimpfung. Bereits seit vier Wochen wird der Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und des US-Konzerns Pfizer eingesetzt. In der vergangenen Woche hatte Großbritannien dann auch dem Astrazeneca-Präparat eine Notfallzulassung erteilt.

Corona-Präparat von AstraZeneca

Johnson beobachtete in London die Impfung der Krankenschwester Susan Cole. "Er fragte mich, wie ich mich gefühlt habe", sagte die 60-Jährige der Nachrichtenagentur PA. "Wir haben ein wenig darüber gesprochen, wie wichtig die Impfung nicht nur für den Menschen ist, sondern auch, um andere zu beschützen."

In Oxford zeigte sich der Patient Pinker glücklich, die Dosis erhalten zu haben. "Ich freue mich so, heute die Covid-19-Impfung zu bekommen, und ich bin wirklich stolz, dass sie in Oxford erfunden wurde", sagte er der NHS-Mitteilung zufolge. Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock bezeichnete den Impfstart mit dem Mittel als "unverzichtbaren Schritt" im Kampf gegen die Pandemie.

Der zweite Corona-Impfstoff, der im Land zum Einsatz kommt, hat einen großen Vorteil: Das Mittel aus Oxford kann bei Kühlschranktemperaturen gelagert werden, was die Logistik deutlich vereinfacht. Zu Beginn stehen dem Land gut eine halbe Million Dosen zur Verfügung, die in Hunderten Krankenhäusern und Arztpraxen ab dieser Woche gespritzt werden sollen. In der EU ist der Impfstoff noch nicht zugelassen.