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Die Zahl der innerhalb eines Tages neu festgestellten Corona-Infektionen ist auf den höchsten Wert seit mehr als drei Monaten gestiegen. Das Robert Koch-Institut meldete am Mittwochmorgen 1510 neue Ansteckungen binnen 24 Stunden. Vor diesem Hintergrund wurde weiter über Einschränkungen bei Veranstaltungen und Festen diskutiert. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer forderte eine rasche Entscheidung über Karnevalsfeiern. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich skeptisch geäußert, ob diese wegen der Pandemie im kommenden Winter stattfinden könnten und damit eine Debatte angestoßen.

Am 1. Mai 1639 registrierte Fälle

Höher als jetzt war die Zahl der entdeckten Neuinfektionen zuletzt am 1. Mai mit 1639 registrierten Fällen. Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Ansteckungen hatte Anfang April bei mehr als 6000 gelegen, danach waren die Werte deutlich gesunken. Seit Ende Juli steigt die Zahl der Nachweise wieder an.

Es sei "sehr notwendig, dass die Verantwortlichen in den Ländern und auch im Bund mit den (Karnevals-)Verbänden reden. Denn für alle Beteiligten muss aus meiner Sicht sehr schnell Klarheit geschaffen werden", sagte Kramp-Karrenbauer am Mittwoch im Fernsehsender "Welt". Sie fügte hinzu: "Im Karneval steckt unglaublich viel Herzblut, Engagement" - und auch viel finanzielles Engagement. Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte am Mittwoch in Düsseldorf: "Bei der jetzigen Infektionslage kann ich mir Karneval nicht vorstellen."

SPD-Chef Norbert Walter-Borjans äußerte sich ebenfalls skeptisch. "Das, was Karneval ausmacht, gerade in den Zentren des Karnevals, das wird nicht gehen", sagte der Rheinländer im ntv-"Frühstart". "Karneval, so wie er ist, geht nicht mit 1,50-Abstand und Schutzmaske."

Karnevalsverband gegen pauschale Absagen

Der Bund Deutscher Karneval ist gegen pauschale Absagen. "Jeder, der mit klarem Verstand die Situation einschätzt, ist sich darüber im Klaren, dass für 2021 die gewohnten Feier- und Veranstaltungsformen nicht vorstellbar sind", teilte das Präsidium des Dachverbandes, der rund 2,6 Millionen Mitglieder in mehr als 5300 Vereinen und Zünften vertritt, am Mittwoch mit.

Mit viel Kreativität und Ideenreichtum seien jedoch Karnevalisten und Fastnachter in den verschiedenen Regionen derzeit dabei, Feierformen zu entwickeln, die die Gesundheitsvorgaben beachteten und bisher nicht denkbar oder technisch möglich gewesen seien. "Diese Entwicklung durch Absage/Untersagung pauschal abzuwürgen, wäre politisch nicht klug!"

Bundesgesundheitsminister Spahn hatte die Debatte am Vortag angestoßen: "Ich war selbst Kinderprinz und komme aus einer Karnevalshochburg. Ich weiß also, wie wichtig Karneval für viele Millionen Deutsche ist. Aber: Ich kann mir Karneval in diesem Winter, mitten in der Pandemie schlicht nicht vorstellen. Das ist bitter, aber so ist es", wurde er von der "Rheinischen Post" aus einer Besprechung mit Mitgliedern des Bundestagsgesundheitsausschusses zitiert.

Ein Sprecher der Bundesgesundheitsministeriums sagte am Mittwoch in Berlin, grundsätzlich habe man sich nicht zu einem pauschalen Verbot des Karnevals geäußert. Bei der Bewertung von Veranstaltungen und privaten Feiern gebe es in einen fortwährenden Austausch mit den Bundesländern. "Grundsätzlich müssen wir natürlich alle Veranstaltungen da mit einbeziehen, von denen eine erhöhte Gefahr für eine Zunahme des Infektionsgeschehens ausgeht", sagte der Sprecher. Über Auflagen und Regeln für Veranstaltungen entscheiden die Bundesländer und ihre Behörden selbst.