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Die katholische und die evangelische Kirche veröffentlichen am Freitag (1200 Uhr) ihre Mitgliederzahlen für 2018. Schon seit langem gehen die Zahlen zurück.

Die Kirchen erklären den Schwund vor allem mit der Alterung der Gesellschaft. Viele Gemeindemitglieder sterben weg. Zusammen mit den Kirchen-Austritten ergibt sich daraus ein Minus, das sich durch Taufen und Eintritte nicht kompensieren lässt.

Die Austrittsmotive

Zu den Austrittsmotiven gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Studien und Umfragen, in denen als Kernmotiv eine Entfremdung von der Kirche festgestellt wurde. Eine Studie des katholischen Bistums Essen ergab im vergangenen Jahr als Hauptgründe: die Kirchensteuer, Entfremdung oder fehlende Bindung zur Kirche, rückständige Haltung der Kirche, Glaubenszweifel, ein persönlich enttäuschendes Erlebnis, Skandale.

Der Kirchenrechtsexperte Thomas Schüller betont: "Kirchenaustritte sind kein Naturphänomen, sondern Ausdruck einer Entfremdung der Gläubigen von der Kirche und einer Glaubwürdigkeitskrise der Kirche selbst."

Die USA als Vorbild?

Der Kriminologe Christian Pfeiffer, selbst evangelischer Christ, regte eine Diskussion über die Notwendigkeit von Kirchensteuern an. So seien die Kirchen in den USA - wo es keine Kirchensteuer gebe - viel lebendiger, sagte Pfeiffer der Deutschen Presse-Agentur. "Ein Grund dafür ist mit Sicherheit, dass sie es sich dort nicht auf dem Ruhekissen der Kirchensteuer bequem machen können." Sie müssten etwas unternehmen. "In Deutschland dagegen verlangweilen sich die Kirchen immer mehr. Die Pfarrer sind quasi verbeamtet. Vielleicht wäre es ein Befreiungsschlag, wenn sie sich von der Kirchensteuer befreien würden."

Schüller sagte zu der schon länger schwelenden Debatte, die Kirchensteuer sei meist nur der letzte Baustein einer Entfremdung von der Kirche. "Zudem treten sehr viele Katholiken aus, die gar keine oder nur eine vergleichsweise geringe Kirchensteuer zahlen", sagte der Professor für katholisches Kirchenrecht.

2017 hatten die beiden großen christlichen Kirchen zusammen etwa 660 000 Mitglieder verloren. Nach Angaben der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ging die Zahl der Protestanten 2017 um 390 000 Mitglieder auf 21,5 Millionen zurück, das war eine Abnahme um 1,8 Prozent. Die Zahl der Katholiken sank nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) um 270 000 auf 23,3 Millionen. Insgesamt gehörten damit noch 54 Prozent der deutschen Bevölkerung zu einer der beiden Kirchen. 2005 waren es noch 62 Prozent.