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Das deutsche Rettungsschiff "Alan Kurdi" von Sea-Eye mit 65 aus dem Mittelmeer geretteten Flüchtlingen an Bord dürfte an diesem Samstagmorgen die italienischen Hoheitsgewässer vor der Insel Lampedusa erreichen. Nur vier Tage nach der Freilassung der Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete aus dem Hausarrest droht damit eine erneute Konfrontation zwischen Deutschland und Italien. "Wir lassen uns von einem Innenminister nicht einschüchtern, sondern steuern den nächsten sicheren Hafen an", schrieb die Organisation Sea-Eye aus Regensburg am Freitagabend auf Twitter. Das Seerecht gelte, auch wenn manche Regierungsvertreter das nicht wahrhaben wollten.

39 Flüchtlinge offenbar minderjährig

Die "Alan Kurdi" hatte nach eigenen Angaben in internationalen Gewässern vor Libyen 65 Migranten von einem überladenen Schlauchboot aufgenommen. 39 von ihnen hätten angegeben, noch minderjährig zu sein. Der Jüngste sei erst zwölf Jahre alt, berichtete Sea-Eye. Insgesamt 48 der Geflüchteten stammten aus Somalia in Ostafrika, zwei seien Libyer. Einer der Somalier habe erzählt, er schon vor drei Jahren aus seiner Heimat aufgebrochen, habe drei Monate für die Durchquerung der Wüste benötigt und einen Freund verloren, der an der libyschen Grenze erschossen worden sei.

Italiens Innenminister Matteo Salvini erklärte prompt, das Schiff dürfe nicht nach Italien fahren - auch nicht im Fall einer späteren Weiterverteilung der Migranten auf andere Staaten. Das hatte er jedoch auch schon im Fall von Racketes Rettungsschiff "Sea-Watch 3" verkündet - ohne Erfolg. "Italien (...) beabsichtigt nicht, weiterhin der einzige "Hotspot von Europa" zu sein", betonte er.

Eine Verschlechterung der Situation an Bord werde ausschließlich auf Deutschland als Flaggenstaat, auf den Kapitän und die Crew der "Alan Kurdi" zurückfallen, warnte er. Zugleich drängte Salvini Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in einem Brief, Verantwortung für das Schiff zu übernehmen.

"Eine schnelle Lösung finden"

Zunächst sah allerdings nichts danach aus, dass die Bundesregierung ihren Kurs mit Blick auf gerettete Migranten im Mittelmeer ändern würde. Sie hatte sich in der Vergangenheit stets bereiterklärt, Schutzsuchende aufzunehmen - jedoch unter der Voraussetzung, dass auch andere Staaten einwilligen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes erklärte in Berlin, Ziel der Regierung sei es, "eine schnelle Lösung zu finden". Zunächst müsse ein sicherer Hafen gefunden und über die Verteilung der Geretteten auf die EU-Staaten gesprochen werden.

Sea-Eye berichtete, die libysche Küstenwache sei zunächst nicht zu erreichen gewesen. Später habe sie dem Schiff einen Hafen zugewiesen, wo die Geretteten an Land gebracht werden könnten. Dies habe die Organisation aber abgelehnt: "Wir werden keine Geretteten zurück in libysche Foltergefängnisse bringen", schrieb Sea-Eye auf Twitter.