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Russlands Präsident Wladimir Putin mag wegen Demokratiedefiziten und imperialer Außenpolitik im Westen noch so sehr in der Kritik stehen. In vielen Staaten Südosteuropas strahlt sein Stern immer noch hell. Und wenn der Machtpolitiker am Samstag nach Slowenien kommt, um an den Tod von 300 russischen Kriegsgefangenen vor 100 Jahren zu erinnern, "kann das nicht interpretiert werden als slowenisches Messer in den Rücken" der EU- und NATO-Partner, redet Gastgeber Borut Pahor den Besuch klein.

Während die gemeinsame "slawische Verbundenheit" beider Völker hier noch etwas schüchtern als Rechtfertigung für das Hofieren des sonst so kritisierten Moskauer Spitzenpolitikers herhalten muss, wird dessen Bewunderung von einigen Staatschefs in der Nachbarschaft offen gepflegt. Ungarns Regierungschef Viktor Orban hatte bei seinem Konzept der "illiberalen Demokratie" seit dem Jahr 2012 ausdrücklich sein Vorbild Putin erwähnt. Dass Russland das aus sowjetischer Fertigung stammende Kernkraftwerk Paks südlich von Budapest um zwei Blöcke erweitern und dafür zehn Milliarden Euro Kredite locker machen will, ist da nur folgerichtig.

Auch der seit zehn Jahren in Mazedonien immer autoritärer regierende Nikola Gruevski ist ein bekennender Putin-Fan. Im Gegenzug sprang ihm in diesem Monat das russische Außenministerium gegen den Dauerprotest seiner Kritiker bei. Die Anti-Gruevski-Kräfte würden von den USA und der EU unterstützt, wodurch "auf dem Balkan eine Praxis der unverschämten Einmischung in innere Angelegenheiten begonnen hat", schimpfte Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa.

Tsipras hat vergeblich um Hilfe gebeten

Beim südlichen Nachbarn Griechenland ist die Geschichte der Beziehungen zum traditionellen Freund Russland von vielen Enttäuschungen gepflastert. Die Seelenverwandtschaft auch über die gemeinsame orthodoxe Religion stammt noch aus der Zeit der Besetzung Griechenlands durch das Osmanische Reich im 19. Jahrhundert. Nach dem Zweiten Weltkrieg fühlte man sich im Bürgerkrieg (1947-49) im Stich gelassen, als die Sowjetunion aus geopolitischen Gründen ihre Unterstützung der Kommunisten einstellte.

Die Kette der Ernüchterung reicht bis in die letzten Existenzkrisen um den Euro. Regierungschef Alexis Tsipras war im letzten Jahr zweimal vergeblich in Moskau, um Finanzhilfen locker zu machen. Auch die Hoffnung bei Putins Gegenbesuch in diesem Juni, er könnte ein großzügiges Angebot zum Kauf der griechischen Eisenbahnen auf den Tisch legen, löste sich in Luft auf. Stattdessen kamen die Italiener zum Zuge.

Der Präsident der serbischen Landeshälfte von Bosnien-Herzegowina, Milorad Dodik, setzt in den letzten Monaten auf großzügige Kredite Putins, um seinen Teilstaat vor dem finanziellen Kollaps zu retten. Es gibt allerdings keine Indizien, dass das klappen könnte. Auch die Serben im kleinen Adriastaat Montenegro - immerhin die Hälfte der Bevölkerung - hoffen auf den großen Bruder in Moskau. Der wettert in den letzten Monaten gegen den geplanten NATO-Beitritt des Landes und verlangt wie die Serben eine Volksabstimmung darüber - wohl wissend, dass es dabei keine Mehrheit geben wird.

"Ohne Putin gibt es keinen Frieden in Europa"

Die glühendsten Putin-Verehrer sind aber in Serbien zu finden. Präsident Tomislav Nikolic hat sich jahrelang dafür eingesetzt, dass seine Heimat ein Teilstaat Russlands werden solle. Die serbische Minderheit im Kosovo hatte vor Jahren Reisepässe von Putin verlangt, um sich gegen die albanische Mehrheit zu wehren. Der EU-Kandidat Serbien weigert sich unter Berufung auf seine dicke Freundschaft mit Russland, den EU-Wirtschaftssanktionen zu folgen.

Es gibt Militärübungen mit Russland. Moskau wurde bei der Stadt Nis im Süden Serbiens ein Stützpunkt eingeräumt - mit humanitärer Zielsetzung, heißt es. Die Medien sprechen von einem zweiten solchen Punkt bei der Stadt Zrenjanin im Norden. Vor zwei Jahren ließ sich Putin in Belgrad mit der ersten Militärparade seit fast 30 Jahren feiern. Serbiens alles beherrschender Politiker, Regierungschef Aleksandar Vucic, war erst in diesem Mai wieder bei seinem Vorbild.

Teile der Medien zeichnen seit Jahren von Putin ein Bild des weltweiten Friedensstifters. Er rechnet mit dem Terrorismus im Nahen Osten ab und widersetzt sich dem Westen bei dessen Einflussnahme auf dem Balkan, heißt es da. Und "Ohne Putin gibt es keinen Frieden in Europa", titelt die regierungstreue Boulevardzeitung "Informer".