- Bildquelle: dpa © dpa

Nach den Anschlägen vom Ostersonntag gibt es in Sri Lanka neue Warnungen vor möglichen Angriffen auf Gotteshäuser. Die Polizei teilte am Freitag auf Twitter mit, dass Islamisten Geheimdienstinformationen zufolge Moscheen der Sufisten angreifen wollten. Die Zahl der Todesopfer bei den Selbstmordanschlägen auf christliche Kirchen und Luxushotels wurde inzwischen um mehr als 100 nach unten korrigiert.

Der Sufismus ist eine Strömung im Islam mit mystischen Traditionen und Riten. Radikale Islamisten betrachten Sufisten wegen ihrer Toleranz auch anderen Religionen gegenüber als Feinde. Die Sicherheitsvorkehrungen an den Moscheen wurden laut Polizei erhöht.

Auch die US-Botschaft in Sri Lanka warnte vor möglichen weiteren Anschlägen auf Gotteshäuser. Diese sollten von Freitag bis Sonntag gemieden werden, twitterte die Botschaft am Donnerstag unter Berufung auf die sri-lankischen Behörden. "Bleiben Sie weiter wachsam und meiden Sie größere Menschenmengen", hieß es.

Tui holt Urlauber nach Hause

Sri Lankas Minister für muslimische Angelegenheiten, Abdul Haleem, hatte die Muslime des Inselstaates aufgerufen, nicht zu Freitagsgebeten zu gehen - als Geste der Solidarität mit den Christen, deren Kirchen seit den Anschlägen geschlossen bleiben.

Tui Deutschland sagte unterdessen alle Reisen nach Sri Lanka bis einschließlich 31. Mai ab. Für Urlauber vor Ort werde die vorzeitige Rückreise organisiert, teilte das Unternehmen am Freitag mit.

Der Reiseveranstalter reagierte nach eigenen Angaben auf die aktualisierte Lageeinschätzung des Auswärtigen Amtes: "Es besteht grundsätzlich die Gefahr von weiteren Anschlägen. Reisenden wird vor diesem Hintergrund zu erhöhter Wachsamkeit geraten, insbesondere wird von nicht notwendigen Reisen nach Colombo abgeraten", heißt es darin. Die Sicherheitslage sei im ganzen Land angespannt.

Tui-Gäste, die bis 31. Mai nach Sri Lanka reisen wollten, werden nach Angaben des Unternehmens kontaktiert. Sie können gebührenfrei umbuchen oder ihre Reise kostenlos stornieren. Auch Gäste, die vor Ort sind, würden von der Tui-Reiseleitung kontaktiert, um die vorzeitige Rückreise zu organisieren. Derzeit befinden sich laut Tui Deutschland rund 150 Kunden des Veranstalters in Sri Lanka. 

Verdächtige erhielten Waffentraining im Ausland

Nach neuen Zahlen der Behörden wurden bei den Anschlägen vom Ostersonntag deutlich weniger Menschen getötet als bisher angegeben. Das Gesundheitsministerium korrigierte die Zahl der Todesopfer auf nun 253 nach unten - zuvor war von 359 Toten die Rede gewesen. Der Generaldirektor der Gesundheitsdienste, Anil Jayasinghe, teilte am Donnerstagabend mit, die genaue Zahl sei unklar, weil die Körper extrem verstümmelt worden seien. Auch die Zahl der Verletzten korrigierte er von früher 485 auf 149 nach unten.

Nach Angaben des sri-lankischen Außenministeriums vom Donnerstagabend waren 40 Ausländer unter den Todesopfern, 14 wurden demnach noch vermisst. Es war zunächst unklar, ob sich auch diese Zahl noch ändern könnte. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes war auch ein Deutsch-Amerikaner getötet worden.

Die Polizei gab außerdem an, Verhöre von festgenommenen Verdächtigen hätten ergeben, dass die Attentäter im Ausland Waffentraining erhalten hätten. Unter den Festgenommenen seien der zweite Befehlshaber der einheimischen Terrorgruppe sowie der Bombenbauer. Der Anführer der Gruppe sei am Ostersonntag in einem der Hotels gestorben. Zum körperlichen Training hätten die Angreifer Fußball gespielt, hieß es.

Festgenommene haben Verbindungen zum IS

Nach Behördenangaben vom Donnerstag befanden sich 76 Verdächtige in Gewahrsam. Die Regierung warnte aber, dass sich noch Verdächtige auf der Flucht befänden. Manche von ihnen seien im Besitz von Sprengstoff. In einem Gespräch mit Medienvertretern sagte Staatspräsident Maithripala Sirisena am Freitag, es seien zwischen 130 und 140 Menschen mit Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Sri Lanka.

Sirisena stellte zudem in Aussicht, wegen der Verbreitung falscher Informationen soziale Medien komplett zu verbieten. Bislang war der Zugang zu einigen sozialen Medien nach den Anschlägen gesperrt worden. Sirisena stellte außerdem einen Zusammenhang zwischen der Drogen-Mafia und den Anschlägen her. Er hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, im Kampf gegen den Drogenhandel die Todesstrafe nach mehr als 40 Jahren wieder zu vollstrecken.

Am Donnerstag veröffentlichte die Polizei Fotos und Namen von sechs Verdächtigen, die in Verbindung mit den Anschlägen gesucht würden, und bat die Bevölkerung um Hinweise. Nachdem Twitter-Nutzer darauf hingewiesen hatten, dass eines der Bilder offenbar eine bekannte muslimische US-Aktivistin sri-lankischer Abstammung zeigte, korrigierte die Polizei am Freitag ihre Angaben: Statt der Frau wurde nun ein Mann ohne Foto gesucht. Bei den Verdächtigen handelte es sich demnach um vier Männer und zwei Frauen.