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Der Deutsche Pflegerat hat von der künftigen Bundesregierung umfassende Maßnahmen zur Stärkung der Pflege in Deutschland gefordert. "Es braucht eine Gesamtidee, wie wir 5,1 Mio Pflegebedürftige bei fehlenden 500 000 Pflegefachpersonen in 2030 noch gepflegt bekommen", sagte die Präsidentin des Deutschen Pflegerats, Christine Vogler, der Deutschen Presse-Agentur. Im Pflegerat als Dachverband haben sich große Verbände der Pflegebranche zusammengeschlossen.

Beratungen auf dem "Deutschen Pflegetag"

An diesem Mittwoch und Donnerstag beraten Experten aus Politik, Wirtschaft und Verbänden auf dem "Deutschen Pflegetag" über die aktuellen Herausforderungen in der Branche. Zum Auftakt ist auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eingeladen, er wird ein Grußwort an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer richten.
Es gehe unter anderem um eine angemessene Bezahlung, die Umsetzung vernünftiger Personalschlüssel, angemessene Arbeitsbedingungen und Mitspracherechte im Gesundheitssystem, sagte Vogler. Ein Hauptproblem in der Pflege ist weiterhin der Personalmangel. Nach Angaben des Pflegerats fehlen in Kliniken und Pflegeeinrichtungen mehr als 200 000 Pflegerinnen und Pfleger.
Rund 1,7 Millionen Menschen sind laut Bundesagentur für Arbeit in der Kranken- und Altenpflege sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Auf Pflege angewiesen sind in Deutschland mehr als vier Millionen Menschen. Wegen der alternden Gesellschaft wird erwartet, dass die Zahl weiter steigt. Der Pflegerat geht von 5,1 Millionen Betroffenen im Jahr 2030 aus. Das bedeutet auch einen weiter steigenden Personalbedarf.

Kritik an bisherigen Reformen

Reformen zur Verbesserung der Lage, die von der großen Koalition in den vergangenen Jahren auf den Weg gebracht wurden, blieben in der Wirkung für die Pflegebedürftigen und die Beschäftigten zu schwach, kritisierte Vogler. "Die Maßnahmen wenden sich kurzfristig den Symptomen zu – die Grundfragen aber werden konsequent ignoriert."
Der Deutsche Gewerkschaftsbund schloss sich der Kritik an. Vorstandsmitglied Anja Piel sagte der dpa, Gesundheitsminister Spahn habe statt der versprochenen großen Pflegereform nur ein Reförmchen geliefert. "Zwei Dinge muss die kommende Koalition umgehend anpacken: Die Pflegeversicherung muss so ausgestaltet sein, dass sie tatsächlich alle Pflegeleistungen abdeckt. Dafür aber müssen alle Bürgerinnen und Bürger in eine gemeinsame Kasse einzahlen. Und die Arbeitsbedingungen in der Pflege müssen besser werden. Das geht nur mit spürbar mehr Personal und einer bundesweit guten Bezahlung."

Diskussion um bessere Arbeitsbedingungen

Die Verdienstmöglichkeiten in der Branche sind unterschiedlich. So bekamen laut Statistischem Bundesamt Krankenpflegerinnen und -pfleger im vergangenen Jahr im Durchschnitt 3578 Euro brutto im Monat. Bei Fachkräften in Pflegeheimen waren es durchschnittlich 3363 Euro, in Altenheimen 3291 Euro. Die Unterschiede seien unter anderem darauf zurückzuführen, dass in der Krankenpflege vielfach Tariflöhne gezahlt würden, hieß es.
Beim Pflegetag wird auf verschiedenen Veranstaltungen darüber diskutiert, wie der Pflegeberuf attraktiver gemacht werden kann, wie Arbeitsbedingungen verbessert und ausländische Fachkräfte gewonnen werden können und wie sich die Digitalisierung auf den Beruf auswirkt. Zu dem zweitägigen Treffen werden mehrere tausend Teilnehmer erwartet. Es ist die zentrale Branchenveranstaltung rund um das Thema Pflege.