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In Dortmund setzten wütende BVB-Fans ein schwarz-gelbes Zeichen, in Montreux berieten die Macher des europäischen Fußballs angespannt über mögliche Sanktionen. Die Ankündigung der Super League, der laut britischen Medien "groteske Verrat", ließ Anhänger, Vereine und Verbände fassungslos am Dienstag zurück - aber nicht in Schockstarre. Die UEFA stellte sich bei ihrem Kongress in der Schweiz für den Machtkampf mit den zwölf abtrünnigen Topclubs auf. Karl-Heinz Rummenigge soll eine entscheidende Rolle zukommen.

 

Der Vorstandschef des FC Bayern sollte zunächst ins UEFA-Exekutivkomitee gewählt, in dem DFB-Vizepräsident Rainer Koch mittags mit 47 Stimmen bestätigt wurde. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin, der seine Kritik an der Super League erneuerte, den englischen Clubs aber eine kleine Hintertür öffnete, würdigte den 65 Jahre alten Rummenigge als "fantastischen Ehrenvorsitzenden der European Club Asssociation". Der bisherige ECA-Chef Andrea Agnelli ist bei der UEFA als einen der Hauptverantwortlichen für den großen Knall am Montag nicht mehr erwünscht.

Nun soll es mit Rummenigge gegen die Super League gehen. «Wir sind nicht dabei, weil wir kein Teil davon sein wollen», sagte der Bayern-Chef der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" (Dienstag). "Wir sind zufrieden, Champions League zu spielen und vergessen nicht die Verantwortung, die wir gegenüber unseren Fans haben, die grundsätzlich gegen so eine Reform sind. Und wir spüren die Verantwortung gegenüber dem Fußball als Ganzes."

An dieser deutlichen Absage an das durch eine US-Großbank finanzierte Super-League-Projekt werden sich die Bayern messen lassen müssen, auch wenn Rummenigge Ende des Jahres als Vorstand abtritt. Noch ist offen, wer die verbleibenden drei Gründungsmitglieder werden sollen. Zwölf von 15 stehen fest, darunter Real Madrid, der FC Liverpool und Agnellis Juventus Turin. Einem Bericht des «Spiegel» zufolge wünschen sich die bisherigen Gründer Paris Saint-Germain, den FC Bayern und Borussia Dortmund. Zu angeblich angebotenen Verträgen, über die das Nachrichtenmagazin berichtete, äußerte sich keiner dieser Clubs.

Dafür machten die BVB-Anhänger ihrem Ärger gehörig Luft. "Klare Worte satt leere Zeilen", schrieben die Fans in schwarzer Schrift auf ein großes gelbes Plakat, das an einem Zaun gegenüber der Dortmunder Geschäftsstelle hing. "ESL (European Super League) Absage jetzt und für immer." BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte sich bereits ablehnend zur Super League geäußert: Die Meinungen des BVB und der Bayern seien in dieser Sache deckungsgleich mit jener der ECA, die deutliche Kritik geübt hatte.

Kritik von DFB-Präsident

"Der Fußball ist offen und für alle da. Eine geschlossene Super League dagegen nur für Superreiche und Superrücksichtslose", sagte auch DFB-Präsident Fritz Keller. "Das egoistische Verhalten dieser zwölf Vereine hat mit dem Spiel, in das wir uns als Kinder verliebt haben, nichts mehr zu tun." Der 64-Jährige plädiert für die Verbannung der Clubs und von deren Nachwuchsmannschaften aus allen bestehenden Wettbewerben. "Bis sie wieder an ihre vielen Anhänger denken, die sie erst zu den größten Clubs der Welt gemacht haben - und nicht nur an ihre Geldbeutel."

Ob das rechtlich möglich ist, prüft die UEFA händeringend in mehreren Gesprächen. Laut der Statuten bedarf jeder neue Wettbewerb der Zustimmung des Dachverbandes - und die Anerkennung dieser Regeln ist die Voraussetzung für die Zulassung zu UEFA-Wettbewerben. Allerdings geht die Frage über Konkurrenzprodukte tief ins EU-Recht. Dem europäischen Club-Fußball droht eine Schlammschlacht vor Gericht, möglicherweise schon vor dem Halbfinale der aktuellen Champions-League-Saison Anfang Mai.

Scharfe Sanktionen drohen

"Wenn einige wählen, ihren eigenen Weg zu gehen, müssen sie mit den Konsequenzen leben", sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino beim UEFA-Kongress ohne ins Detail zu gehen. "Sie sind verantwortlich. Konkret bedeutet das, entweder bist du drin - oder draußen. Du kannst nicht zu Hälfte drin und zur Hälfte draußen sein. Aber ich will nicht einmal darüber nachdenken."

In England, der Heimat der Hälfte der bisherigen zwölf Superligisten, drohte Premierminister Boris Johnson mit scharfen Sanktionen. Er kündigte in der "Sun" an, dem "lächerlichen" Milliardenprojekt die Rote Karte zu zeigen. Sein Sportminister Oliver Dowden stellte im Parlament drastische Ideen vor, um die "Big Six", die englischen Spitzenvereine, von einer Teilnahme abzuhalten. Sogar Prinz William - Präsident des nationalen Verbandes FA - mischte sich ein. In Deutschland hielt sich die Politik zurück.