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Als Karl-Heinz Rummenigge Alarm schlug, hörte sein Gegenüber Niko Kovac sehr genau zu. Beim Bayern-Bankett tief in der griechischen Nacht richtete der Vorstandschef nach einem Wackelsieg in der Champions League gegen ein europäisches Fußball-Leichtgewicht aus Piräus mahnende Worte an Trainer und Starensemble.

"Ich glaube nicht, dass die Leistung, die wir gebracht haben, uns in diesem Jahr große Erfolge bescheren wird, wenn wir nicht die Kurve langsam kriegen. Wir spielen mir ein bisschen zu sorglos", rügte Rummenigge in seiner gut zweiminütigen Ansprache unerwartet deutlich das sportliche Personal: "Das wird irgendwann zu Problemen führen."

Der skeptisch schauende Vorstandschef wies nach zwei Liga-Frusterlebnissen zwar auf die Wichtigkeit des dritten Sieges im dritten Königsklassenspiel der Saison und blendende Aussichten auf das Achtelfinale hin. Doch Art und Weise des nervenaufreibenden 3:2 bei Olympiakos Piräus gefielen keinem. "Es gibt mehrere Gründe. Es muss alles besser werden", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

"Wird irgendwann zu Problemen führen"

In der Offensive kommen die Münchner um Doppeltorschütze Robert Lewandowski zu selten richtig auf Touren. Und die Defensive weist beunruhigende Lücken auf. Dass sich nach Niklas Süle (Kreuzbandriss) nun auch der 80 Millionen Euro teure Rekordzugang Lucas Hernández wohl schwerer verletzt hat, lässt die Abwehrsorgen anwachsen.

Wo steht die Mannschaft des FC Bayern in diesem Herbst? "Nicht da, wo sie sein soll", sagte der überraschend oft geforderte Torwart Manuel Neuer diplomatisch. "Die Selbstverständlichkeit, die Automatismen, die Balance - das stimmt nicht ganz bei uns. Das müssen wir wieder hinbekommen. Da müssen wir Spieler uns an die eigene Nase fassen", sagte Kapitän Neuer. Man müsse wieder mehr zu jenem Spiel kommen, das "Bayern-like" sei. "Diese hundert Prozent, der Spaß auf dem Platz, den geilen Pass zu spielen", all' das "muss einen mit Glück erfüllen", ermahnte Neuer. "Der Pass muss eine Message haben."

In erster Linie ist nun Trainer Kovac gefordert, die beim 7:2 gegen Tottenham vor drei Wochen brillierende und gefeierte Luxus-Auswahl wieder zum dominanten Fußball zu führen. 1:2 gegen Hoffenheim, 2:2 in Augsburg und 3:2 in Piräus lauten die letzten drei mageren Resultate des Double-Gewinners. Bei aller Freude über den Kurs Gruppensieg in Europa wurmt Rang drei in der Bundesliga.

"Dominanz ist im Moment nicht da, wir tun uns nicht leicht", räumte Kovac nach einem "Arbeitssieg" ein. Der 48-Jährige hob bei seiner sehr sachlichen Analyse positive Aspekte wie die gegen Augsburg noch vermisste Effektivität im Torabschluss hervor. "Wir haben sicherlich nicht das beste Spiel gemacht. Aber das war für mich nicht so wichtig. Wir haben jetzt neun Punkte und es geschafft, den Rückstand aufzuholen. Daher Kompliment an die Jungs", sagte Kovac. Wetter und Atmosphäre seien nicht einfach gewesen, lautete eine überraschende Einschätzung des Trainers.

Eigenwillige Analyse

Der kroatische Coach, der vor einem Jahr wackelte und dem seine Chefs damals einen Rotationsstopp empfahlen, steht vor schwierigen Wochen. Die personellen Alternativen in der Defensive sind kleiner geworden, das Reizthema Thomas Müller bleibt schwierig zu moderieren. Dazu riet Uli Hoeneß auf der Griechenlandreise, den gegen Piräus angeschlagen ausgewechselten Javi Martínez öfter im Mittelfeld zu bringen.

Kovac verweist klar auf seinen Zuständigkeitsbereich. Doch leichter macht der Präsidenten-Tipp die Arbeit des bis 2021 unter Vertrag stehenden Trainers nicht. Dass die "Sport Bild" (Mittwoch) den ehemaligen Leipzig-Coach Ralf Rangnick als möglichen Nachfolger spielte, dürfte Kovac sicher auch nicht gefallen.

Rummenigge ärgern vor allem die vielen Gegentore. Piräus war das siebte Pflichtspiel der Saison mit zwei Gegentreffern. "Wir sind hier in Griechenland und da ist der Marathonlauf erfunden worden. Heute Abend war das so ein bisschen wie ein Marathonlauf mit Hürden", beschrieb der Vorstandschef das Defizit.

Es müllert wieder

Dass es überhaupt zum Happy End kam, lag an Lewandowski, dazu traf Corentin Tolisso. "Es ist sehr gut, dass Lewy so trifft", sagte Neuer. Mit 58 Königsklassen-Toren rangiert er auf Rang fünf der "ewigen" Bestenliste. Dazu müllerte es wieder. Der zuletzt auf der Bank schmorende Thomas Müller war an allen drei Toren beteiligt.

Der Sprücheklopfer hielt sich diesmal verbal lieber zurück. "Ich versuche, mich aufs Fußballspielen zu konzentrieren. Langsam können die ganzen Diskussionen auch mal ein bisschen zu Ende gehen", sagte der 30-Jährige. Mit fünf Vorlagen ist er zusammen mit Serge Gnabry der Top-Vorbereiter - vier seiner fünf Assists gab's für Lewandowski.