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Dank Torschützenkönig Robert Lewandowski hat Serienmeister FC Bayern München einen krassen Fehlstart im Eröffnungsspiel der 57. Bundesliga-Saison noch abgewendet. Das 2:2 (1:2) gegen eine in der ausverkauften Allianz Arena couragiert auftretende Berliner Hertha offenbarte am Freitagabend jedoch, dass die von Borussia Dortmund angeführten Bayern-Jäger den Serienmeister nach sieben Titeln am Stück in dieser Spielzeit angreifen können.

Lewandowski erzielte in der 24. Minute zunächst das erste Tor der neuen Saison und verwandelte nach Videobeweis einen Foulelfmeter zum 2:2-Endstand (60.). Bayern-Schreck Dodi Lukebakio (36. Minute) und Marko Grujic (38.) hatten zwischenzeitlich mit einem Doppelschlag die insgesamt von den Bayern dominierte Partie vor 75 000 Zuschauern gekippt.

Der neue Hertha-Chefcoach Ante Covic konnte bei seinem Bundesliga-Debüt einen Überraschungspunkt bejubeln. Für Niko Kovac beginnt das zweite Bayern-Jahr gleich mit Stress. Defensiv agierten die Münchner nicht meisterlich, offensiv war nur Doppelpacker Lewandowski im Abschluss effektiv.

Ohne Goretzka

Kovac musste auf Leon Goretzka verzichten. Der Nationalspieler hatte im Abschlusstraining eine Oberschenkelprellung erlitten. Thomas Müller rückte im 4-3-3-System in die zentrale Position und musste dort mehr defensiv mitarbeiten, als ihm lieb sein konnte. Neuzugang Ivan Perisic saß im Sommer-Look noch auf der Tribüne - von Inter Mailand hatte er eine Gelb-Sperre mitgebracht.

Der Kroate dürfte nicht die letzte Transferaktivität der Münchner gewesen sein. Kurz vor dem Anpfiff kamen die Meldungen aus Spanien, dass Philippe Coutinho vom FC Barcelona kurz vor einem Wechsel nach München steht. Vollzug könnte es schon am Wochenende geben. Auch für einen Wechsel von Michaël Cuisance von Borussia Mönchengladbach zu den Bayern sollen nur noch Details fehlen.

Die Hertha wollte sich in München nicht verstecken. "Wir spielen gegen den schwersten Gegner im deutschen Fußball. Trotzdem möchte ich, dass wir mutigen Fußball zeigen", fordert Covic im ZDF. Als Rekordtransfer Lukebakio (20.) - im November legendärere Dreifachtorschütze für Düsseldorf in München - erstmals schwungvoll Richtung Tor zog, ging ein Raunen durchs Publikum. Doch Torwart Manuel Neuer war vor dem Belgier am Ball.

Die Bayern waren offensiv viel gefährlicher. Nach Torannäherungen von Müller und Lewandowski war es eine Frage der Zeit, bis der Saison-Premierentreffer fällig war. Die Hertha war trotz Fünfer-Kette instabil. Über Joshua Kimmich und den agilen Serge Gnabry landete der Ball bei Lewandowski. Der Torschützenkönig der Vorsaison hatte kein Problem, einzuschieben. Der Pole ist der erste Bundesliga-Spieler, der zum fünften Mal in Serie am ersten Spieltag trifft.

Hertha aus dem Nichts

Alles lief für die Bayern nach Plan, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge lächelten im VIP-Bereich. Doch dann kam erstmal alles anders. Lukebakio wurde von Joshua Kimmich, Benjamin Pavard und Niklas Süle nicht attackiert. Sein Schüsschen flog an den Rücken von Vedad Ibisevic und von dort unhaltbar für Neuer ins Tor. Der Bayern-Schreck hatte wieder zugeschlagen.

Drei Minuten später rasselten Grujic und Pavard mit den Köpfen zusammen. Pavard kam ins Straucheln, Grujic lief weiter, umkurvte von Ibisevic bedient Neuer und schob zur Hertha-Führung ein - erst dann ließ er sein gerade erlittenes Veilchen behandeln. Bundestrainer Joachim Löw fühlte sich auf der Tribüne "gut unterhalten". Hoeneß' und Rummenigges Laune hatte sich aber sichtbar verschlechtert.

Die Bayern blieben trotz des Rückstands recht cool. Gnabry und Coman sorgten für Unruhe in der Hertha-Defensive. Für den Torerfolg war aber wieder Lewandowski zuständig. Grujic riss den 30-Jährigen abseits des Spielgeschehens zu Boden. Schiedsrichter Harm Osmers entschied nach Video-Studium auf Strafstoß, den Lewandowski selbst verwandelte.

Mit dem Torgespür von Lewandowski hätte Corentin Tolisso (72.) die Bayern wieder in Führung gebracht, doch der Franzose vergab freistehend zu überhastet. Die Bayern hatten sich längst in der Hertha-Hälfte eingerichtet. Ganz große Chancen gab es aber kaum. David Alaba (83.) schoss wie auf der Gegenseite Ondrej Duda (77.) einen Freistoß in die Mauer. Gnabry (65.) Schuss aus spitzem Winkel war das Signal für die letztlich doch erfolglose Schlussoffensive.