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Sebastian Vettel kletterte erst jubelnd auf seinen Aston Martin und sprang dann seinen Mechanikern glücklich in die Arme. "Ein toller Tag. Ich bin jetzt wirklich auf Wolke sieben. Wir haben kein Podest erwartet, das macht es umso besser", sagte der viermalige Weltmeister nach seiner lange ersehnten Formel-1-Podiumsrückkehr. Der 33-Jährige profitierte am Sonntag in Aserbaidschan auch von einem dramatischen Crash des bis kurz vor dem Ende klar führenden Max Verstappen und stürmte spektakulär von Startplatz elf auf Rang zwei.

Vettel übertraf auf dem Stadtkurs in Baku am Kaspischen Meer sein bisher bestes Saisonergebnis als Fünfter von Monaco vor zwei Wochen deutlich, weil am Ende auch Titelverteidiger Lewis Hamilton im Mercedes ungestüm von der Strecke schoss und punktlos blieb. "Das Auto war großartig heute, danke!", funkte Vettel noch im Wagen an sein Team. Dieses erwartete ihn mit Deutschland-Flagge im Ziel. "Wir hatten eine gute Geschwindigkeit, das war der Schlüssel", sagte Vettel.

Lewis Hamilton riskiert zu viel

Red-Bull-Fahrer Verstappen sah lange wie der sichere Gewinner aus, ehe er seinen dritten Sieg im sechsten Saisonrennen doch verfehlte. In der 47. von 51 Runden platzte ihm bei enorm hoher Geschwindigkeit plötzlich der linke Hinterreifen. Den Sieg sicherte sich Verstappens mexikanischer Teamkollege Sergio Perez vor Vettel und dem Franzosen Pierre Gasly im Alpha Tauri.

Red Bull verpasste so auf schockierende Weise noch den ersten Doppel-Erfolg seit Oktober 2016 in Malaysia. Immerhin stieg der frustrierte Verstappen nach einem harten Einschlag in der Streckenbegrenzung unverletzt ohne Probleme aus seinem Auto. Danach trat er enttäuscht gegen den Reifen und fasste sich an den Kopf.

Der Titel-Herausforderer behielt immerhin seine knappe Führung in der WM-Wertung. Beim Neustart nach langer Unterbrechung riskierte der siebenmalige Champion Hamilton nämlich zu viel, verpasste die erste Kurve und kam als 15. ins Ziel. Vettel indes holte sich sein bestes Grand-Prix-Resultat seit Mexiko im Oktober 2019 und wurde von den Fans zum "Fahrer des Tages" gewählt.

Sebastian Vettel mit sehr guter Bilanz in Baku

Auch in der Vergangenheit war Vettel gut in Baku zurechtgekommen. Noch nie hatte er das Rennen am Kaspischen Meer schlechter als auf Rang vier beendet. Bei der letzten Austragung 2019 war er im Ferrari Zweiter geworden, ein Jahr zuvor stand er auf der Pole Position. Neuling Mick Schumacher steuerte seinen unterlegenen Haas-Rennwagen auf Platz 14.

Polesetter Charles Leclerc setzte sich einen Tag nach dem chaotischen Qualifying auch beim Start durch. Der Monegasse hatte am Samstag von einem vorzeitigen Abbruch profitiert und ließ Hamilton und Verstappen hinter sich. Schon in der dritten Runde nutzte Hamilton aber die lange Zielgerade und überholte den Ferrari-Fahrer mühelos.

 

Während Verstappen in der siebten Runde an Leclerc vorbeikam und sich auf die Jagd nach Hamilton machte, arbeitete sich Vettel mit Geschick und guter Strategie nach vorn. Erstmals seit dem Grand Prix 2019 in Brasilien führte er sogar für einige Runden vor allem wegen der früheren Boxenstopps der Spitzenfahrer. An der Spitze zeigte der 53-malige Renngewinner eine fehlerlose Leistung, musste sich nach seinem Reifenwechsel aber wieder auf Rang sieben einordnen. Nur zu gerne hätte Vettel schon in diesem Jahr endlich wieder dauerhaft ganz vorn mitgemischt, doch dazu fehlt noch viel.

Rennen nach Verstappen-Crash 40 Minuten unterbrochen

Kurz zuvor hatte Hamilton die Führung an Verstappen verloren. Zwei Wochen nach seinem Premierensieg in Monaco blieb der Herausforderer aus den Niederlanden, der es zuvor in Aserbaidschan noch nie auf das Podest geschafft hatte, auch nach seinem ersten Stopp an der Box vorn. Verstappen hielt den Titelverteidiger in der Folge auf Abstand, weil Perez als Prellbock zwischen den Rivalen lag. Mit aller Gewalt versuchte Hamilton mit Perez mitzuhalten. Doch das gelang nicht.

Nachdem Vettels Teamkollege Lance Stroll bei hoher Geschwindigkeit der linke Hinterreifen platzte und er in die Streckenbegrenzung einschlug, musste das Safety Car auf die Strecke. Verstappen blieb auch nach dem Neustart klar vor Hamilton, dahinter überholte Vettel erst Leclerc und dann auch noch Pierre Gasly im Alpha Tauri. Anschließend sah alles nach einem ruhigen Rennende aus - bis Verstappen in der Mauer einschlug.

Für mehr als 40 Minuten war das Rennen danach unterbrochen. Dann ging es für zwei Runden noch einmal los. Und Hamilton verspielte die Chance auf die Rückeroberung der WM-Führung, während für Perez und Vettel der Tag endgültig perfekt war.