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Sportler wegen Staatsdoping sanktioniert

Pressestimmen zur IOC-Strafe für Russland

Der IOC verhängt im Zuge des russischen Staatsdopings eine beispiellose Strafe. Das sagt die internationale Presse zu dem Urteil.

06.12.2017 12:00 Uhr / dpa

Der IOC verhängt im Zuge des russischen Staatsdopings eine beispiellose Strafe gegen die Sportler des Landes. Russlands Athleten, die keine Dopingvergangenheit haben, müssen bei den Winterspielen in Pyeongchang unter neutraler Flagge starten und dürfen ihre Nationalhymne nicht hören. Das sagt die internationale Presse zu dem Urteil.

ITALIEN:

«La Repubblica»: «Nein zu Russland, nein zum Team, ja nur zu Einzelathleten. Das IOC wählte den Kompromiss, bestraft aber. (...) Das Land bezahlt nicht nur für den systematischen Bruch der Anti-Doping-Regeln, sondern auch für eine mentale Einstellung und ein arrogantes Verhalten. Statt einen anderen Kurs einzuschlagen, hat es den Westen des Verfolgungswahns bezichtigt und eines ideologischen Kriegs und einer feindlichen Einstellung.»

NORWEGEN:

«Aftenposten»: «Ist es richtig, die russischen Sportler so kollektiv zu bestrafen? Nein, meinen viele, auch norwegische Profisportler wie Martin Johnsrud Sundby und Tiril Eckhoff. Die, die keine positive Dopingprobe abgegeben haben, müssen antreten dürfen. [...] Es ist die Sportnation Russland, die bestraft wird, und das trifft eben auch die einzelnen Athleten. Es gab eigentlich keinen anderen Weg. Die Entscheidung kann man verteidigen. Man kann sie als den bisher besten Versuch sehen, Doping im internationalen Sport zu reduzieren. Sie ist Teil der Abschreckung.»

«Verdens Gang»: «Die Entscheidung wird in Russland viele zornig machen, doch sie war zwingend notwendig. Denn einen so systematischen Betrug an allem, für das der Sport steht, kann man sich kaum ausmalen. [...] Russland hat eine ganze Sportwelt betrogen. Der Betrug war trügerisch, geplant und zynisch.»

ÖSTERREICH:

«Kronen Zeitung»: «Das ist eine regelrechte Sport-Bombe: Das Russische Olympische Komitee wurde von den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang als Folge des Dopingskandals ausgeschlossen. (...) Das ist beispiellos in der Geschichte des Sports.»

«Der Standard»: «Russland ist im größten Dopingskandal der letzten Jahrzehnte um die Höchststrafe herumgekommen, muss aber kräftig büßen.»

«Kurier»: «Die Konsequenzen, die das IOC aus diesem Bericht zieht, sind weitreichend, fallen aber weniger dramatisch aus als zunächst erwartet.»

RUSSLAND:

«Kommersant»: «Das Internationale Olympische Komitee, das die Umstände der Doping-Krise in Russland untersucht hat, hat als Strafe für die Unregelmäßigkeiten eine der härtesten der möglichen Varianten, aber nicht die härteste gewählt. (...) Nun wird mit Spannung erwartet, wer in Pyeongchang zugelassen wird und ob unsere Staatsmacht zustimmt, dass die Sportler dort ohne nationale Symbolik antreten. Vorher hat sie zu verstehen gegeben, dass sie bei einer solchen Entscheidung des IOC ganz auf die Spiele verzichten könnte.»

«Sport Express»: «Das Internationale Olympische Komitee hat eine beispiellose Entscheidung getroffen und seine eigenen Regeln umgeschrieben. Noch nie ist ein Nationales Olympisches Komitee wegen Doping-Verstößen suspendiert worden. Noch nie sind bei Olympischen Spielen Sportler mit dem Status "Olympische Athleten aus diesem oder jenem Land" angetreten. Es gab Flüchtlinge, neutrale Athleten, aber diese Neuschöpfung gab es nicht. Und noch weniger gab es eine "Olympiamannschaft aus Russland", und die wird es wohl auch nicht geben.»

SCHWEIZ:

«Blick»: «Dieser Entscheid und diese Sanktionen (...) wären schon vor über einem Jahr fällig gewesen. Doch vor Rio 2016 hatte der Deutsche noch nicht die Courage, mit seinem russischen Freund Wladimir Putin zu brechen.»

«Tagesanzeiger»: «(Die Entscheidung) zeigt, wie wendig das neue IOC unter seinem Präsidenten Thomas Bach in jüngerer Vergangenheit geworden ist. Erst reformierte es den Vergabeprozess für die Spiele, nun wirft es eine der wichtigsten Sportnationen wegen systematischen Dopings vorerst aus seinen Reihen.»

«NZZ»: «Der Entscheid der IOC-Exekutive erlaubt allen, einigermaßen das Gesicht zu wahren. Die überführten russischen Athleten sind in den letzten Wochen von der Kommission des Schweizers Denis Oswald bereits einer nach dem anderen ausgeschlossen worden. Wer nicht erwischt wurde, darf wie in Rio um Medaillen kämpfen. Und das IOC und sein Präsident Bach können damit jene Härte zeigen, die aus Imagegründen so dringend ist.»

SPANIEN:

«Sport»: «Die Abwesenheit der Sportler aus Russland, einer der mächtigsten Nationen des Wintersports, droht den Spielen den Glanz zu nehmen, auf denen bereits Sicherheitsängste wegen der Waffentests des benachbarten Nordkoreas sowie der spärliche Verkauf der Eintrittstickets lasten.»

USA:

«New York Times» (Internetausgabe): «Das umfangreiche, staatlich geförderte Dopingprogramm des Landes hat zu Strafen geführt, aber nicht zu einem Präzedenzfall. Der russische Verband wird nicht teilnehmen, wenngleich einzelne Athleten es dürfen.»

«USA Today» (Internetausgabe): «Unter olympischer Flagge kann Russland Medaillen gewinnen.»

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