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Nach einem ungewöhnlich trockenen April setzen Deutschlands Bauern ihre Hoffnungen auf einen feuchten Mai. Sollte auch in den nächsten Wochen der Regen fehlen, wird das Getreide nur unzureichend Ähren ausbilden, die zweite Missernte in Folge stünde vor der Tür. Und dabei spielen die Nachwirkungen der Dürre des vergangenen Jahres eine entscheidende Rolle: "Die Startbedingungen für die Landwirtschaft sind sehr schlecht, weil wir die Defizite aus dem letzten Jahr mitschleppen: eine sehr niedrige Bodenfeuchte und niedrige Wasserstände in den Flüssen", sagte Ernst Rauch, Chef der Klimaforschung des weltgrößten Rückversicherers.

Die Bodenfeuchte liegt nach Rauchs Angaben unter dem vieljährigen Mittelwert, und die bisher unzureichenden Regenmengen in diesem Jahr konnten das nicht ausgleichen. Auf Regen angewiesen sind aber nicht nur die Bauern. Eine neuerliche Dürre würde auch viele Industriefirmen empfindlich treffen. "Was in der Öffentlichkeit bislang wenig beachtet wird, ist das Schadenpotenzial des Niedrigwassers am Rhein", sagte Rauch. "Wir haben dort sehr viel Industrie, die über Güterschiffe Rohstoffe bezieht und ihre Produkte ausliefert."

Im vergangenen Jahr habe es massive Einschränkungen gegeben, weil die Transportschiffe zeitweise nur mit reduzierter Last oder gar nicht fahren konnten. "Die Auswirkungen waren bis in die zweite und dritte Reihe der Zulieferketten zu spüren." Und auch derzeit sind die Pegelstände wieder niedrig: "Der Rhein führt an seinem Unterlauf derzeit nur die Hälfte des sonst üblichen Wassers mit sich", sagte der Geowissenschaftler.

Bayern drängt auf Versicherung

Ob ein neues Dürrejahr bevorsteht, kann derzeit noch niemand mit Gewissheit sagen. Mit Sicherheit feststellen lässt sich dagegen: Die Bauern in der Bundesrepublik sind nach wie vor sehr viel schlechter gegen Dürre abgesichert als ihre Berufskollegen in vielen anderen Ländern. Denn anders als in Österreich, Frankreich oder den USA gibt es in Deutschland keine staatlichen Zuschüsse für eine Dürreversicherung.

Die Agrarminister der Länder haben den Bund im vergangenen Herbst mit einer Studie zum Thema Risikoabsicherung für Landwirte beauftragt, doch konkrete Ergebnisse gibt es noch nicht, geschweige denn eine politische Einigung.

Bayern ist das zu langsam, Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) will das Tempo forcieren und startet deswegen eine Bundesratsinitiative. "Eine staatlich unterstützte Mehrgefahrenversicherung in der Landwirtschaft ist dafür am besten geeignet", sagte sie am Sonntag. "Denn die Erfahrung aus anderen Ländern zeigt, dass eine breite Absicherung von Risiken wie etwa Dürre nur dann zu erreichen ist, wenn die Versicherungsprämien für die Bauern bezahlbar bleiben."

Dürre kostete in den USA 20 Milliarden Dollar

Mehrgefahrenversicherung bedeutet, dass die Bauern eine Police gegen mehrere Naturgefahren gleichzeitig abschließen können, Dürre inklusive. Eine Dürreversicherung allein ist sehr teuer, weil das Risiko für die Versicherungsunternehmen sehr hoch ist: Trockenheit trifft häufig Zehntausende von Bauern gleichzeitig, so dass im Falle eines Falles immense Schadenzahlungen notwendig werden. Deswegen subventionieren viele Staaten die Mehrgefahrenversicherung, nicht jedoch Deutschland.

Kaniber legt nun einen konkreten Vorschlag nach österreichischem Vorbild vor: Bund und Länder sollen die Hälfte der Versicherungsprämie zahlen - ohne Hagel -, die Bauern die andere Hälfte.

Welch gewaltige Schäden fehlender Regen anrichten kann, zeigt das Beispiel der USA, die 2012 unter einer verheerenden Dürre litten. Die Munich Re beziffert die damaligen volkswirtschaftlichen Schäden auf über 20 Milliarden Dollar. Die US-Landwirte jedoch kamen glimpflich davon: Die Versicherungswirtschaft fing mehr als 15 Milliarden Dollar auf.