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Die Finanzämter werden nach einer Schätzung der Deutschen Steuergewerkschaft im kommenden Jahr bis zu drei Millionen zusätzliche Steuererklärungen bearbeiten müssen. Deshalb werde es "sicher zu Verzögerungen beim Erlass der Steuerbescheide kommen", sagte der Verbandsvorsitzende Thomas Eigenthaler dem Magazin "Focus". Grund für die vielen Steuererklärungen ist indirekt die Corona-Krise. Denn alle Beschäftigten in Kurzarbeit müssen im Folgejahr eine Steuererklärung abgeben.

6,7 Millionen Menschen in Kurzarbeit

Im Mai waren 6,7 Millionen Menschen in Kurzarbeit - ein Rekordwert in der Geschichte der Bundesrepublik. Eigenthaler zufolge haben viele von ihnen zuvor noch nie eine Steuererklärung eingereicht. Denn dazu sind lange nicht alle Bürger verpflichtet, sondern vor allem Selbstständige und alle, die höhere Einkünfte etwa durch Vermietung oder Kapitalerträge haben. Alle Bürger können aber freiwillig eine Steuererklärung abgeben - etwa um eine Rückzahlung zu bekommen.

Die Gewerkschaft geht wegen der Kurzarbeit von zwei bis drei Millionen Erklärungen zusätzlich aus. Die Finanzämter müssten damit bis zu zehn Prozent mehr Unterlagen bearbeiten als bisher. Einige Bürger müssen dabei mit einer unangenehmen Überraschung rechnen. Zwar sind Lohnersatzleistungen wie das Kurzarbeitergeld steuerfrei. Doch die Einnahmen werden bei der Ermittlung des Steuersatzes einbezogen. Das kann in Einzelfällen dazu führen, dass Beschäftigte in Kurzarbeit in einen höheren Steuersatz rutschen und Steuern nachzahlen müssen.

In der Regel aber lohnt sich die Abgabe einer Steuererklärung. Nach den aktuellsten Daten des Statistischen Bundesamts erhielten 87 Prozent der freiwilligen Einreicher zuletzt eine Rückerstattung, im Schnitt winkten 1027 Euro. Trotzdem reichten fast zwölf Millionen Steuerpflichtige keine freiwillige Steuererklärung ein.