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Die Eurozone muss sich nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) längerfristig auf ein schwaches Wirtschaftswachstum einstellen. Zwar habe sich die Konjunktur in der Region zuletzt erholt, aber für die Zukunft gebe es derzeit kaum Aussichten auf eine weitere Verbesserung. In seinem neuesten Ausblick für die Weltwirtschaft, der am Dienstag in Washington veröffentlicht wurde, fordert der IWF daher unter anderem mehr öffentliche Investitionen in Infrastruktur, um die Wachstumschancen in Europa zu vergrößern. Zudem seien weitere Strukturreformen und mehr Stabilität im Bankensektor nötig.

Die Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft beurteilt der Internationale Währungsfonds (IWF) gespalten. "Gegenüber dem Vorjahr haben sich die Aussichten für die entwickelten Länder verbessert, während das Wachstum in den Schwellen- und Entwicklungsländern voraussichtlich niedriger ausfallen wird", heißt es im Weltwirtschaftsausblick des IWF vom Dienstag. Vor allem die Aussichten für große aufstrebende Länder mit hohem Ölexport hätten sich verschlechtert.
Skeptischer gibt sich der Währungsfonds vor allem für die großen Schwellenländer Brasilien und Russland. Beide Länder dürften in diesem Jahr eine Rezession durchlaufen. Die größte Volkswirtschaft Südamerikas werde um 1,0 Prozent schrumpfen, die russische Wirtschaftsleistung werde noch stärker um 3,8 Prozent zurückgehen. Das Wachstum der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft China dürfte sich 2015 und 2016 weiter abschwächen. Die Aussichten für die drittgrößte Volkswirtschaft Asiens, Indien, werden dagegen besser bewertet.

Globale Perspektiven sind nicht konstant

Die globalen Wachstumsperspektiven beurteilt der IWF als moderat, zugleich aber auch als unstet. Insgesamt dürfte die Weltwirtschaft im laufenden Jahr um 3,5 Prozent und im kommenden Jahr um 3,8 Prozent wachsen. Die Erwartung für 2016 wurden leicht angehoben. Der Fonds zählt zahlreiche Kräfte auf, die aktuell auf die Konjunktur einwirken. Überwiegend positiv werden die Folgen der stark gefallenen Ölpreise eingeschätzt. Auch die teils erheblichen Wechselkursveränderungen wie die starke Abwertung des Euro oder des Yen seien unter dem Strich positiv zu sehen. Denn diese Entwicklung helfe, die Nachfrage in Ländern mit ungünstigeren Rahmenbedingungen zu erhöhen.
Die weltweiten Wachstumsrisiken sieht der Fonds in der Tendenz als ausgeglichener an als noch vor einem halben Jahr. Allerdings deuteten sie nach wie vor nach unten. Probleme könnten vor allem die Schwellenländer bekommen, falls sich die scharfe Aufwertung des Dollar fortsetze - ausgelöst etwa durch eine straffere Geldpolitik in den USA. Zudem nennt der Fonds zahlreiche politische Gefahrenherde wie die Krisen in der Ukraine, im Mittleren Osten oder in Afrika.