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Haartransplantation: Sinnvoll oder zum Haare raufen?

Eine Haarverpflanzung kann sinnvoll sein, wenn sich das eigene Haar lichtet und ausfällt. Auf kahlen Stellen können mit einer Eigenhaartransplantation wieder Haare sprießen, wenn auch nur in begrenzter Dichte. Für diesen Eingriff ist eine ordentliche Portion Geduld nötig, da die neu eingepflanzten Haare nach kurzer Zeit erst noch einmal ausfallen bevor sie anschließend wieder mit dem Wachstum beginnen. 

Ist der Haarverlust krankhaft bedingt, kann keine Haartransplantation durchgeführt werden, weil man zu wenig gesunde Haarwurzeln zur Verpflanzung entnehmen kann. Erfolg verspricht die Transplantationstechnik jedoch bei der sogenannten androgenetischen Alopezie. Sie ist der häufigste Grund für Haarverlust. Man versteht unter dem Begriff den erblich, hormonell bedingten Haarausfall, der sich im Laufe der Zeit bei Männern und Frauen ergeben kann. Dabei werden die Haare auf der Kopfhaut an bestimmten Stellen dünner und fallen dann aus. Schreitet der Haarausfall weiter fort, kann der sich bis über den Scheitelbereich ziehen, so dass die haarlosen Partien ineinander übergehen.

Die Folge: Ein Haarkranz. Bei Frauen hingegen werden die Haare zuerst im Scheitelbereich dünner. Komplette, kahle Stellen oder gar Glatzen kommen so gut wie nie vor. Der weibliche Haarausfall kann sich auch in Form eines sogenannten Christmas-Tree-Musters präsentieren. Das rührt daher, dass die Haare im Mittelscheitelbereich ausdünnen, aber auch am Haaransatz. An der Stirn sind die lichten Stellen am breitesten, nach hinten werden sie schmaler. Das erinnert an einen Tannenbaum.

Ein weiteres oft auftretendes Beispiel für krankheitsbedingten Haarverlust ist der kreisrunde Haarausfall: Hier greift das Immunsystem von Frauen oder Männern die eigenen Haarwurzeln an. Das führt zu kahlen, runden Stellen auf dem Kopf, in den Augenbrauen oder im Bart. Neben verschiedenen Therapiemöglichkeiten z.B. mittels Zinkeinnahme, kommt es oftmals auch zu spontanen Heilungen.

Wann ist eine Haartransplantation möglich?

Die genannten Arten des Haarausfalls verursachen bei den Betroffenen nicht nur negative Veränderungen hinsichtlich der Optik, sondern gehen gleichzeitig meist auch mit erheblichen Selbstzweifeln und einer Minderung des Selbstbewusstseins einher. Haartransplantationen stellen aus diesem Grund meist den einzigen Ausweg dar. Das betrifft vor allem den genetisch bedingten, hormonell ausgelösten Haarausfall. Eine Haartransplantation eignet sich für Menschen, bei denen eine Therapie mit Medikamenten nicht anschlägt. Die Haare des Patienten sollten im Areal, das für die Haarspende angedacht ist, gesund und nicht von Haarausfall betroffen sein. Nur so kann die Entnahme des zu transplantierendem Haar gelingen. Dass Haare zum Verpflanzen entnommen wurden, macht sich optisch beim Patienten kaum bemerkbar. Zu früh sollte man die Haartransplantation allerdings nicht durchführen. Oft wird ein Mindestalter von 30 bis 35 Jahren veranschlagt, weil dann der Haarverlust nicht mehr stark fortschreitet.

So werden Haarwurzeln für die Transplantation gewonnen und eingesetzt

Bei Männern lässt sich aus dem Haarkranz so gut wie die Hälfte der nötigen Haare entnehmen. Optisch ist das kaum sichtbar. Bei Frauen kann das gesamte Kopfhaarareal genutzt werden. Wichtig ist dabei, dass die aktiven Follikel der Haare gewonnen werden, die sich in der Wachstumsphase befinden. Follikel sind diejenigen Strukturen, die die Haarwurzel umgeben und in der Kopfhaut verankern. Unter lokaler Betäubung mit Zusatz von Adrenalin zur Blutungsminderung werden diese Haare eingepflanzt, indem kleine Löcher in die Kopfhaut gestanzt werden. Zu diesem Zweck kann auch ein sogenannter Haarroboter (auch bekannt als Haartransplantationsroboter) zum Einsatz kommen. Diese medizinische Innovation soll dem Chirurgen bei der Transplantation von Haaren helfen. 

Mit der modernen Technologie kann besonders präzise gearbeitet werden, so dass die Entstehung von Narben verhindert werden kann. Zudem können besonders vitale Einheiten an Follikeln entnommen werden, damit möglichst viele davon effektiv anwachsen. Zudem können so die Schmerzen reduziert werden. Zuerst wird der Hinterkopf gescannt und analysiert, um die besten Haare zu finden und entnehmen. Der Chirurg kann anschließend die Haare verpflanzen und achtet dabei auf eine natürliche Verteilung. Am ersten Tag muss noch ein Verband getragen werden. 10 Tage nach der Transplantation werden ggf. Fäden gezogen.

Welche Methoden der Haartransplantation gibt es? 

Streifenentnahme & Einsetzung follikularer Einheiten (FUI bzw. FUT)

Bei der Follicular Unit Transplantation (FUT-Technik) entnehmen die Ärzte die Haarwurzeln zusammen mit einem Hautstreifen. Dieser ist ca. ein bis zwei Zentimeter breit. Seine Länge ist von der zu verpflanzenden Haarmenge abhängig. Dabei kürzen die Ärzte vorher die Haare im Spenderbereich und entnehmen den Streifen mit den Haarwurzeln. Dann wird die Wunde vernäht. Die längeren Haare um den Entnahmebereich können die Narbe überdecken und kaschieren. Aus dem Streifen können in der Zwischenzeit mit Lupe und Mikroskop einige Haarwurzelgrüppchen gewonnen werden, die sich zum Verpflanzen mit einer kleinen Hohlnadel oder einem feinem Mikromesser eignen.

Follicular Unit Extraction (FUE)

Bei der Follicular Unit Extraction (FUE-Technik) werden einzelne follikulare Einheiten (Grafts) entnommen. Aus diesen Haarwurzelgrüppchen wachsen ca. ein bis fünf Haare. Hierfür wird der Hinterkopf je nach gewünschter Menge rasiert. Ein winziger Hohlbohrer lockert die Haarwurzelgrüppchen, um sie dann heraus zu zupfen. Diese Variante kommt ohne Schnitte aus, so dass sich dabei später nur winzige, kaum sichtbare Narbenpunkte ergeben. Sinnvoll ist diese Technik, wenn wenig Spenderhaare nötig sind. Für die Transplantation von stark lockigem oder krausem Haar ist sie meist zu kompliziert.

Streifen & Einsetzung Mini/Micrografts (MMG)

Bei diesem Verfahren wird ein Hautstreifen mit Haaren aus dem Hinterkopfbereich entnommen. Unter einem hochauflösenden Mikroskop wird der Streifen dann in sogenannte Mini- und Micro-Grafts aufgeteilt. Das sind mittlere und kleinere Hautteile, die je nach Größe über ca. ein bis vier (Micrografts) oder vier bis acht (Minigrafts) Haarwurzeln verfügen. An der von Haarausfall betroffenen Stelle werden dann kleine Löcher geöffnet, in die die Grafts transplantiert werden. Unschön ist dabei die relativ große, zurückbleibende Narbe, die auch für Spannungsgefühle sorgen kann.

Laterales Slit Methode

Dieses Verfahren ermöglicht ein natürliches und dichtes Ergebnis, indem in Abstimmung auf die Größe der follikulären Einheit, feine Skalpelle zum Öffnen winziger, ideal gewinkelter Empfängerkanäle zum Einsatz kommen. Dieser Ansatz eignet sich vor allem im Schläfenbereich oder für Menschen mit dünner Haut. Die Durchmesser der Follikeleinheiten und der Empfängerkanäle sind identisch, was die Wundheilung begünstigt. Auch üben die Grafts weniger Druck aufeinander aus und könne enger verpflanzt werden, was ein dichteres Resultat unterstützt.

DHI-Methode

Die Direct Hair Implantation, (kurz DHI-Methode, auch als CHOI-Methode bekannt) beruht auf der Weiterentwicklung der FUE-Methode. Zuerst wird das Spenderareal rasiert. Die Haarfollikel werden mit einer Hohlnadel entnommen. Nach der üblichen Lagerung der Grafts in einer Nährstofflösung werden die Haarwurzelgrüppchen transplantiert. Im Gegensatz zu den anderen Methoden werden nicht zuerst die Empfängerkanäle in der Kopfhaut geöffnet und die Haarwurzelgruppen eingepflanzt, sondern die Haare direkt ohne vorige Öffnung in einem Schritt mithilfe des sog. CHOI-Pens (CHOI-Nadel) transplantiert. Das Ergebnis soll voller und natürlicher wirken.

Long Hair Method

Darunter ist eine Form der FUE-Methode zu verstehen, bei der die Haare in voller Länge in den Empfängerbereich transplantiert werden, so dass auch die Haare der Spenderregion bis ca. acht Zentimeter lang gelassen werden können. Das Verfahren kommt also oft komplett ohne Rasur aus. Daher spricht Frauen diese Methode besonders an. Die Art der Transplantation benötigt mehr Pflege, Zeit und bietet eine geringere Anzahl an Grafts zur Verpflanzung.

Roboter-Methode/maschinelle Haartransplantation

Mit diesem Verfahren wurde die FUE-Methode (Follicular Unit Extraction) weiterentwickelt. Die Haarwurzelgruppen werden dabei nicht per Hand, sondern vom computergesteuerten Roboterarm entnommen. Damit die Spenderhaargruppen präzise transplantiert werden können, ist auch hier eine Rasur nötig. Die Größe des Spenderareals bestimmt der Roboter per Scan. Hat der Roboter alle Follikeleinheiten entnommen, werden sie in einer Nährstofflösung gelagert, die Haarkanäle an den lichten Stellen geöffnet und die Grafts in optimaler Wuchsrichtung eingesetzt.

Punch

Die Punch-Methode wird heute kaum mehr angewendet, da das Ausstanzen von relativ großen Kopfhautinseln (dreieinhalb bis vier Millimeter große Transplante) ein unnatürliches und büschelartiges Ergebnis erzeugt. Darüber hinaus ist die Transplantatausbeute nicht hoch und der Entnahmebereich nach der Operation durch auffällige Narben verunstaltet.

Crosspunch-Methode

Hier gibt der Winkel, in dem die Haare transplantiert werden, den Ausschlag. Um den Eingriff bestmöglich zu kaschieren, werden die Transplantate in gegeneinander angeordneten Winkeln (ca. fünf bis zehn Grad) verpflanzt. So gelingt auch mit glatten Haaren eine gute Abdeckung der Kopfhaut. Für ein perfektes Resultat muss der Arzt die ursprüngliche Wuchsrichtung der Haare im Blick haben. Daher ist das Verfahren auch nicht für Brauen, Bart und Geheimratsecken geeignet. Dennoch können anhand dieser Technik große Empfängerflächen bearbeitet werden.

Was kosten Haartransplantationen?

Bevor eine Haartransplantation durchgeführt wird, ist eine ausführliche und umfassende Beratung bei einem qualifizierten Arzt unbedingt notwendig. Dabei werden auch die persönlichen Wünsche von vollem Haar mit den realistisch umsetzbaren Ergebnissen gemeinsam erläutert und abgeglichen. Auch über Risiken und Komplikationen wird in diesem Gespräch aufgeklärt. Ebenso erhält der Patient eine Kostenübersicht, die sich je nach Methode, Umfang und Klinik individuell zusammensetzt. 

Kosten der Haartransplantation in Deutschland

Oftmals übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine Haartransplantation nicht. Fast immer musst du selbst für die Kosten aufkommen. Transplantationen bei Haarverlust in Folge eines Unfalls, z.B. nach Verbrennungen, können allerdings schon von der Krankenkasse getragen werden. Die durchschnittlichen Kosten für eine Haartransplantation bewegen sich ca. zwischen 2.000 und 8.000 EUR. Wobei nach oben je nach Aufwand kein Limit besteht. Das ist etwa der Fall, wenn es darum geht, Menschen mit einer Glatze Haare zu transplantieren.

Daten zum Anfertigen einer grafischen Preistabelle beruhen auf ca.-Angaben zu Durchschnittspreisen in Deutschland und variieren je nach Größe des Areals:

- Haartransplantation bei einer Tonsur: ab ca. 3.000 Euro
- Haartransplantation bei Geheimratsecken: ab ca. 2.500 Euro
- Haartransplantation im Scheitelbereich: ab ca. 3.500 Euro
- Haartransplantation bei einer kompletten Oberkopfglatze: ab ca. 12.000 Euro

Warum Haartransplantationen im Ausland günstiger sind

In der Türkei zum Beispiel kosten Haartransplantationen durchschnittlich knapp die Hälfte im Vergleich zu den Kosten hierzulande. Wieso ist das so? Gründe können u.a. die niedrigeren Kostenaufwendungen für Personal, Mieten und Medikamente sein. Bevor du diesem Reiz verfällst, solltest du unter den hunderten von Anbietern genau prüfen, welcher davon als qualifizierter Spezialist auf diesem Gebiet bezeichnet werden kann. Billiganbieter können dich sonst nicht nur finanziell, sondern auch gesundheitlich schädigen. Denn eine Massenabfertigung zieht oft auch viele Risiken nach sich.

Risiken einer Haartransplantation: Mit welchen Begleiterscheinungen muss ich rechnen? 

Sie Haartransplantation ist ein chirurgischen Eingriff, wenn auch ein vergleichsweise kleiner. Daher ergeben sich in den wenigsten Fällen tatsächliche Komplikationen wie Entzündungen oder einer Abstoßreaktion der Transplantate. Zudem findet die Transplantation ohne Vollnarkose statt, was den Körper auch weniger belastet. Aber, dass eine Haartransplantation auch langfristig erfolgreich ist, kann nie garantiert werden. Immerhin kann man erst nach ca. einem Jahr abschätzen, ob sich der Aufwand und die Kosten gelohnt haben. 

Zu den möglichen Risiken gehören:

- Wundbildung, -schmerz, Verkrustungen, Jucken
- Vorübergehende Rötungen, Schwellungen und Gefühlsstörungen
- Narbenentstehung
- Infektionsrisiko
- Allergische Reaktion durch die lokale Betäubung
- FUT-Methode: Wundfläche mit Blutungen
- FUE-Methode: Einpflanzen der Haare entgegen der Wuchsrichtung führt zu optischen   Einbußen

Risikominimierung durch das Einhalten folgender Aspekte:

- Hygienische Wundpflege
- Empfohlene Produkte zur speziellen Haarpflege benutzen. Bereits nach rund 48     Stunden dürfen die Haare mit einem milden Shampoo sanft ohne viel Druck gewaschen werden.
- Kein Haargel benutzen bis die Haare stärker nachgewachsen sind.
- Möglichst innerhalb der nächsten 3 Monate nicht föhnen, tönen, färben oder Haarteile verwenden.
- Die Kopfhaut schonen.
- Keinen Helm tragen.
- Auf einem Nackenkissen mit einer Einmalunterlage schlafen.
- Nicht kratzen.
- Keinen Alkohol trinken und nicht rauchen.
- In den ersten Wochen direkte Sonne auf dem Kopf vermeiden.
- Besuche von Solarium und Sauna in den 3 Folgewochen vermeiden.
- Kein Sport während der ersten Wochen nach dem Eingriff.
- Erst nach 2 Wochen wieder mit körperlich anstrengenden Tätigkeiten beginnen.
- Nachsorgetermin wahrnehmen. 

Die Erfolgsaussichten nach einer Haartransplantation

Auf gesunder Kopfhaut wachsen vorerst ca. 98 Prozent der Haarfollikel an. Auf Narben oder bei Rauchern und Diabetikern über 45 Jahren liegt diese Quote immerhin sogar noch bei ca. 80 Prozent. Im Durchschnitt werden ca. 90 Prozent der verpflanzten Haare nach einer Haartransplantation wieder dauerhaft wachsen können. Der Wachstumsprozess beginnt ca. zwölf bis 14 Wochen nach der Verpflanzung. Aber: Die Patienten verlieren zunächst innerhalb der ersten zwei bis sechs Wochen nach der OP einen Teil der transplantierten Haare wieder, was jedoch nicht die Wurzeln betrifft. Danach stellt sich das natürliche Haarwachstum wieder ein, so dass neue Haare durchschnittlich in den nächsten sechs bis zehn Monaten sprießen. Nach ca. einem Jahr zeigt sich das finale Resultat. 

Gut zu wissen: Im Laufe der Zeit können wieder ca. 10 Prozent der Transplantate ausfallen. Die Erfolgschancen werden aber auch von einigen weiteren Faktoren bedingt, etwa von der Vitalität der Transplantate und Größe des von Haarverlust betroffenen Areals.

Was mit einer Haartransplantation noch behandelt werden kann

Mit einer Haartransplantation können auch Haare an kahlen Bartstellen eingesetzt oder in lichte Augenbrauen verpflanzt werden. Dieser Eingriff wird ebenfalls oft durchgeführt.

Zu beachten ist, dass die Verpflanzung in den Bartbereich anders als am Kopf abläuft. Denn für die Spenderhaare vom Kopf kommen nur kräftige Haare als Transplantat im Bartbereich infrage. Außerdem werden die Haare einzeln eingesetzt. Dabei muss der Arzt sehr genau arbeiten, da die Öffnungen für die Transplantate sehr klein sind und auch die Wuchsrichtung für ein einheitliches Erscheinungsbild eingehalten wird.

Wer seinen Augenbrauen die schützende Funktion etwa durch Überzupfen genommen hat oder in der Brauenpartie Narben erlitten hat, der kann ebenfalls auf eine Haartransplantation zurückgreifen. Meist werden Haare vom Hinterkopf genutzt. Oft wird dafür die FUT-Methode oder die FUE-Technik angewendet.
Mit der FUE-Methode werden aber auch Haartransplantationen im männlichen Brustbereich oder Intimbereich durchgeführt.