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Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Tourette und Tic

Tourette-Syndrom oder Ticstörung?

Wer an Tourette denkt, hat meist als erstes laute Ausrufe, oft mit beleidigendem oder fäkalem Inhalt, im Kopf. Dabei steht das unkontrollierte Ausrufen nicht in direktem Zusammenhang mit Tourette, sondern ist ein Tic. Aber was sind eigentlich die Unterschiede?

Frau kneift Augen fest zusammen
Ein Tic kann ein Symptom für Tourette sein - muss aber nicht © E+

Krankheit vs. Symptom: Tourette ist nicht gleich Tic

Während es sich beim Tourette-Syndrom um eine eigenständige Erkrankung handelt, ist der Tic oder die Ticstörung lediglich das Symptom einer Erkrankung. Gleichzeitig können Tic und Tourette-Syndrom einander bedingen: So wird das Tourette-Syndrom als Krankheit durch die Ticstörung charakterisiert, eine Ticstörung ist aber nicht zwangsläufig gleich ein Anzeichen für eine Erkrankung am Tourette-Syndrom. Was genau nun eigentlich eine Ticstörung ist und wann sie zum Tourette-Syndrom werden kann – hier gibt’s die Infos.

Was ist ein Tic oder eine Ticstörung?

Bei einer Ticstörung handelt es sich um ein Krankheitssymptom und nicht um eine eigenständige Erkrankung. Ein Tic kann verschiedene Ursachen haben, wobei diese bislang noch nicht genau geklärt sind. Weite Teile der Forschung vertreten momentan die Ansicht, dass genetische Grundlagen zur Entstehung von Ticstörungen führen können. Tics können in verschiedene Gruppen eingeteilt werden, je nach Komplexität und Art. Es wird zwischen motorischen und vokalen sowie zwischen einfachen und komplexen Tics differenziert. Tics sind allerdings immer unwillkürlich und treten meist sehr schnell sowie in häufiger Abfolge auf.

Am bekanntesten sind motorische Tics: Je nach Komplexität äußern sie sich in kaum merkbaren bis heftigen Bewegungsabläufen: Vom zuckenden Mundwinkel oder dem Zusammenkneifen der Augen bis hin zum Springen oder gar zu selbstverletzendem Verhalten ist vieles möglich.

Vokale Tics werden dagegen weniger sichtbar, sondern stattdessen hörbar: Betroffene schnalzen beispielsweise mit der Zunge, grunzen ohne ersichtlichen Grund oder werfen mit einzelnen Begriffen oder sogar kurzen Sätzen um sich. Entscheidend ist, dass der Betroffene den Tic als solchen nicht kontrollieren kann. Bisweilen kann es möglich sein, das Auftreten des Tics zeitlich zu verzögern, aber er kann nicht vollständig unterdrückt werden.

Ist ein Tic immer Ausdruck einer Krankheit?

Tics kommen genauso wie das Tourette-Syndrom bei Kindern vor und manifestieren sich auch in diesem Alter am häufigsten. Teilweise sind die Störungen derart geringfügig, dass sie gar nicht auffallen. Jungs sind übrigens dreimal so häufig vom Auftreten einer Ticstörung betroffen wie Mädchen. Sollte ein Tic auftreten, bedeutet dies noch lange nicht, dass eine ernsthafte Krankheit zugrundliegt oder sich zwangsläufig entwickeln wird. Viele Tics können in die Kategorie der vorübergehenden Ticstörungen eingeordnet werden, die zwar mehrfach am Tag auftreten, aber binnen eines Jahres auch wieder verschwinden. Chronisch wird es erst, wenn die Tics über einen längeren Zeitraum als zwölf Monate auftreten. Aber auch in diesem Fall kann es passieren, dass die Störung als solche mit zunehmendem Alter irgendwann ganz von allein wieder verschwindet oder sich zumindest stark zurückbildet. Das zeigen auch verschiedene Prominente mit Tourette-Syndrom, die ihre Erkrankung heute gut im Griff haben.

Wann wird der Tic zum Tourette-Syndrom?

Eine Ticstörung ist nicht mit dem Tourette-Syndrom gleichzusetzen. Erst wenn eine Ticstörung chronisch wird und motorische sowie vokale Tics gemeinsam auftreten, mehrfach am Tag und oft auch in Serien sowie über einen Zeitraum von mehr als zwölf Monaten hinweg auftauchen, spricht man vom Tourette-Syndrom. Auch dieses muss Betroffene jedoch nicht für immer begleiten, denn selbst wer im Kindesalter eine gravierende Ticstörung ausbildet, kann mit dieser sehr gut umzugehen lernen und sogar die Hoffnung haben, dass sich der Grad der Ausprägung mit zunehmendem Alter verringert.

Ticstörungen von anderen Symptomen abgrenzen

Häufig werden Ticstörungen oder sogar ein Tourette-Syndrom vermutet, wo eigentlich andere Krankheitsbilder zugrunde liegen. So kann es beispielsweise nach der Einnahme von Medikamenten oder auch einer Hirnverletzung zu Bewegungsstörungen kommen, die auf den ersten Blick einem motorischen Tic ähneln könnten. Auch verschiedene Zwangshandlungen weisen Ähnlichkeiten zur Ticstörung auf. Zwangshandlungen sind jedoch in der Regel deutlich komplexer als Tics und werden bisweilen auch bewusst und wissentlich durchgeführt. Genau dies ist bei einem Tic nicht der Fall. Das Abtrainieren oder Abgewöhnen eines Tics ist übrigens nicht möglich. Wer an einer Ticstörung oder dem Tourette-Syndrom leidet, kann jedoch Techniken erlernen, um mit den Tics besser umgehen zu können.

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