Uncovered - mit Thilo Mischke

Wie gefährlich ist dieser Trend wirklich?

Nordkorea: Reisen in eine der bizarrsten Diktaturen der Welt

Erst seit 2013 ist Nordkorea ganzjährig für den Tourismus geöffnet. Doch obwohl sich der ostasiatische Staat offiziell als "Demokratische Volksrepublik Korea" bezeichnet, zählt er zu den härtesten Diktaturen der Welt. Wie gefährlich ist das Land für Touristen? Und was sollte unbedingt beachtet werden? Thilo Mischke wollte es genauer wissen und reiste für die zweite Folge "Uncovered" (Montag, 31. Juli, 21:10 Uhr) selbst dorthin.

Der Fall Otto Warmbier erhitzt noch immer die Gemüter: Der amerikanische Student reist 2015 mit einem chinesischen Reiseveranstalter nach Nordkorea. Während seines fünftägigen Aufenthaltes entwendet er, laut nordkoreanischer Behörden, ein Propaganda-Plakat aus seinem Hotel. Er wird in Pjöngjang festgenommen und ohne echten Prozess zu 15 Jahren Arbeitslager wegen "feindlicher Aktivitäten" verurteilt. Erst im Juni 2017 erfahren die Eltern, dass ihr Sohn bereits seit März 2016 im Koma liegt – offiziell aufgrund einer Fleisch- und Wurstvergiftung. Die Begründung wird nach der Entlassung Otto Warmbiers am 13. Juni und der anschließenden Überführung in die USA sowohl seitens der Eltern als auch seitens der behandelnden Ärzte in Zweifel gezogen. Der Vater erhebt schwere Vorwürfe gegen die nordkoreanische Regierung: Sein Sohn sei in der Haft gefoltert worden. Stichhaltige Beweise kann er dafür nicht vorlegen. Am 19. Juni 2017 stirbt Otto Warmbier an seinen schweren Hirnverletzungen.

Nordkorea: Ein Land, das keine Gnade kennt

Nordkorea ist so etwas wie ein weißer Fleck auf der Landkarte. Lange Zeit war das Land nahezu hermetisch abgeriegelt – nach innen wie nach außen. Einheimische durften das Land nicht verlassen, nur wenigen Ausländern wurde die Einreise gestattet. Dementsprechend dürftig war bislang die Informationslage. Als gesichert gilt jedoch schon länger die Erkenntnis, dass Nordkorea es mit den Menschenrechten nicht so genau nimmt. Meinungsfreiheit existiert quasi nicht, offene Kritik an der Führung wird bestraft, Medien werden zensiert. Menschen werden aufgrund politischer oder religiöser Überzeugungen inhaftiert – es soll Konzentrations- und Umerziehungslager geben.

Konsens ist auch, dass Lagerinsassen immer wieder an den Folgen von Folter oder Nahrungsmittelentzug sterben. Kavaliersdelikte werden nicht selten mit der Todesstrafe vergolten, sogar öffentliche Hinrichtungen sollen hin und wieder vorkommen. Und das alles in einem Land, das sich "Demokratische Volksrepublik Korea" nennt. Wie ist es soweit gekommen?

Nordkorea vs. Südkorea: Ein kurzer Blick in die Geschichte

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Entwicklung Koreas eng mit der Entwicklung Chinas verwoben. Erst 1897 wurde Korea zum Kaiserreich. Das Glück währte nicht lang, denn schon 1910 wurde Korea von den Japanern besetzt und zur japanischen Kolonie ernannt. Nach der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg, sollte Korea sukzessive wieder in einen eigenen Staat umgewandelt werden. Zunächst aber wurde der Norden der Halbinsel von den Russen besetzt, der Süden von den Amerikanern; die innerstaatliche Grenze verlief in etwa entlang des 38. Breitengrades.

Doch während vordergründig an der Ermächtigung des souveränen koreanischen Volkes gearbeitet wird, beginnt Russland damit, Nordkorea nach eigenen Vorstellungen umzuformen. Nach kommunistischen Leitlinien werden unter anderem Großgrundbesitzer enteignet und wichtige Industriezweige verstaatlicht. Nicht zuletzt schafft Russland so einen "Pufferstaat" zum eigenen Schutz vor der japanischen Militärmacht. Südkorea hingegen entwickelt sich nach amerikanischen Vorbild. Als 1948 sowohl die amerikanischen als auch die russischen Truppen abgezogen werden, kommt es zum ideologischen Konflikt zwischen Nord- und Südkorea, der 1950 schließlich im Korea-Krieg mündet. Erst 1953 kann unter der Führung von China und den USA ein Waffenstillstand geschlossen werden, entlang des 38. Breitengrades wird eine 4 km tiefe entmilitarisierte Zone eingerichtet. Diese Zone markiert noch heute die Grenze zwischen Nord- und Südkorea.

Nordkorea befindet sich in der Krise – und keiner darf es wissen

Bereits seit den 1950er Jahren arbeitet der nordkoreanische Führer Kim Il-sung zielstrebig daran, einen Personenkult nach den Vorbildern Stalins und Mao um sich herum zu errichten. Da Kim Il-sung sein Land zunehmend von Russland unabhängig machen möchte, China die Versorgerrolle aber nicht übernehmen kann, rutscht Nordkorea immer tiefer in die handelspolitische Isolation. Kim Il-sung versucht den wirtschaftlichen Niedergang nicht nur vor der eigenen Bevölkerung, sondern auch vor dem Ausland geheim zu halten. Eine restriktive Informationspolitik ist die Folge. Nordkorea kapselt sich vom Rest der Welt ab. Um ihre Macht trotz innen- und außenpolitischer Krisen zu erhalten, greifen sowohl Kim Il-sung als auch seine Nachfolger Kim Jong-il und Kim Jong-un zu immer menschenverachtenderen Maßnahmen.

Reisetrend Nordkorea – Der Tourismus wächst

Wohl aus wirtschaftlichen Gründen beginnt Nordkorea vor einigen Jahren, sich ausländischen Reisenden zu öffnen. Zunächst nur in bestimmten Monaten des Jahres, 2013 folgt die ganzjährige Öffnung. Im krassen Widerspruch dazu versucht das Land auch weiterhin, die wahren wirtschaftlichen und sozialen Zustände zu verbergen. So werden Reisen nach Nordkorea streng reglementiert. Urlaube können nur als Pauschalreisen gebucht werden, die Regierung entscheidet, welche Orte besucht werden dürfen. Der Kontakt zur zivilen Bevölkerung wird weitgehend unterbunden. Viele weitere Restriktionen machen den Besuch Nordkoreas zu einer inszenierten Erfahrung.

Wer die Regeln kennt und sich genauesten daran hält, hat wenig zu befürchten. Wer sich jedoch eines minimalen Vergehens schuldig macht, läuft Gefahr die volle Härte des Regimes zu spüren – wie im Falle Otto Warmbiers. Letztlich muss jeder Reisende für sich entscheiden, ob er dieses Risiko für ein inszeniertes Urlaubserlebnis in Kauf nehmen und ein diktatorisches Regime mit ausländischen Devisen unterstützen will. Eine einmalige und bleibende Erfahrung dürfte eine Reise nach Nordkorea in jedem Fall sein.  

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