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Teresa Enke stellt App gegen Depressionen vor

Seit dem Suizid des Nationaltorhüters Robert Enke engagiert sich seine Witwe Teresa Enke im Kampf gegen Depressionen. Zusammen mit dem DfB hat sie nun die sogenannte Enke-App vorgestellt.

12.10.2016 15:42 | 1:09 Min | © Wochit

DFB und Teresa Enke stellen „EnkeApp“ vor.

2009 begeht Robert Enke Selbstmord. Der Nationaltorhüter und Kapitän von Hannover 96 litt an Depressionen. Einen Tag später stellt sich Teresa Enke der Presse: Sie spricht nicht nur über die Schwere von Roberts Krankheit und den Alltag mit der Depression, sondern auch über Roberts Wunsch, seine Probleme der Öffentlichkeit vorzuenthalten. Die Angst vor Stigmatisierung ist groß – der erfolgreiche Keeper befürchtet, nicht mehr als Leistungssportler arbeiten zu können, sollte seine vermeintliche Schwäche publik werden. Nach Roberts Tod wächst in Teresa der Wunsch, etwas zu bewegen. Sie übernimmt den Vorsitz der Robert-Enke-Stiftung und setzt sich dafür ein, das gesellschaftliche Tabu „Depression“ aufzubrechen. Auch heute noch kämpft sie für ihr großes Ziel: Menschen mit Depressionen dazu zu bewegen, über ihre Krankheit zu sprechen und sich – rechtzeitig – Hilfe zu holen. Die „EnkeApp“ ist ein weiterer wichtiger Schritt in diese Richtung. Sieben Jahre nach dem Tod ihres Mannes sitzt Teresa Enke gemeinsam mit Oliver Bierhoff und DFB-Präsident Reinhard Grindel erneut vor der Presse – und stellt die App und ihre lebensrettenden Funktionen vor.

Der SOS-Knopf – die wichtigsten Funktionen der „EnkeApp“

Über den SOS-Knopf können Betroffene sprichwörtlich in letzter Sekunde um Hilfe rufen – diskret und ohne sich lange erklären zu müssen. Wird der Knopf für mindestens zwei Sekunden gedrückt, sendet die „EnkeApp“ automatisch den Standort sowie ein zuvor erstelltes Profil an die nächstgelegene Notrufzentrale und die Rettungskräfte rücken aus. Zeitgleich kann ein Gruppen-Notruf an vorher festgelegte Freunde oder Familienmitglieder abgesetzt werden, auch hier wird der Standort via GPS übermittelt. Die Gründung der Gruppe hat aber auch eine vorbeugende Funktion: Sie macht es dem Erkrankten leichter, den eingeweihten Kreis über akute Phasen zu informieren – natürlich nur, wenn er das auch wirklich möchte. Ein „Moodtracker“ hilft zudem, diese akuten Phasen zu erkennen, bevor sie ihren Höhepunkt erreichen. Teresa Enke hofft, dass die Gruppenchatfunktion es Betroffenen leichter mache, sich zu öffnen. Denn ein großes Ziel der App sei, den Nutzern einen Weg aus „Isolation und Verunsicherung“ zu bieten. Die „EnkeApp“ soll aber auch Menschen ansprechen und aufklären, die sich über ihre Erkrankung vielleicht noch gar nicht so im Klaren sind. Daher beherbergt sie auch eine Wissensplattform sowie einen „Depressionstest“. Letzterer soll helfen, Klarheit zu schaffen. Denn wenn das Motto „Robert konnten wir nicht retten. Dich schon.“ Realität werden soll, ist es wichtig, die Betroffenen so früh wie möglich zu erreichen.

Robert konnten wir nicht retten. Dich schon?

Die „EnkeApp“ ist ein tolles und wichtiges Angebot an Menschen mit Depressionen. Aber sie ist nur eine Möglichkeit von vielen. Quälst du dich auch mit Selbstmordgedanken, findest aber nicht den Mut, dich jemandem anzuvertrauen? Hast du die Befürchtung, dass deine Stimmungsschwankungen vielleicht gar keine harmlosen Stimmungsschwankungen sind und mehr dahinterstecken könnte? Glaubst du, dass deine Probleme doch eh keinen interessieren? Das stimmt nicht! Und es ist auch nicht schlimm, wenn du dir nicht sicher bist, ob du wirklich an Depressionen leidest. Wichtig ist, dass du weißt: Du musst da nicht alleine durch! Wir haben dir Alternativen zur „EnkeApp“ zusammengestellt:

  • Vertrau dich deinen Eltern, deinen Geschwistern oder deinem besten Freund bzw. deiner besten Freundin an. Deine Liebsten können keinen Therapeuten ersetzen, aber sie können dich bei der Suche unterstützen und dich auf deinem ganz persönlichen Weg aus den Depressionen begleiten.
  • Sprich mit deinem Hausarzt. Er kann dir helfen, zu erkennen, ob du betroffen bist und dir bestenfalls einen kompetenten Kollegen aus dem therapeutischen Bereich empfehlen.
  • Wende dich an eine Hotline. Es gibt verschiedene Anlaufstellen, die dir im Fall der Fälle zur Seite stehen. Zum Beispiel das Info-Telefon der Stiftung Deutsche Depressionshilfe (0800 3344533).
  • Schreib‘ die TelefonSeelsorge an. Du kannst natürlich auch hier anrufen (0800 111 0 111). Aber vielleicht fällt dir Schreiben einfach leichter. Dann bietet die TelefonSeelsorge auch eine Chatberatung an. Einfach mal googlen.
  • Lass‘ dir einen Termin bei der Psychologischen oder Psychosozialen Beratungsstelle geben. Wenn du dich alleine nicht traust, schnapp dir einen Freund oder eine Freundin zur emotionalen Unterstützung – und los geht’s!
  • Ruf‘ einen Therapeuten an. Vielleicht kennst du sogar schon einen Therapeuten oder hast im Internet recherchiert? Wenn du kassenärztlich versichert bist, musst du in den meisten Fällen leider auf einen Therapieplatz warten. Aber vielleicht hast du Glück. Wenn nicht, lässt du dich einfach schon mal auf die Warteliste setzen und nutzt in der Zwischenzeit eine der anderen Möglichkeiten.

Du kannst nicht warten? Dann gibt es immer noch den Notfalldienst: Unter der bundesweit einheitlichen Rufnummer 116 117 erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen.

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