Stars

Prominent und erfolgreich auch ohne Abitur

Es gibt immer mehr Deutsche mit Abitur. In vielen Ausbildungsberufen hat man ohne Abitur heute fast keine Chance mehr auf einen Vertrag. Dennoch müssen auch Schüler mit Hauptschulabschluss oder Mittlerer Reife die Hoffnung auf eine spätere Karriere nicht aufgeben wie zahlreiche Beispiele von Prominenten zeigen. Viele bekannte Menschen aus Wirtschaft, Politik und Showbusiness haben in der Schule schlecht abgeschnitten und trotzdem später Karriere gemacht. Vorneweg der Kanzlerkandidat der SPD, Martin Schulz, der es mit einer Mittleren Reife und einer Ausbildung zum Buchhändler immerhin zum Präsidenten des Europäischen Parlaments geschafft hat und demnächst vielleicht sogar mächtigster Mann Deutschlands wird.

Berliner-Reichstag
© Pixabay

Thomas Mann war einer der bedeutendsten Erzähler des 20. Jahrhunderts, den wohl jeder noch aus dem Deutschunterricht kennt. Er benötigte Ende des 19. Jahrhunderts in Lübeck immerhin neun Jahre, um die eigentlich nur auf sechs Jahre angelegte Mittlere Reife mit durchgehend mäßigen bis sehr mäßigen Leistungen abzuschließen. Andere berühmte Autoren wie Franz Kafka, Bertolt Brecht und Theodor Fontane waren hinsichtlich ihrer schulischen Leistungen übrigens kaum besser.

Auch viele Politiker haben in der Schule keineswegs geglänzt

Unter den bekannten Persönlichkeiten, die in der Schule keine Bäume ausgerissen haben, befinden sich auch viele Politiker, wie Martin Schulz oder der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer. Letzterer hat in der zehnten Klasse das Gottlieb-Daimler-Gymnasium in Stuttgart-Bad Cannstatt ohne Abschluss verlassen. Es folgten eine Lehre als Fotograf, die er ein Jahr später wieder abbrach, eine kurze Karriere als Spielwarenverkäufer und lange Jahre als Taxifahrer in Frankfurt.

Die SPD-Politikerin Petra Hinz behauptete jahrelang, ein Jurastudium mit zwei Staatsexamen abgeschlossen zu haben. Doch in Wahrheit hat sie nicht einmal das Abitur geschafft. Viele Politiker im Deutschen Bundestag hatten Mühe mit dem Abitur. Der ehemalige Ministerpräsident von Niedersachsen und Bundespräsident, Christian Wulff, ist ebenso einmal sitzengeblieben wie der frühere Ministerpräsident von Bayern, Edmund Stoiber und zahlreiche weitere Politiker aller Parteien.

Steile Musik-Karrieren ohne Allgemeine Hochschulreife

Rapper-Kapuzenpullover
© Pixabay

Zu den prominentesten deutschen Musikern ohne Abitur zählt der erfolgreiche Berliner Rapper Sido, der die Schule in der elften Klasse abgebrochen hat. Sido besuchte unter seinem bürgerlichen Namen Paul Würdig eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe und behauptete stets, mit Drogen erwischt worden und deshalb von der Schule geflogen zu sein. Im Unterricht soll Sido aber Gerüchten zufolge auch keine Leuchte gewesen sein.

Ein prominentes Idol der Neuen Deutschen Welle verließ das Gymnasium noch vor dem Abitur, begann eine Lehre als Goldschmiedin und sang nebenbei. Später zog Nena dann aus der Provinz in die Metropole Berlin, arbeitete als Sekretärin bei Jim Rakete und produzierte mit „Nur geträumt“ ihren ersten großen Hit, dem zahlreiche folgen sollten. Im Jahre 2007 gründete Nena eine alternative Privatschule nach dem Sudbury-Modell in Hamburg. Die Schule bietet Platz für 85 Schüler von 5 bis 17 Jahren, denen fünf Lehrkräfte zur Verfügung stehen. Das Schulgeld beträgt laut Homepage 170 Euro pro Monat.

Schulversager Ochsenknecht kämpfte sich durch und wurde ein Star

Ein absoluter Schulversager war auch der beliebte deutsche Schauspieler Uwe Ochsen-knecht. Mit 15 Jahren wurde er in Mannheim des Gymnasiums verwiesen, da er zum dritten Mal die Versetzung nicht gepackt hatte. Zwei Jahre später schaffte Ochsenknecht zumindest seinen Hauptschulabschluss und begann dann seine eigentliche Karriere als Schauspieler an der Westfälischen Schauspielschule Bochum, die er erfolgreich abschloss.  

Der gebürtige Ostfriese Karl Dall wurde in der Schule wegen seines hängenden Augenlids, einer angeborenen Muskelschwäche, gehänselt. Er machte das Beste draus und wurde zum Klassenclown. Nach der zehnten Klasse brach das Lehrerkind die Schule ohne Abschluss ab, absolvierte eine Lehre zum Schriftsetzer und schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch, bis er seinen Durchbruch als gefeierter Komiker mit der Gruppe Insterburg & Co. schaffte

Die prominente Autorin Charlotte Grace Roche besuchte in ihrer schulischen Laufbahn zunächst die Grundschule in Niederkrüchten und wechselte später auf das St.-Wolfhelm-Gymnasium in Schwalmtal, wo sie zunächst zwei Ehrenrunden drehte und dann nach der elften Klasse abbrach, da sie von Schule die Nase voll hatte. Ihre Karriere als Fernsehmoderatorin begann 1998 auf VIVA Zwei in der Musiksendung „Fast Forward“.

Gerne zur Schule ging hingegen der ehemalige deutsche Tennis-Star Boris Becker, obwohl er am Heidelberger Gymnasium mehr durch Streiche auffiel als durch glänzende schulische Leistungen. Um sich voll auf seine Profikarriere konzentrieren zu können, verließ Becker das Gymnasium mit der Mittleren Reife und begann seine steile Karriere als Tennisspieler, in der er 49 gewann und zwölf Wochen die Weltrangliste anführte.

Auch wenn viele Promis den Durchbruch auch ohne Abitur geschafft haben und erfolgreiche Karrieren hingelegt haben, sollte man sich als junger Mensch nicht darauf verlassen, es Martin Schulz, Sido, Nena oder Boris Becker einfach nachtun zu können. Mit einem Abitur in der Tasche stehen die Chancen für die berufliche Zukunft deutlich besser. Wer die Schule abgebrochen oder mit Hauptschulabschluss bzw. Mittlerer Reife absolviert hat, hat in Deutschland zum Glück jederzeit die Chance und vielfältige Möglichkeiten, das Abitur nachträglich zu machen.

Abitur in Deutschland jederzeit auch online nachholen

Bibelschule
© Pixabay

Seit den 70er Jahren hat sich die Zahl der jungen Menschen verdoppelt, die auf dem zweiten Bildungsweg ihr Abitur nachgeholt haben. Entweder an einer Volkshochschule, an einer Abendschule bzw. einem Kolleg oder per Fernunterricht. An Abendschulen und Kollegs erfolgt die Prüfung in der Weiterbildungseinrichtung durch die Schulen. An Volkshoch-schulen und beim Fernunterricht werden die Schüler auf die Abschlussprüfung vorbereitet, die dann staatlich kontrolliert an anderer Stelle abgelegt werden muss. Beide Wege führen zum Abitur und berechtigen zum Studium an deutschen Hochschulen.

Als Institution des zweiten Bildungswegs sind die Volkshochschulen (VHS) nicht zu ersetzen. Jährlich versuchen 100.000 Teilnehmer hier ihre Bildungsabschlüsse nachzuholen oder zu verbessern – nicht nur das Abitur. In den meisten VHS finden Kurse abends oder am Wochenende statt, um Berufstätigen die Teilnahme zu ermöglichen. Auch kann man in vielen Volkshochschulen sein Lerntempo beeinflussen und einzelne Kurse wählen.

Mittlerweile lässt sich auch das Abitur im Fernunterricht nachmachen. Der größte Vorteil des Fernunterrichts ist die freie Zeiteinteilung. Im Gegensatz zu Abendschulen und VHS-Kursen, kann man das Lernen und seine Hausaufgaben dann erledigen, wann es einem am besten passt. Das erhöht die Chance, das Abitur neben seinem Beruf nachzuholen. Dafür gibt es aber auch keinen mitunter motivierenden Klassenverband.