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Tierversuche: Leider auch heute noch ein aktuelles Thema

Dagegen haben deine Eltern doch schon in den 80ern gekämpft. Heute werden doch keine Kosmetika mehr an Affen, Hasen, Mäusen und Co getestet, oder?

Oh doch, leider. So absurd es klingen mag, aber Tierversuche in der Kosmetikindustrie gibt es immer noch. In manchen Teilen der Welt werden sie sogar gefördert oder gesetzlich vorgeschrieben. Ja du hast richtig gelesen: vorgeschrieben. Dabei konnte niemals nachgewiesen werden, ob Tierversuche wirklich sinnvoll, geschweige denn notwendig wären und ob neue modernere Testmethoden sie nicht schon längst ersetzen könnten. Hinzu kommt, dass nicht alle Produkte, die du für deine Pflege verwendest, unter die Definition Kosmetik fallen. Sonnenschutzmittel werden in manchen Teilen der Welt als Kosmetik angeführt in anderen wiederum als Arzneimittel oder medizinische Kosmetik. Oder einzelne Rohstoffe unterliegen dem Chemikaliengesetz und können oder müssen sogar an Tieren getestet werden.

Schauen wir uns den aktuellen Stand der Dinge einmal an. Am 11.03.2013 trat ein Gesetz in Kraft, das Tierversuche in der Kosmetikindustrie auf dem europäischen Markt verbieten sollte. Seitdem gilt ein Verkaufsverbot von an Tieren getesteten kosmetischen Produkten. Das gilt auch für Importware und für Tests an einzelnen Inhaltsstoffen. Damit ist allerdings nicht geregelt, dass bestimmte Inhaltsstoffe nicht vor 2013 schon an Tieren getestet wurden. Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche weist zum Beispiel darauf hin, dass selbst Olivenöl schon an Tieren getestet wurde und es dementsprechend kein einziges kosmetisches Produkt gibt, das vollkommen Cruelty Free ist. Alle Produkte die sich als Cruelty Free kennzeichnen garantieren daher nur, dass es keine Versuche an Tieren mehr gab seit Tag X. Zudem ist auch nach 2013 das Testen von bestimmten Inhaltsstoffen und einzelnen Bestandteilen nach dem Chemikaliengesetz noch erlaubt. Der Weg ist noch lang, denn erst 2018 verabschiedete das EU-Parlament eine Resolution für ein weltweites Verbot von Tierversuchen. Erst 2023 soll diese Initiative greifen.

Ganz anders sieht es in China aus, hier schreibt die Regierung Tierversuche für Kosmetikprodukte sogar vor. Auch amerikanische und europäische Brands müssen an Tieren testen, wenn sie in China verkaufen wollen. Die USA hinken hinterher. Erst 2015 wurde der Humane Cosmetics Act vorgestellt, um Tierversuche aus der Kosmetik auszuweisen. Der Act wurde 2017 neu diskutiert, ist aber bis heute noch nicht umgesetzt. Somit sind Tierversuche zwar nicht vorgeschrieben, können aber durchgeführt werden. Auch in Russland oder Japan werden neben alternative Methoden immer noch Tests an Labortieren durchgeführt. In Südkorea wurden Tierversuche in der Kosmetik erst 2015 etwas schwammig geregelt. Sie sind zwar für kosmetische Inhaltsstoffe und neue Kosmetikprodukte verboten. Trotzdem sind Tierversuche dann erlaubt, wenn keine alternativen Testmethoden existieren.

Ähnlich missverständlich wie die gesetzliche Lage ist auch die Definition von Cruelty Free Kosmetik. Klären wir also als nächstes: Was bedeutet eigentlich Cruelty Free? Und was ist der Unterschied zwischen Cruelty Free und veganer Kosmetik.

Tierversuchsfreie Produkte? Ja, die gibt es! Welche Brands mit Cruelty Free P...
Tierversuchsfreie Produkte? Ja, die gibt es! Welche Brands mit Cruelty Free Produkte punkten, lest Ihr im Artikel!  © GettyImages

Dafür steht Cruelty Free

Ein Produkt kann als Cruelty Free bezeichnet werden, wenn an keinem Punkt der Produktion Tierversuche durchgeführt wurden. Das schließt die Produktion einzelner und bezogener Wirkstoffe ein. Betrifft auch Tests durch Dritte. Schließlich sind auch schon fertige verwendete Produkte davon betroffen.   

Was ist vegetarische Kosmetik?

Als vegetarisch werden Produkte bezeichnet, die keine tierischen Bestandteile enthalten. In der Formel solcher vegetarischer Kosmetik sind aber tierische Nebenproduktbestandteile erlaubt.

Was ist vegane Kosmetik?

Schließlich gibt es noch vegane Produkte, die keine tierischen Bestandteile und auch keine tierischen Nebenproduktbestandteile enthalten dürfen.

Was bedeutet dies nun? Nur weil ein Produkt vegetarisch oder vegan ist, muss es noch nicht Cruelty Free sein und umgekehrt gilt dies genauso. Selbst Naturkosmetik muss nicht zwingend Cruelty Free sein.

Um dir das Cruelty Free Shopping etwas zu erleichtern haben verschiedene Organisationen unterschiedliche Zertifikate und Labels ins Leben gerufen, die Tierversuchsfreie Kosmetik kennzeichnen.

Wir lieben Tiere! Ihr auch? Lasst euch jetzt von den besten Brands inspiriere...
Wir lieben Tiere! Ihr auch? Lasst euch jetzt von den besten Brands inspirieren, die uns mit ihren Cruelty Free Kosmetik-Produkten überzeugen! © GettyImages

Cruelty Free: So erkennst du die Marken

Wenn du dich zu einer bestimmten Marke informieren möchtest, kannst du dich zunächst an PETA wenden. Die Organisation, die sich für den Tierschutz einsetzt, bietet auf ihrer Website eine übersichtliche Liste von Marken an, die Cruelty Free Kosmetik anbieten. Daneben findest du hier auch eine Negativliste von Brands, die Tierversuche nach wie vor durchführen.

Nun musst du aber nicht vor jedem Kauf eine online Recherche durchführen und diverse Listen checken. Die meisten Brands kennzeichnen ihre Cruelty Free Produkte mit gut sichtbaren Siegeln und Zertifikaten. Nach diesen solltest du Ausschau halten, wenn du tierversuchsfreie Kosmetik shoppen möchtest.

  • The Leaping Bunny – Das Siegel wird von der Coalition for Consumer Information on Cosmetics und von der European Coalition to End Animal Experiments vergeben. Unternehmen, die diese Siegel tragen müssen weltweit auf Tierversuche verzichten.

Auch, wenn sie Stoffe von anderen Produzenten einkaufen müssen diese Tierversuchsfrei produziert sein.

  • Hase mit schützender Hand – Der Deutsche Tierschutzbund vergibt die Kennzeichnung zusammen mit dem Internationalen Herstellerverband gegen Tierversuche in der Kosmetik e.V. (IHTK). Das Produkt mit diesem Siegel muss natürlich vollkommen ohne Tierversuche produziert sein. Die Marke dahinter auch ansonsten keine Tierversuche durchführen und darf keinem größeren Konzern angehören, der Versuche an Tieren durchführt. Zudem sind einzelne Wirkstoffe verboten, die nach 1979 erstmalig an Tieren getestet wurden. Sowie Inhaltsstoffe, für deren Gewinnung, Tiere leiden mussten.
  • „PETA approved – global animal test policy“ – Das Logo wird von PETA verliehen. Ähnlich wie die bereits genannten Labels kennzeichnet es auch Produkte, die unter Ausschluss von Tierversuchen produziert werden. Zudem werden aber auch noch die Rohstoffe berücksichtigt.
    Die Tierschutzorganisation vergibt ein weiteres Siegel mit dem Zusatz Cruelty Free + Vegan.

Unsere Favoriten

Wir haben einige tierversuchsfreie Marken mal unter die Lupe genommen und wollen dir einige davon vorstellen. Vielleicht sind ja auch schon einige dabei, die du selbst gerne benutzt. Check doch einfach mal die Marken in deinem Badezimmer, von der Shampooflasche, über die Feuchtigkeitscreme bis zur Mascara, sind alle deine Marken Cruelty Free?

Hier kommen ein paar Vorschläge für dich, falls du auf Tierversuchsfreie Kosmetik umstiegen möchtest.

Makeup

·   bareMinerals

·   Charlotte Tilbury

·   Fenty Beauty

·   Too Faced

·   Urban Decay

Skincare

·   Alverde

·   Dr. Hauschka

·   Glossier

·   Hourglass Cosmetics

·   Lavera

Haare

·   Aesop

·   Aveda

·   Drunk elephant

·   IGK Hair

·   Ringana

Nägel

·   Herzlack

·   Kia Charlotta

·   OZN

·   Kester Black

·   Nailberry

Darum solltest du auf tierversuchsfreie Marken umsteigen

Nun zunächst natürlich den Tieren zuliebe. Hinzu kommt aber auch noch, dass es inzwischen Testalternativen gibt, die mindestens gleich gute, meist aber bessere Ergebnisse liefern.

Wie sicher die Testergebnisse von Tierversuchen wirklich sind, ist bis heute umstritten. Gerade die Organisation Ärzte gegen Tierversuche weist immer wieder darauf hin, dass sich menschliches Gewebe wesentlich von tierischem unterscheidet und die Vergleichbarkeit gar nicht gegeben ist.

Modernere Testmethoden liefern daher aussagekräftigere Ergebnisse, die sich tatsächlich auf die menschliche Haut und den menschlichen Körper übertragen lassen.

So gibt es inzwischen Tests an Zellkulturen. Im Labor werden Gewebearten herangezüchtet auf denen einzelne Wirkstoffe getestet werden können. Das künstliche Gewebe ist menschlicher Haut genau nachempfunden. Darüber hinaus, können auch Computergesteuerte Simulationen die wahrscheinliche Wirkung eines Inhaltsstoffes genau berechnen. Und schließlich gibt es auch freiwillige Probanden, die bereit sind an Studien teilzunehmen. All diese Methoden liefern bessere und sicherere Ergebnisse als ein Wirkstofftest an einem Tier.

Unser Fazit

Nun ist es leider immer noch keine Selbstverständlichkeit, dass dein Badezimmer und deine Beauty Routine Cruelty Free bleibt. Allerdings ist es nicht unmöglich gute hochwertige Produkte und Marken zu finden, die auf Tierversuche verzichten. Indem du nach Siegeln, Zertifikaten und Logos Ausschau hältst, wirst du schnell fündig werden und tierversuchsfreie Kosmetikmarken entdecken.

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