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Als sich Barack Obama vor acht Jahren vor dem Kapitol für seine zweite Amtszeit als US-Präsident vereidigen ließ, bejubelten ihn etwa 1,8 Millionen Menschen. Auch Joe Biden, damals vor seiner zweiten Amtsperiode als Vizepräsident, wird sich gut daran erinnern. 2021 wird Biden selbst als US-Präsident vereidigt und eine ganz andere Veranstaltung erleben.

Schon im Wahlkampf machte Biden klar, wie er mit der Corona-Pandemie umgeht: Maske tragen und Abstand halten. Bei seinen Wahlkampfveranstaltungen saßen seine Anhänger in ihren Autos und hupten zustimmend. Und auch für seine Amtseinführung hat Biden stets klar gemacht: Es sollen möglichst wenig US-Amerikanerinnen und Amerikaner in die US-Hauptstadt Washington D.C. kommen.

Sicherheitsbehörden rüsten nach Kapitol-Sturm auf

Die sowieso schon schwierige Situation verschärfte sich am 6. Januar nochmal. Gewaltbereite Anhänger des US-Präsidenten Donald Trump drangen in das Kapitol ein und versuchten so zu verhindern, dass Biden auch offiziell als neuer US-Präsident bestätigt wird. Zwar gelang dieser von Trump angeheizte Putschversuch, allerdings starben fünf Menschen bei der gewaltsamen Stürmung des Kapitols, darunter ein Polizist.

Aus Angst vor weiteren Gewalttaten der Trump-Anhänger werden Kapitol und Weißes Haus zur Hochsicherheitszone. 20 000 bewaffnete Nationalgardisten sind im Einsatz, viermal so viele wie US-Soldaten im Irak und in Afghanistan zusammen. Sie sollen sicherstellen, dass die Amtseinführung friedlich bleibt.

Ein zwei Meter hoher Zaun mit Stacheldraht an seiner Spitze blockiert den Zugang zum Kongress, Betonblöcke verhindern, dass die Straße zum Weißen Haus erreichbar ist.

Das Ende einer Tradition

Denn genau hier spielt sich in der Regel die Amtseinführung ab. Der neue US-Präsident trifft sich im Weißen Haus zunächst mit seinem Amtsvorgänger, bei einer Tasse Tee gibt es eine kurze Einführung. So hat es Barack Obama 2017 mit Donald Trump gemacht – doch Trump hat schon angekündigt, sich weder mit Biden treffen zu wollen noch bei der Amtseinführung anwesend zu sein.

Am Kapitol legt der neue US-Präsident dann in der Regel seinen Amtseid ab und hält seine Antrittsrede. Anschließend geht es an den zahlreichen Zuschauern vorbei zurück ins Weiße Haus.

Biden wird zwar vor dem Kapitol seinen Eid ablegen und seine Rede halten, allerdings werden ihm dabei kaum Zuschauer zuhören. Vielmehr setzt das Biden-Team ganz auf eine virtuelle Veranstaltung. So soll es ein von Schauspieler Tom Hanks moderiertes TV-Special geben, auch andere Prominente wie Justin Timberlake und Demi Lovato werden auftreten.

Angst vor weiterer Gewalt

Es ist zudem unwahrscheinlich, dass der 77 Jahre alte Biden zu Fuß zurück zum Weißen Haus läuft – vor allem Sicherheitsbedenken sprechen dagegen. Denn die Sicherheitsbehörden befürchten nicht nur in Washington D.C., sondern auch in anderen Bundeshauptstädten Gewaltakte von wütenden Trump-Anhängern.

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