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Bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 bekam Hillary Clinton knapp drei Millionen Stimmen mehr als ihr Kontrahent Donald Trump – doch im Weißen Haus sitzt seitdem der Republikaner. Auch wenn in diesem Jahr der Demokrat Joe Biden in den Umfragen stets in Führung liegt, es ist völlig unklar, ob er die Wahl gegen US-Präsident Donald Trump auch gewinnen kann. Die Ursache dafür ist im sehr speziellen Wahlsystem der USA zu finden.

Die US-Bürger wählen ihren Präsidenten nicht direkt, sondern geben ihre Stimmen den Wahlmännern und -frauen ihres Bundesstaates. Wie viele Wahlleute jeder Bundesstaat hat, richtet sich nach der jeweiligen Bevölkerungszahl. Kalifornien stellt 55 Wahlleute, der Bundesstaat New York 29. Dünner besiedelte Bundesstaaten wie North Dakota und Vermont verfügen über jeweils drei Wahlleute.

Video: So funktioniert die US-Wahl

Wahlmänner und das "The winner takes it all"-Prinzip

Alle Bundesstaaten zusammen gerechnet kommen auf 538 Wahlleute. Wer US-Präsident werden will, muss über die Hälfte der Wahlmänner und -frauen auf seiner Seite haben. Daher ist das Ziel von Trump und Biden, mindestens 270 Wahlleute zu bekommen.

Ein Detail im System der Wahlmänner sorgt dafür, dass eben auch der Kandidat US-Präsident werden kann, der nicht die Mehrheit der Wählerstimmen bekommen hat: das "The winner takes it all"-Prinzip. Der Kandidat, der in einem Bundesstaat die meisten Stimmen auf sich ziehen kann, bekommt alle Wahlleute dieses Bundesstaates. Ausnahmen bilden die Bundesstaaten Maine und Nebraska, hier werden die Wahlmänner proportional zu den Wählerstimmen aufgeteilt.

Fokus auf bevölkerungsreiche Staaten und "Swing States"

Durch das "The winner takes it all"-Prinzip ist es für jeden Kandidaten von großer Bedeutung, sich vor allem in bevölkerungsreichen Bundesstaaten die Mehrheit der Stimmen und die damit verbundene hohe Zahl an Wahlleuten zu sichern. Wer also beispielsweise im Bundesstaat Florida 51 Prozent der Stimmen erreicht, bekommt alle 29 Wahlleute zugesprochen. Umgekehrt bedeutet das: Wer nur 49 Prozent der Stimmen auf sich ziehen kann, kommt auf null Wahlleute.

Entscheidend für den Ausgang der Wahl sind daher Bundesstaaten, bei denen in Umfragen kein Kandidat klar in Führung liegt – die sogenannten Swing States. Traditionell werden manche Bundesstaaten von einer Partei dominiert, wie Kalifornien von den Demokraten und Alabama von den Republikanern. Die jeweils andere Partei hat hier keine Chance, die Mehrheit der Stimmen zu bekommen.

Kampf um drei Swing States

Bei den Swing States wie Florida, Pennsylvania und Ohio hingegen liegen beide Kandidaten in den Umfragen nicht weit voneinander entfernt. Sowohl Trump als auch Biden führen daher verstärkt in diesen Bundesstaaten Wahlkampf. Sie wissen: Für einen Wahlsieg müssen sie möglichst viele Wahlmänner bekommen.

In den Swing States zählt daher auch jede Stimme – entsprechend stark versuchen die Parteien auch hier zu beeinflussen, wer wählen darf und wer nicht. An der Wahl teilnehmen darf prinzipiell jeder US-Bürger und jede US-Bürgerin ab 18 Jahren. Wer allerdings zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, verliert in vielen Bundesstaaten das Wahlrecht, teilweise sogar auf Lebenszeit.

Eine entscheidende Frage: Wer darf wählen?

Jede US-Amerikanerin und jeder US-Amerikaner, die wählen wollen, müssen sich auf eigene Initiative hin registrieren lassen. Es gibt also keine Wahleinladung wie in Deutschland, die jeder bekommt. Doch gerade für Menschen aus ärmeren Wohnvierteln oder für Minderheiten ist die Registrierung eine echte Hürde. So versuchen republikanisch regierte Bundesstaaten immer wieder, vor allem Afroamerikaner von der Wahl abzuhalten – denn diese wählen überwiegend die Demokraten.

Wie entscheidend jede einzelne Stimme sein kann, hat die US-Präsidentschaftswahl 2000 gezeigt. Der Republikaner George W. Bush und der Demokrat Al Gore lagen bei der Wahl gleichauf. Entscheidend wurde der Bundesstaat Florida: wer alle damals 25 Wahlmänner dieses Bundesstaates bekam, durfte ins Weiße Haus einziehen. Nach einer umstrittenen Auszählung hatte Bush in Florida 537 Stimmen mehr als Gore, bekam so alle 25 Wahlmänner des Bundesstaates und gewann damit die Präsidentschaftswahl.