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Willkommen zurück! Die Bartgeier nisten wieder in Deutschland

  • Veröffentlicht: 18.08.2022
  • 08:45 Uhr
  • Sven Hasselberg

Eine Auswilderungs-Aktion in Bayern bringt uns den Bartgeier zurück. Hier erfährst du alles über das Programm und warum der Friedlichste aller Greifvögel so faszinierend ist. Im Clip: Mit einem Seeadler über die Alpen fliegen

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Das Wichtigste zum Thema Bartgeier

  • Der Bartgeier ist der größte Greifvogel Europas. Obwohl er friedlich ist, nur Aas frisst und auf die Jagd verzichtet, haben ihn die Menschen vor rund 140 Jahren in Deutschland ausgerottet.

  • Seit 2021 wildern der Landesbund für Vogelschutz in Bayern und der [Nationalpark Berchtesgaden wieder Tiere aus einer spanischen Zuchtstation aus. Vier Weibchen wurden in den Alpen angesiedelt, drei überlebten.

  • Ab 1986 begannen Tierschützer:innen die Vögel wieder in Frankreich, der Schweiz und Österreich anzusiedeln. Hier wurden über 220 Jungtiere freigelassen und seit 1997 sind über 270 Jungen neu geschlüpft.

  • Willst du wissen, warum die Menschen den Bartgeier früher fälschlicherweise für einen Kindermörder hielten, was er mit Batteriesäure gemeinsam hat und wie er seine Jungen großzieht? Dann lies weiter.

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Der Steckbrief des Bartgeiers

Steckbrief Bartgeier: Größe, Spannweite, Gewicht, Alter, Nahrung und Vorlieben des Bartgeiers.
Steckbrief Bartgeier: Größe, Spannweite, Gewicht, Alter, Nahrung und Vorlieben des Bartgeiers.

Der Bartgeier: Vor 140 Jahren ausgerottet

Der weltweite Bestand der Bartgeier umfasst noch 1.600 bis 6.700 Exemplare. Wildlebend kommen sie noch in Afrika und Eurasien vor. In Deutschland rotteten die Menschen sie vor 140 Jahren aus. Schuld daran war ein Missverständnis. Da Bartgeier immer mit Aas und Knochen gesichtet wurden, dachten die Leute, die Vögel jagten ihre Tiere. Deshalb hießen sie auch Lämmergeier. Dabei fraßen sie nur die Reste, die andere Jäger hinterlassen hatten. Und noch schlimmer: Die Menschen erzählten sich sogar, die großen Vögel würden kleine Kinder rauben. Deshalb verfolgten sie die Tiere.
Nun wollen der Landesbund für Vogelschutz in Bayern und der Nationalparks Berchtesgaden in Kooperation mit dem Tiergarten Nürnberg die Vögel wieder ansiedeln. In den nächsten zehn Jahren sollen jährlich zwei bis drei Jungvögel im Alter von 90 Tagen ausgewildert werden. 2021 starteten die ersten beiden Exemplare ihr Leben in Freiheit. Dazu bringen die Helfer:innen sie mit Rucksack-Kisten in den Fels. Dort kommen die Vögel in eine "Auswilderungs-Nische".

Huckepack: Mit den Weibchen Recka und Dagmar, auf Kraxen geschnallt, steigen die Helfer:Innen im Juni 2022 bis in 1.300 Meter Höhe auf. Im Nationalpark Berchtesgaden bringen sie die beiden Tiere in ihre Auswilderungsnische. Dabei erklimmen sie anspruchsvolle Steilhänge, überqueren Felsspalten und arbeiten mit Sicherungsseilen. Der Aufstieg ist nur etwas für Profis.
Huckepack: Mit den Weibchen Recka und Dagmar, auf Kraxen geschnallt, steigen die Helfer:Innen im Juni 2022 bis in 1.300 Meter Höhe auf. Im Nationalpark Berchtesgaden bringen sie die beiden Tiere in ihre Auswilderungsnische. Dabei erklimmen sie anspruchsvolle Steilhänge, überqueren Felsspalten und arbeiten mit Sicherungsseilen. Der Aufstieg ist nur etwas für Profis.© picture alliance/dpa | Sven Hoppe

Die gut sechs mal 20 Meter große Nische ist eingezäunt. Hier werden die Geier weiterhin gefüttert und machen erste Flugversuche. Gut vier Wochen danach verlassen sie die Nische, halten sich aber noch in der Gegend auf. Damit sie das Suchen von Futter lernen, verstecken die Tierschützer:Innen weiterhin Fleisch in Felsspalten. Nach einiger Zeit verlassen sie dann ihren Auswilderungsort bleiben aber GPS-überwacht. Willst Du die Geier beobachten? Schau dir den Link an.

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Willst Du noch mehr über Bartgeier erfahren?

Hier kannst du mit einer Live-Cam den deutschen Bartgeiern folgen.

6 kuriose Fakten zum Bartgeier

🔋 Magensäure: Bartgeier fressen Aas und Knochen. Damit sie diese verdauen können, besitzen sie den sauersten Magen im Tierreich. Ihre Magensäure hat einen pH-Wert von 0,7. Das entspricht Batteriesäure.

🦴 Knochenbrecher: Im Volksmund hat er viele Namen. Neben Gold-, Berg- oder Steingeier wurde er "Boabrüchl", Knochenbrecher, genannt. Knochen aus dem Aas lässt er auf Felsen fallen, damit sie in Happen zerbrechen. Allerdings kann er Stücke von 30 Zentimetern vertilgen.

🐢 Schildkröten: Die einzigen Tiere, die Bartgeier aktiv jagen, sind Schildkröten. Im Mittelmeerraum fangen sie die Reptilien, steigen mit ihnen in die Lüfte und lassen sie von dort wie sonst Knochen auf Felsen fallen. Ist der Panzer zertrümmert, fressen die Vögel das Fleisch.

🎶 Stimme: Für gewöhnlich sind Bartgeier stumm. Nur bei der Balz umwirbt das Männchen das Weibchen mit einem Trillern. Im Flug kommunizieren die Paare dann auch durch weitere Laute miteinander.

🐰 Friedliche Wohngemeinschaft: Aufgrund ihrer Friedlichkeit halten Zoos Bartgeier sogar zusammen mit Murmeltieren, Hasen oder Kaninchen. Während die Nager als "natürliche Rasenmäher" im Gehege fungieren, wurde noch nie eines der Tiere von einem der Geier getötet.

🇦🇩 Langstrecke: Täglich kann ein erwachsenes Tier eine Route von bis zu 700 Kilometern zurücklegen. Das Revier kann eine Größe zwischen 100 und 400 Quadratkilometern umfassen. Die Fläche ist etwas kleiner als die des Zwergstaats Andorra.

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Die Bartgeier - ein Leben lang ein Paar

Willkommen zurück! Die Bartgeier nisten wieder in Deutschland

Höhenflug: Bartgeier sind keine Zugvögel. Dieses Exemplar lebt in Südafrika. Es wird von Flughöhen bis zu 7.000 Metern berichtet. Die orange-rötliche Färbung an Hals und Unterseite ist charakteristisch. Eigentlich sind die Federn weiß. Durch Bäder in eisenoxidhaltigem Schlamm bekommen sie die Färbung.
Höhenflug: Bartgeier sind keine Zugvögel. Dieses Exemplar lebt in Südafrika. Es wird von Flughöhen bis zu 7.000 Metern berichtet. Die orange-rötliche Färbung an Hals und Unterseite ist charakteristisch. Eigentlich sind die Federn weiß. Durch Bäder in eisenoxidhaltigem Schlamm bekommen sie die Färbung. © picture alliance / blickwinkel/McPHOTO/R. Mueller
Paarungszeit: Nach fünf bis sieben Jahren sind die Greifvögel geschlechtsreif. Bartgeier leben monogam, entscheiden sich also ein lebenslang füreinander. Die Paarungszeit umfasst November und Dezember. Bartgeier leben oberhalb der Baumgrenze.
Paarungszeit: Nach fünf bis sieben Jahren sind die Greifvögel geschlechtsreif. Bartgeier leben monogam, entscheiden sich also ein lebenslang füreinander. Die Paarungszeit umfasst November und Dezember. Bartgeier leben oberhalb der Baumgrenze. © picture alliance / picture alliance/Bildagentur-online | Bildagentur-online/Volz-McPhoto
Nest: Die Nester bauen Bartgeier in Felsnischen. Sie können einen Durchmesser von zwei Metern und eine Höhe von drei Metern erreichen. Mithilfe von Fell und Federn, mittlerweile aber auch mit Papierabfällen oder Lappen, polstern die Vögel ihr Zuhause bequem aus. Das Weibchen legt zwei Eier hinein.
Nest: Die Nester bauen Bartgeier in Felsnischen. Sie können einen Durchmesser von zwei Metern und eine Höhe von drei Metern erreichen. Mithilfe von Fell und Federn, mittlerweile aber auch mit Papierabfällen oder Lappen, polstern die Vögel ihr Zuhause bequem aus. Das Weibchen legt zwei Eier hinein. © picture alliance / blickwinkel/A. Hartl
Küken: Nach 52 bis 58 Tagen Brutzeit schlüpfen die Jungen mit der ersten Schneeschmelze. Pro Jahr ziehen die Eltern nur ein Küken groß. Denn das stärkere Tier tötet sein Geschwisterchen. Das Küken im Foto stammt aus einer Aufzucht.
Küken: Nach 52 bis 58 Tagen Brutzeit schlüpfen die Jungen mit der ersten Schneeschmelze. Pro Jahr ziehen die Eltern nur ein Küken groß. Denn das stärkere Tier tötet sein Geschwisterchen. Das Küken im Foto stammt aus einer Aufzucht. © picture alliance / WILDLIFE/W.Walter
Jungtiere: Nach 110 bis 120 Tagen verlassen die jungen Bartgeier zum ersten Mal das Nest. Die Jungtiere besitzen noch ein dunkles Federkleid. Auch die rote Augenumrandung beginnt erst mit ein bis zwei Jahren durchzustechen. Nach einigen Wochen bis Monaten im Revier der Eltern, suchen sich die Jungen dann ein eigenes.
Jungtiere: Nach 110 bis 120 Tagen verlassen die jungen Bartgeier zum ersten Mal das Nest. Die Jungtiere besitzen noch ein dunkles Federkleid. Auch die rote Augenumrandung beginnt erst mit ein bis zwei Jahren durchzustechen. Nach einigen Wochen bis Monaten im Revier der Eltern, suchen sich die Jungen dann ein eigenes.© picture alliance / imageBROKER | Mike Lane/FLPA
Höhenflug: Bartgeier sind keine Zugvögel. Dieses Exemplar lebt in Südafrika. Es wird von Flughöhen bis zu 7.000 Metern berichtet. Die orange-rötliche Färbung an Hals und Unterseite ist charakteristisch. Eigentlich sind die Federn weiß. Durch Bäder in eisenoxidhaltigem Schlamm bekommen sie die Färbung.
Paarungszeit: Nach fünf bis sieben Jahren sind die Greifvögel geschlechtsreif. Bartgeier leben monogam, entscheiden sich also ein lebenslang füreinander. Die Paarungszeit umfasst November und Dezember. Bartgeier leben oberhalb der Baumgrenze.
Nest: Die Nester bauen Bartgeier in Felsnischen. Sie können einen Durchmesser von zwei Metern und eine Höhe von drei Metern erreichen. Mithilfe von Fell und Federn, mittlerweile aber auch mit Papierabfällen oder Lappen, polstern die Vögel ihr Zuhause bequem aus. Das Weibchen legt zwei Eier hinein.
Küken: Nach 52 bis 58 Tagen Brutzeit schlüpfen die Jungen mit der ersten Schneeschmelze. Pro Jahr ziehen die Eltern nur ein Küken groß. Denn das stärkere Tier tötet sein Geschwisterchen. Das Küken im Foto stammt aus einer Aufzucht.
Jungtiere: Nach 110 bis 120 Tagen verlassen die jungen Bartgeier zum ersten Mal das Nest. Die Jungtiere besitzen noch ein dunkles Federkleid. Auch die rote Augenumrandung beginnt erst mit ein bis zwei Jahren durchzustechen. Nach einigen Wochen bis Monaten im Revier der Eltern, suchen sich die Jungen dann ein eigenes.

Wolf, Luchs & Co - auch sie sind wieder da!

🐺 Wolf: Immer wieder facht der Schutz von Wölfen heiße Diskussionen an. Denn Schäfer:Innen und Landwirt:Innen sehen ihre Herden in Gefahr. Um 1850 waren Wölfe in Deutschland ausgestorben. Mittlerweile haben sie sich wieder angesiedelt und seit gut 30 Jahren steigt ihr Zahl. Sie dürfen nicht geschossen werden. 2021 gab es über 128 Wolfsrudel mit rund 1.500 Tieren, die meisten davon in Nord-Ost-Deutschland.

🐾 Luchs: Auch die Katze mit den Pinselohren ist zurück. Nachdem Mitte des 19. Jahrhunderts die letzten Tiere in Deutschland ausgerottet wurden, setzten sich Tierschützer:Innen seit den 1970er Jahren für deren Rückkehr ein. Im Bayerischen Wald, im Harz, in Thüringen, Baden-Württemberg und auch in anderen Regionen ist das geglückt. Schätzungsweise 194 Tiere streifen wieder durch die Wälder.

🇵🇱 Elch: Zuerst kamen sie nur als Tourist:Innen aus Osteuropa. Elche überquerten hier und da die Grenze. Da aber die dünnbesiedelten Gebiete in Brandenburg mit ihren Feuchtwiesen ideale Lebensräume bieten, siedelt sich die größte Hirschart ganz von selbst langsam wieder in Deutschland an. Im frühen Mittelalter gab es sie hier noch überall. Seit Mitte des 20.Jahrhunderts waren sie ausgestorben. Jetzt wurden in Brandenburg zumindest Warnschilder für den Straßenverkehr aufgestellt!

🐻 Bär:Der letzte Braunbär soll in Deutschland 1835 im bayerischen Ruhpolding geschossen worden sein. Seitdem gibt es zwar keine freilebenden Tiere mehr bei uns, aber es wandern immer mal wieder einzelne Exemplare über die Grenze. Das berühmteste Exemplar war 2006 wohl "Problembär" Bruno. Er wurde schließlich erlegt. In Europa gibt es noch 17.000 Stück, die meisten davon in den Karpaten, also zwischen Tschechien und Rumänien. Einige leben auch auf dem Balkan.

🥚 Waldrapp: Der große Ibisvogel lebte bis ins 17. Jahrhundert auch in Mitteleuropa. Dort starb er jedoch aus, da ihm sein delikates Fleisch zum Verhängnis wurde. Übrig blieb nur eine Gruppe in Marokko. Dank der Unterstützung einiger Zoos konnten Tiere nachgezüchtet und ausgewildert werden. Im EU-Projekt "Waldrappteam" bringen Tierschützer:Innen den Vögeln mit Leichtflugzeugen sogar ihre Zugrouten wieder bei. Heute gibt es gut 1.000 freilebende Exemplare weltweit, auch in der Türkei und Syrien.

🐂 Wisent: Ende des 19. Jahrhunderts hatten nur noch zwei Populationen in Polen und dem Kaukasus überlebt. 1920 starben sie in freier Wildbahn aus – und dass, obwohl sie die größten europäischen Landtiere waren. Zoos begannen mit Nachtzüchtungen und wilderten die erste Gruppe 1952 wieder in Polen aus. Mittlerweile leben in Europa wieder rund 7.000 Exemplare - seit 2013 auch wieder im Rothaargebirge in NRW. In der Döbritzer Heide, in Brandenburg, gibt es inzwischen eine zweite Gruppe.

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