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CO2-Speicherung: Ist sie die Lösung zum Erreichen der Klimaneutralität?

  • Veröffentlicht: 29.03.2023
  • 14:45 Uhr
  • Galileo

Für das Ziel der Klimaneutralität könnte auch das unterirdische Speichern von Kohlendioxid helfen. Verfrachten wir das Treibhausgas-Problem mit der CO2-Speicherung nur an eine andere Stelle? Im Clip beantwortet Experte Andreas Oschlies wichtige Fragen zum Climate Engineering.

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Das Wichtigste zum Thema CO2-Speicherung

  • Zur Minderung von Treibhausgasen in der Atmosphäre ist die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid durch Carbon Capture and Storage (CCS) eine Option.

  • Die Forschung sieht darin vielversprechendes Potenzial. Aktuell sind technische CCS-Verfahren aber nicht flächendeckend im Einsatz. Manche Fragen zum Umwelteinfluss sind noch offen.

  • Unter dem Meer, zum Beispiel vor Norwegen und den Niederlanden, gibt es mögliche Lagerstätten für Kohlendioxid. Auch in der deutschen Nordsee wäre eine CO2-Speicherung denkbar.

  • Damit CO2 aus Deutschland etwa in der Nordsee gespeichert und ins Ausland transportiert werden könnte, braucht es jedoch zunächst gesetzliche Änderungen und internationale Vereinbarungen.

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Habeck möchte CO2-Speicherung einführen

Nach einem neuen Evaluierungs-Bericht zum Kohlendioxid-Speicherungsgesetz hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) angekündigt: Noch im Jahr 2023 möchte er den Weg für Carbon Capture and Storage (CCS) - unterirdische Speicherung von CO2 - freimachen.

Dadurch sollen auch CO2-Speicherstätten in Deutschland, vor allem im Norden, möglich werden. Zuletzt stand eher der Export des Treibhausgases nach Norwegen, Dänemark oder die Niederlande im Raum, wo CCS bereits teils praktiziert wird.

Vor rund zehn Jahren versuchte die frühere Bundesregierung schon einmal, CCS-Verfahren einzuführen - und scheiterte am gesellschaftlichen Widerstand. Auch Robert Habeck war damals noch dagegen.

Dank der Fortschritte der letzten Jahre hat sich inzwischen nicht nur der wissenschaftliche, sondern auch der politische Standpunkt überwiegend verändert: Um bis 2045 die geplante Klimaneutralität zu erreichen, führe demnach kein Weg an CCS vorbei.

Vor allem die Stahl-, Chemie- und Zement-Industrie werden die hohen Emissionsziele ohne CCS-Verfahren wohl kaum erreichen. Eine vollständige Umstellung auf grünen Wasserstoff gilt dort als unmöglich. Daher sieht der Plan für Deutschland vor, Carbon Capture and Storage insbesondere in diesen Bereichen einzusetzen.

Unter anderem Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP; mittig) befürwortet das Vorhaben von Robert Habeck (Grüne; rechts). Außerdem hier im Bild: Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD; links).
Unter anderem Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP; mittig) befürwortet das Vorhaben von Robert Habeck (Grüne; rechts). Außerdem hier im Bild: Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD; links).© picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka

Carbon Capture and Storage: Unterirdische Speicherung von Kohlendioxid

Carbon Capture and Storage (CCS) zählt im weiteren Sinne zum Geo-Engineering. Die Verfahren gelten als ein vielversprechendes Mittel, die Atmosphäre dauerhaft von einem Teil der Treibhausgase zu bereinigen.

Bei CCS-Verfahren geht es darum, Kohlendioxid aus der Luft zu saugen und zu speichern. Gemeint sind vor allem technische Verfahren. Demgegenüber sind beispielsweise Bäume natürliche CO2-Speicher.

Eine Möglichkeit des CCS besteht darin, in Wasser gelöstes CO2 in Gestein unter dem Meer zu pumpen. Damit wäre das Kohlendioxid dauerhaft aus dem Klima-Verkehr gezogen. Vermutlich geeignete Lagerstätten befinden sich etwa in der Nordsee oder dem Europäischen Nordmeer.

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Galileo vom 2019-06-04

CO2-Speicher unter dem Meer

In Zukunft könnte das erste CO2 unter dem Meer landen und die Nordsee als riesiger CO2-Speicher dienen. Die größten Hafenstädte der Benelux-Staaten wollen das Projekt als Erste umsetzen.

  • Video
  • 01:08 Min
  • Ab 12

CCS: Wissenschaftliche Erfolge

🤔 Nach einem Sonderbericht des Weltklimarats könnten CCS-Verfahren für bestimmte Bereiche wie die erwähnte Zement-Industrie unausweichlich werden, um die Klimaziele zu erreichen.

⚠ Da noch nicht alle Auswirkungen des CCS-Verfahrens auf Grundwasser, Boden oder Lebewesen erforscht sind, warnen Umweltschützer:innen jedoch vor möglichen schädlichen Folgen.

👩‍🔬 Erste Studien machen Hoffnung: Sie deuten darauf hin, dass sich die Verbindung von Kohlendioxid in Gestein unter dem Meer wesentlich schneller bildet und fester hält, als Fachleute anfangs vermuteten. Ein Austritt von gespeichertem CO2 gilt mittlerweile als weitgehend ausgeschlossen.

🌊 Allerdings braucht es für die Mineralisation von CO2 sehr viel Wasser. Daher bietet sich die Kohlendioxid-Speicherung vor allem in der Nähe von Meeren an - insbesondere dort, wo ohnehin bereits Geothermie-Anlagen stehen.

♻ Klar ist sowieso: Die mögliche CO2-Speicherung ist keine alleinige Lösung. Nachhaltige Maßnahmen zur Minderung des Treibhausgas-Ausstoßes haben Priorität, wie auch das Umweltbundesamt klarstellt.

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CCS: Rechtliche Unklarheiten

👍 Als zusätzliche Maßnahme könnte die Kohlendioxid-Speicherung an geeigneten Stellen also einen gewinnbringenden Beitrag zum Klimaschutz leisten.

🇩🇪 Bevor in Deutschland eine CO2-Speicherung zum Einsatz kommen kann, bedarf es der von Habeck anvisierten Änderung des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes (KSpG).

🇳🇴 In Norwegen gehören CCS-Verfahren schon seit einigen Jahren zu denkbaren Maßnahmen beim Klimaschutz. Zu den Überlegungen zählt auch, Kohlendioxid zum Speichern zu importieren.

🇩🇰 Dänemark gab kürzlich bekannt: Ab dem Jahr 2030 sollen im Rahmen des Projekts "Greensand" bis zu 13 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr in der dänischen Nordsee eingelagert werden. Das Land verfügt zudem über Kapazitäten zum Import von CO2, auch aus Deutschland.

📑 Bevor Deutschland und andere Länder Teile ihres Kohlendioxids - ob per Tankschiff oder Pipeline - auslagern könnten, braucht es konkret eine Reform des London-Protokolls, das eine Ausfuhr von Kohlendioxid bislang verbietet.

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Ziel: Klimaneutralität bis zum Jahr 2045

Deutschland will nach dem neuen Klimaschutzgesetz bis zum Jahr 2045 klimaneutral sein. Das bedeutet, der Ausstoß von Treibhausgasen und deren Aufnahme soll sich bis dahin ausgleichen. Vor allem Energiewirtschaft und Industrie haben für dieses Ziel noch viel Arbeit vor sich.

Um klimaneutral zu werden, gibt es - vereinfacht gesagt - wenige Möglichkeiten: Entweder vermeiden wir oder verringern zumindest klimaschädliche Prozesse. Oder wir entziehen der Atmosphäre bereits ausgestoßene Treibhausgase.

Wirklich nachhaltig ist dabei nur der Verzicht auf oder die Ersetzung von Klima-Killern. Da sich einzelne Bereiche, wie erwähnt etwa in der Industrie, aber nicht komplett klimaneutral umstellen lassen, sind zusätzliche Verfahren, die Treibhausgas aus der Atmosphäre saugen, wie beschrieben womöglich doch notwendig.

Klimaschutz-Ziele: Wie grün wird Deutschland?

CO2-Speicherung: Ist sie die Lösung zum Erreichen der Klimaneutralität?
© Galileo
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CO2-Speicherung: Häufig gestellte Fragen

Willst Du noch mehr über CO2-Speicherung erfahren?

Umweltbundesamt zu CCS-Verfahren

Evaluierungsbericht zum Kohlendioxid-Speicherungsgesetz

Matter, J. et al. (2016): Rapid carbon mineralization for permanent disposal of anthropogenic carbon dioxide emissions

Snæbjörnsdóttir, S. et al. (2020): Carbon dioxide storage through mineral carbonation

Pires, J. (2019; Hrsg.): Carbon Capture and Storage

Pilotstandort Ketzin des Forschungsprojekts CO2MAN

MaxPlanckSociety zum Geo-Engineering

In einem Video erklärt die Max-Planck-Gesellschaft die unterschiedlichen Ideen zum Geo-Engineering. Ab Minute 3:59 stehen auch CCS-Verfahren im Fokus.

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