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Corona-Impfstoff: Galileo-Reporter Peter testet ihn

  • Veröffentlicht: 01.11.2020
  • 19:45 Uhr
  • Galileo

Die Zulassung eines Corona-Impfstoffs rückt näher. Welche Impfstoffe kommen in Frage? Wie laufen die Entwicklung und die Test-Studien ab? Galileo-Autor Peter Krainer hat als einer der ersten einen Test-Impfstoff erhalten. Im Clip: So war es für ihn.

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Das Wichtigste zum Thema Corona-Impfstoff

  • Weltweit laufen mehr als 200 Impfstoff-Forschungsprojekte. Aktuell werden über 45 Impfstoffe an Menschen getestet. Auch die deutschen Firmen Biontech und CureVac mischen ganz vorne mit.

  • Ende 2020/Anfang 2021 werden wohl die ersten Impfstoffe gegen Corona in Deutschland zugelassen.

  • Der Impfstoff muss wirksam sein, das heißt gut vor Corona schützen. Zudem muss er sicher sein: Er darf keine Gesundheitsschäden verursachen. Der Clou: Der Impfstoff muss dem schädlichen Virus ähnlich sein, damit der Körper dagegen Antikörper bildet. Gleichzeitig darf das Viren-Material im Impfstoff nicht krankmachen.

  • Jeder Impfstoff muss verschiedene Test-Phasen durchlaufen: Entwicklung, vorklinische Phase mit Versuchen an Zellen und Tieren, klinische Phase I bis III mit Versuchen an Menschen. Bis zur Zulassung dauert es normalerweise Jahre bis Jahrzehnte. Im Falle einer Pandemie kann es aber schneller gehen, wenn Auflagen abgeschwächt und verschiedene Phasen kombiniert werden. Details zu den einzelnen Phasen, findest du hier.

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An diesen Impfstoff-Arten gegen Corona wird geforscht

Die meisten Unternehmen und Forschungseinrichtungen tüfteln an einem mRNA-Impfstoff (z.B. Biontech, Moderna) oder einem Vektor-Impfstoff (z.B. AstraZeneca) gegen Corona. Beide zählen zu den neuartigen genbasierten Impfstoffen. An Tot-Impfstoffen gegen Covid-19 wird aber ebenfalls geforscht. Das steckt hinter den Methoden:

1. mRNA-Impfstoffe

Sie enthalten den genetischen Bauplan für bestimmte ungefährliche Oberflächen-Proteine des Corona-Virus, für die sogenannten Spike-Proteine, in Form von mRNA.

Körperzellen produzieren dann anhand dieser Anleitung selbst Spike-Proteine. Gegen diese bildet das Immunsystem anschließend schützende Antikörper. Du wirst gegen Corona immun.

Vorteil: Diese Form des Impfstoffs kann schnell in riesigen Mengen hergestellt werden. Denn Forscher können das Genmaterial mit technischen Verfahren vervielfachen und der Körper übernimmt den Rest, da er selbst das Corona-Virus-Protein herstellt. Bisher ist jedoch kein einziger mRNA-Impfstoff zugelassen.

Die Produktion von gängigen Lebend- oder Tot-Impfstoffen dauert hingegen Monate, da die Viren erst gezüchtet werden müssen.

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2. Vektor-Impfstoffe

Bei diesem Verfahren nutzt man für den Menschen harmlose Viren. Sie können sich im Körper nicht vermehren.

Der Trick: Man fügt das Gen für das Spike-Protein ins Erbgut dieser Viren ein. Die Viren dienen sozusagen als Genfähre. Körperzellen bilden dann anhand des Bauplans auf dem Gen selbst Spike-Proteine und entsprechende schützende Antikörper.

Bisher gibt es nur einen zugelassenen Vektor-Impfstoff - den gegen Ebola.

3. Tot-Impfstoffe

Sie enthalten abgetötete/inaktivierte Viren oder auch nur inaktive Teile davon. Zugelassene Präparate gibt es zum Beispiel gegen Grippe oder Hepatitis B.

Man wird nicht krank, aber der Körper produziert entsprechende Antikörper. Auch im Hinblick auf Corona gibt es hier vielversprechende Ansätze.

Vorteil: Von den 3 Methoden ist dies die bisher gängigste und bewährteste.

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So funktioniert der mRNA-Impfstoff gegen Corona

Auf der Oberfläche der Corona-Viren befinden sich kleine Proteine mit einer ganz spezifischen Form, die sogenannten Spike-Proteine. Die nutzt man bei der Herstellung von mRNA-Impfstoffen. Zuerst identifizieren Forschende die mRNA im Corona-Virus, die diese Spike-Proteine herstellt, und vervielfältigen sie dann im Labor. Im nächsten Schritt umhüllen sie die Kopien der mRNA mit Fett und impfen sie in den Oberarm-Muskel. Das Fet
Auf der Oberfläche der Corona-Viren befinden sich kleine Proteine mit einer ganz spezifischen Form, die sogenannten Spike-Proteine. Die nutzt man bei der Herstellung von mRNA-Impfstoffen. Zuerst identifizieren Forschende die mRNA im Corona-Virus, die diese Spike-Proteine herstellt, und vervielfältigen sie dann im Labor. Im nächsten Schritt umhüllen sie die Kopien der mRNA mit Fett und impfen sie in den Oberarm-Muskel. Das Fet© Galileo
… in die Körperzellen. Diese nehmen die mRNA nämlich mit dem Bauplan für die Spike-Proteine aus dem Blut auf …
… in die Körperzellen. Diese nehmen die mRNA nämlich mit dem Bauplan für die Spike-Proteine aus dem Blut auf …© Galileo
… und produzieren nach kurzer Zeit selbst Spike-Proteine. Die haben dieselbe Struktur wie Corona-Viren.
… und produzieren nach kurzer Zeit selbst Spike-Proteine. Die haben dieselbe Struktur wie Corona-Viren.© Galileo
Das Immunsystem erkennt die Spike-Proteine als "fremd" und produziert dagegen Antikörper. Zudem "merken" sich die Immun-Gedächtniszellen die Struktur der Antikörper. Die Impfung regt außerdem die Bildung von T-Zellen an, welche später das Immunsystem beim Kampf gegen die Viren unterstützen.
Das Immunsystem erkennt die Spike-Proteine als "fremd" und produziert dagegen Antikörper. Zudem "merken" sich die Immun-Gedächtniszellen die Struktur der Antikörper. Die Impfung regt außerdem die Bildung von T-Zellen an, welche später das Immunsystem beim Kampf gegen die Viren unterstützen.© Galileo
Wenn sich nun später die oder der Geimpfte mit dem echten Corona-Virus infiziert, erkennt das Immunsystem sofort die Spike-Proteine und beginnt mit der Antikörper-Produktion. Diese binden an die Viren und verhindern so, dass sie in Körperzellen eindringen können. Die T-Zellen helfen dabei, bereits infizierte Zellen zu zerstören, bevor sich die Viren darin vermehren.
Wenn sich nun später die oder der Geimpfte mit dem echten Corona-Virus infiziert, erkennt das Immunsystem sofort die Spike-Proteine und beginnt mit der Antikörper-Produktion. Diese binden an die Viren und verhindern so, dass sie in Körperzellen eindringen können. Die T-Zellen helfen dabei, bereits infizierte Zellen zu zerstören, bevor sich die Viren darin vermehren. © Galileo
Auf der Oberfläche der Corona-Viren befinden sich kleine Proteine mit einer ganz spezifischen Form, die sogenannten Spike-Proteine. Die nutzt man bei der Herstellung von mRNA-Impfstoffen. Zuerst identifizieren Forschende die mRNA im Corona-Virus, die diese Spike-Proteine herstellt, und vervielfältigen sie dann im Labor. Im nächsten Schritt umhüllen sie die Kopien der mRNA mit Fett und impfen sie in den Oberarm-Muskel. Das Fet
… in die Körperzellen. Diese nehmen die mRNA nämlich mit dem Bauplan für die Spike-Proteine aus dem Blut auf …
… und produzieren nach kurzer Zeit selbst Spike-Proteine. Die haben dieselbe Struktur wie Corona-Viren.
Das Immunsystem erkennt die Spike-Proteine als "fremd" und produziert dagegen Antikörper. Zudem "merken" sich die Immun-Gedächtniszellen die Struktur der Antikörper. Die Impfung regt außerdem die Bildung von T-Zellen an, welche später das Immunsystem beim Kampf gegen die Viren unterstützen.
Wenn sich nun später die oder der Geimpfte mit dem echten Corona-Virus infiziert, erkennt das Immunsystem sofort die Spike-Proteine und beginnt mit der Antikörper-Produktion. Diese binden an die Viren und verhindern so, dass sie in Körperzellen eindringen können. Die T-Zellen helfen dabei, bereits infizierte Zellen zu zerstören, bevor sich die Viren darin vermehren.
Erklärvideos zu Corona

Wie ein COVID-19 Impfstoff entstehen kann

Wissenschaftler weltweit eint derzeit dasselbe Ziel: einen Impfstoff gegen das neuartige COVID-19-Virus zu finden. In Zeiten der modernen Medizin, in der Heilmittel für viele ansteckende Krankheiten als Selbstverständlichkeit wahrgenommen werden, wirkt die Suche nach einem Gegenmittel ungewollt befremdlich. Warum es dennoch schwierig ist, für unbekannte Viren Impfmittel zu entwickeln und welche Hürden Forscher rund um den Globus zu meistern haben, um ihr Ziel zu erreichen, erfahren Sie im Video.

  • Video
  • 01:48 Min
  • Ab 12
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Impfstoff-Test in Deutschland

Galileo-Autor Peter Krainer war bei einer Phase-1-Studie dabei, in der der neu entwickelte m-RNA-Impfstoff des Pharma-Unternehmens CureVac erstmals in Deutschland an Menschen getestet wurde. Man wollte herauszufinden, wie verträglich der Impfstoff ist, welche Immun-Antwort er hervorruft und welche Dosis nötig ist.

Auch Corona-Patienten waren dabei

Den neuartigen Impfstoff bekamen sowohl Leute, die noch kein Corona hatten, als auch ehemalige Covid-19-Patienten wie Peter verabreicht.

Der Grund: Es gibt Hinweise darauf, dass bei Menschen nach einer Covid-19 Erkrankung die Zahl der Antikörper schnell sinkt. Damit haben sie möglicherweise keinen wirksamen Schutz mehr vor einer erneuten Infektion und bräuchten ebenfalls eine Impfung. Also muss man wissen, wie sie auf den Impfstoff reagieren.

So läuft die Studie ab

  • Nur gesunde Menschen dürfen teilnehmen. Vorerkrankungen, Rauchen, Medikamenten-Einnahme, Allergien, aber auch Über- und Untergewicht sind Ausschluss-Kriterien.
  • Die Teilnehmer müssen eine 19-seitige Einverständniserklärung unterschreiben. Zusätzlich erklären ihnen die Ärzte, was geplant ist, und beantworten Fragen.
  • Nach der Impfung müssen die Probanden 4 Stunden zur Beobachtung vor Ort bleiben - üblich bei einer Phase-1-Studie, da man noch nicht genau weiß, wie die Test-Substanz wirkt.
  • Nach 4 Wochen bekommen die Teilnehmer eine zweite Impfung. Insgesamt gibt es 10 Kontroll-Termine innerhalb von 13 Monaten.
  • Um herauszufinden, welche Nebenwirkungen auf den Wirkstoff zurückzuführen sind sowie Verträglichkeit und Immunantwort mit ausreichender Sicherheit zu bestimmen, bekommen manche Teilnehmer ein Placebo (Kochsalzlösung).

Mehr Infos zur klinische Studie zur Testung des neuen CureVac Impfstoffes gegen COVID-19 findest du hier.

Und auch das Tropeninstitut des LMU Klinikums, wo Peter geimpft wurde, stellt Informationen zur Phase-1-Studie zur Verfügung.

Schon im März bekam die erste Testperson einen Corona-Impfstoff

Der Corona-Impfstoff mRNA-1273 wurde als erster an Menschen getestet. Am 16. März bekam ihn die 43-jährige Jennifer Haller als erste Versuchsperson injiziert. Die Tierversuche wurden aufgrund des Zeitdrucks teils übersprungen.

Entwickelt wurde die Impfung von der Firma Moderna in Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID).

Jennifer Haller ist zweifache Mutter und Betriebsleiterin in einem Software-Unternehmen. Als sie den Aufruf zur Studie sah, bewarb sie sich sofort - sie wollte selbst etwas gegen das Virus tun.
Jennifer Haller ist zweifache Mutter und Betriebsleiterin in einem Software-Unternehmen. Als sie den Aufruf zur Studie sah, bewarb sie sich sofort - sie wollte selbst etwas gegen das Virus tun.© picture alliance / AP Images

Der klinische Test mit Jennifer Haller und weiteren 44 Probanden, die innerhalb von 28 Tagen 2 Dosen des RNA-Impfstoffs bekamen, zeigte gute Ergebnisse. Die Nebenwirkungen waren gering und alle Teilnehmer haben Antikörper gegen Sars-CoV-2 entwickelt.

Auch die Phase-2-Studie mit 600 Probanden verlief erfolgreich. Ende Juli startete deshalb die 3. Testphase mit 30.000 Teilnehmern in den USA. Es war der erste Corona-Impfstoff-Versuch in solch einer Größenordnung.

Das Ergebnis: Der Impfstoff mRNA-1273 soll zu 94,5 Prozent vor Covid-19 schützen. Im Januar entscheidet die Europäische Arzneimittel-Agentur nun über die Zulassung.

3 Impfstoffe sind in Europa zugelassen. Sie sollen zu 70 bis 95 Prozent vor Corona schützen. Doch wie sicher ist ein Impfstoff, der so schnell entwickelt wurde? Was ist mit den Nebenwirkungen?

Auch gegen diese Krankheiten wird aktuell ein Impfstoff gesucht

🌏 Malaria

🥩 Hepatitis E

🙇‍♂️ Helicobacter pylori

🦀 Krebs

🧠 Alzheimer

👣 Multiple Sklerose

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